Die Wahrheit über Lügen - Klaus Allofs und seine Manager-Kollegen

Die Wahrheit über Lügen - Klaus Allofs und seine Manager-Kollegen

Eine Glosse von Franz Neuhäuser.

Na, heute schon gelogen? Nein? Kann es sein, dass Sie jetzt gerade lügen? Durch die weite Welt der Wissenschaft wabert die Zahl 200. So oft würden Menschen tagtäglich lügen. Grob gerechnet wären das mehr als zehn Lügen pro Stunde. Die Zahl ist weit zu hoch, sagen andere. Die Minimalisten gehen von nur zwei Lügen pro Tag aus.

Zwei oder zweihundert — unstrittig ist: Der Mensch lügt oft. Und das ist auch gut so. Denn würden wir bei jeder Gelegenheit die ungeschminkte Wahrheit sagen, die Welt geriete aus den Fugen. Wer sagt, die neue Frisur der Freundin sei unvorteilhaft (anstatt hübsch), um den wird es bald sehr einsam werden. Kleine, beschönigende Lügen erleichtern das Zusammenleben. Oder wie Goethe schreibt: „Im Deutschen lügt man, wenn man höflich ist.“

Sind Klaus Allofs und seine Manager-Kollegen also ganz besonders höfliche Menschen? Natürlich nicht. Denn die Frage nach einer Frisur lässt sich nicht mit der nach dem Transfer eines Spielers vergleichen. Wenn einer wie Allofs vor wenigen Tagen noch den Doppelwechsel Schürrle/Olic dementiert und auf die Nachfrage: „Ehrenwort?“, mit „Ehrenwort!“ antwortet, dann ist das schon . . . dreist?

Auf jeden Fall ist es ungeschickt. Wir haben Bundesliga-Manager schon charmanter die Unwahrheit erzählen hören. Zur teilweisen Entlastung von Klaus Allofs sei gesagt, dass er einen verräterisch-relativierenden Satz nachgeschoben hat: „Ein Ehrenwort im Fußball, das ist ja so eine Sache . . .“

Tatsächlich hat es so ein Manager schwer. Denn wer über Geschäfte plaudert, wenn die noch gar nicht abgeschlossen sind, der wird es nicht weit bringen. Im Fußball nicht, in der Politik nicht, im „normalen“ Leben nicht.

Besser also, die Wahrheit für sich behalten. Aber zum Leidwesen desjenigen, der eigentlich gar nicht lügen wollte, interpretiert die Öffentlichkeit ein Schweigen meist als Da-ist-was-dran-Eingeständnis. Also muss was gesagt werden. Aber was sagen, ohne etwas zu sagen, ohne zu lügen? Wilhelm Busch hat das Dilemma so zusammengefasst: Der Beste muss mitunter lügen. Und weil Busch die Menschen gut kannte, komplettierte er den Reim so: Zuweilen tut er’s mit Vergnügen.