Der 1. FC Köln ist immer auch ein Stück Karneval

Bundesliga-Serie : Der 1. FC Köln ist immer auch ein Stück Karneval

Der 1. FC Köln kehrt nach einem Jahr wieder zurück in die Bundesliga und hat trotz des Aufstiegs den Trainer gewechselt – es geht allein um den Klassenerhalt.

Die Rückkehr des 1. FC Köln in die Fußball-Bundesliga garantiert immer einen hohen Unterhaltungswert – und hohen Puls. Köln ist alles, was Fußball ausmacht, Köln elektrisiert und polarisiert. Köln ist immer ausverkauft, Köln ist nicht nur Profifußball, Köln ist immer auch ein Stück Karneval. Trainer-Legende Udo Lattek hat einmal gesagt, dass in dem wunderbaren Müngersdorfer Stadion nur der Fußball stört.

Die Arena ist seit langem das Rheinenergie-Stadion, ausgebaut werden darf es nach neuesten Machbarkeitsstudien der kölschen Art auch. Das war von der Stadt Köln lange für unmöglich erklärt worden, aber das hat in der Domstadt noch niemand davon abgehalten, Studien in Auftrag zu geben, die das Gegenteil beweisen. In Köln ist alles bereitet für eine Super-Saison, wie immer sie für den FC nach dem sechsten Aufstieg auch enden wird.

Wo bleibt nach dem sechsten Aufstieg die Euphorie?

Selten ist ein Aufstieg beim 1. FC Köln geräuschloser über die Bühne gegangen als der sechste. Früher feierte Köln tagelang nach einem Bundesligaaufstieg. Geschäftsführer Armin Veh spricht von einer „bemerkenswerten Saison, wir waren Favorit, wir wollten aufsteigen, das hatte etwas Selbstverständliches“. Eine realistische Einschätzung, aber sicher auch dem Umstand geschuldet, dass Trainer Markus Anfang wenige Spieltage vor Zweitliga-Schluss entmachtet wurde. Veh: „Wir sind froh, dass wir in der Bundesliga wieder dabei sind.“

Ist Achim Beierlorzer der richtige Trainer?

Da gibt es in Köln keine zwei Meinungen. „Achim Beierlorzer passt aus meiner Sicht genau, ein Mann mit Hintergrund und Erfahrung. Die Mannschaft ist in guten Händen, er hat die Souveränität, um die notwendige Nähe im Team zuzulassen“, sagt Veh. Neben dem neuen Cheftrainer, der vom Zweitligisten Jahn Regensburg kam, erstmals in der Bundesliga arbeitet und seinen Beamtenstatus als Pädagoge aufgab, verpflichteten die Kölner Kingsley Ehizibue, Kingsley Schindler und Birger Verstraete, gestern auch noch den Tunesier Ellyes Skhiri – für sechs Millionen Euro von Montpellier. Veh kündigte an, dass der Kader mit 30 Profis bis zum Saisonbeginn noch reduziert werden soll.

Gibt es etwas, das den Frieden im Grüngürtel stört?

Dass der Traditionsclub immer von Spekulationen begleitet ist, ist nichts Neues. Der Streit zwischen Veh und dem ehemaligen Präsidenten Werner Spinner ist Vergangenheit. Spinner ist zurückgetreten, und mit ihm der gesamte Vorstand. Unruhig wurde es erneut, als nach dem Eklat beim Absteiger VfB Stuttgart die Zukunft von Veh und Finanzchef Alexander Wehrle zum öffentlichen Thema wurde. Veh (Vertrag bis 2020) kommentierte Gerüchte über eine Rückkehr zum VfB Stuttgart, den er 2007 als Trainer zur Meisterschaft geführt hatte, nicht. Auch der Ex-Stuttgarter Wehrle wurde trotz Vertrages bis 2023 mit dem VfB in Verbindung gebracht, nachdem dort der umstrittene Präsident Wolfgang Dietrich nach einer chaotischen Mitgliederversammlung das Handtuch warf. Ende offen.

Wie bewertet der Club das Auftaktprogramm?

Das Auftaktprogramm ist anspruchsvoll. Es geht zunächst nach Wolfsburg, dann gegen Vizemeister Borussia Dortmund, nach Freiburg, gegen Borussia Mönchengladbach und dann zum FC Bayern. „Wir haben ein Jahr darauf hingearbeitet, wieder gegen diese Teams spielen zu dürfen. Da können wir uns jetzt doch nicht beschweren, wenn es gegen sie geht“, sagt Mittelfeldspieler Marco Höger.

Besitzt der 1. FC Köln uneingeschränkte Bundesligatauglichkeit?

Da ist Armin Veh sehr entschieden. „Unsere Mannschaft war schon im Zweitliga-Jahr gut, an der Bundesligatauglichkeit habe ich nicht den geringsten Zweifel.“ Das Prunkstück ist der Angriff. Die drei Torjäger Anthony Modeste, Jhon Cordoba und Simon Terodde sollen auch in der Bundesliga treffen, Terodde gelang das nach glanzvollen Zweitliga-Auftritten in der Bundesliga bisher noch nie. „Wir wollen mit zwei Stürmern spielen und haben drei. Wir haben Spieler, die Tore machen können, und wir haben Alternativen“, sagt Veh. Mit Gedanken an einen möglichen Abstieg beschäftigen sich Kölner in aller Regel nie, trotzdem kann das Saisonziel zunächst einmal nur sein, ihn nach 34 Spieltagen zu vermeiden.

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