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Bundesliga-Serie: Bayer Leverkusen 04 geht stärker ins Risiko

Bundesliga-Serie : Bayer Leverkusen 04 geht stärker ins Risiko

Bei Bayer Leverkusen 04 schmerzt der Abgang von Julian Brandt. Das Team ist herausragend besetzt – auch weil investiert wurde.

Ein Trainerwechsel und eine Aufholjagd in der Rückrunde haben Bayer Leverkusen am letzten Spieltag der Saison 2018/19 noch auf Platz vier gehoben und damit in die Champions League gespült.

Wie hat und wird sich Bayer Leverkusen verändern?

Mit Peter Bosz hat Leverkusen zum Jahreswechsel wahrscheinlich sehr gezielt jenen Trainer bekommen, der hervorragend passt: Der Klub wollte zuerst mit Stars wie Bernd Schuster oder Michael Ballack in die Schlagzeilen, dann wurde daraus der Anspruch, besonders attraktiven und unterhaltsamen Fußball zu spielen – am besten mit jungen Fußballern, die man weiterentwickeln und später teuer weiterverkaufen kann. Bosz hat innerhalb kürzester Zeit vom etwas langweiligeren Stil des Ex-Trainers Heiko Herrlich auf typischen Power-Bosz-Fußball umgestellt: Im 3-2-4-1-System hatte er damit schnell Erfolg und dirigierte Bayer 04 noch in die Champions League – was für den Glauben an den kräftezehrenden Fußball des Niederländers mit defensivem Risiko ein echtes Pfund ist. Jetzt will Leverkusen den nächsten Schritt: Es wurde beeindruckend investiert, die Ziele werden nach oben korrigiert. „Wir wollen den DFB-Pokal, in die Champions League und uns in diesem Jahr in der Königsklasse eine Topfigur abgeben“, sagt Sport-Geschäftsführer Rudi Völler. Das hatte man in dieser Deutlichkeit noch nicht gehört unter dem Bayer-Kreuz.

Foto: wz

Kann Leverkusen den Abgang von Julian Brandt nach Dortmund verkraften?

Offen. Klar ist, dass Brandt unter Bosz noch einmal einen großen Schritt nach vorn gegangen ist und deutlich zielgerichteter agierte, letztlich ein Trumpf im Rennen um den Einzug in die Königsklasse war. Als guter Kumpel von Bayer-Megatalent Kai Havertz wird Brandt ebenfalls fehlen: Lange musste man sogar damit rechnen, dass auch der nach Brandts Abgang kurz frustrierte Havertz noch den Klub verlassen würde und sich Richtung FC Bayern orientiert. Aber: Leverkusen hat deutlich gemacht, Havertz jetzt noch nicht ziehen zu lassen, auch, um ein Signal für den ganzen Verein zu setzen: Wir wollen jetzt etwas erreichen – und nicht mehr allein junge Spieler nach vorne bringen und uns leidlich nach Europa schießen, um damit finanziell das Niveau halten zu können.

Ist Leverkusen stärker oder schlechter besetzt als vergangene Saison?

Stärker. Und dafür hat der Verein, der in den vergangenen beiden Jahren insgesamt einen Transferüberschuss von über 50 Millionen Euro erzielte, tief in die Tasche gegriffen. Mittelfeldspieler Kerem Demirbay etwa kostete 32 Millionen Euro – das hätte Bayer 04 bei bisheriger Linie unter Völler und dem nun nach Hamburg abgewanderten ehemaligen Sportdirektor Jonas Boldt niemals für einen 26-Jährigen ausgegeben. Demirbay ist aber nur eines der Versprechen auf eine gute Saison: Auch Moussa Diaby (20) und der Niederländer Daley Sinkgraven (24) erhöhten wie Nadiem Amiri, U21-Nationalspieler aus Hoffenheim, die Kaderqualität. Nur Dominik Kohr und eben Brandt haben den Verein hingegen aus der ersten Reihe verlassen. Allerdings: In den Testspielen lief es bislang gar nicht rund: Nach dem 4:0 gegen Regionalligist Wuppertal zum Auftakt gelang in weiteren Spielen kein Sieg mehr, dabei kassierte das Bosz-Team 14 Gegentore. Das schmerzt den Niederländer, der Zeit seiner Karriere Fragen nach der defensiven Anfälligkeit seines Systems beantworten muss.

Und was macht Geschäftsführer Rudi Völler?

Offen, wie lange der 59-Jährige noch die sportlichen Geschäfte in Leverkusen führt. Immer wieder mal war über seinen Abschied spekuliert worden. Mit Sportdirektor Simon Rolfes rückt ein ehrgeiziger Ex-Nationalspieler im Management nach. Dass Völler seine Erwartungen jetzt so klar formuliert und dieses Mal auch ein Transfer-Minus in Kauf nimmt, hat zwei Gründe: Sein Karriereende rückt so oder so näher, Leverkusen will er aber nur ungern ohne Titelgewinn verlassen, auch wenn er sich auf die Fahne schreiben kann, den Verein fast durchgängig in der deutschen Spitzenklasse verankert zu haben. Und: Leverkusen weiß, dass man im kommenden Jahr mit dem dann wohl abwanderungswilligen Kai Havertz eine gewaltige Einnahme verzeichnen wird, viel wird also jetzt auch schon im Voraus investiert, um danach nicht in ein Loch zu fallen. Havertz gilt als Jahrhunderttalent, dem man nach seiner Zeit in Leverkusen eine Karriere in England oder Spanien bei den ganz großen Vereinen prophezeit. Und sein Vertrag aber läuft immerhin noch bis 2022.