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Bayer 04: Bayer Leverkusen: Gefangen im Niemandsland

Bayer 04 : Bayer Leverkusen: Gefangen im Niemandsland

Leverkusens Aufschwung ist schon wieder zu Ende. Nach dem 0:2 gegen Mainz will keiner mehr über Ziele sprechen.

Leverkusen. Karneval im Rheinland, doch die Gefühlswelten beim TSV Bayer 04 Leverkusen auf der einen sowie beim FSV Mainz 05 auf der anderen Seite hätten am Samstag Nachmittag nicht unterschiedlicher sein können. Während die Gäste aus Rheinhessen nach ihrem verdienten 2:0 (2:0) schon vorzeitig Rosenmontag feiern konnten, war für die "Werkself" nach einem besonders in der ersten Halbzeit unterirdischen Auftritt bereits Aschermittwoch.

"Wir waren nicht bereit und sind dafür bestraft worden", sagte Trainer Roger Schmidt, während Sportdirektor Rudi Völler meinte: "Wir müssen jetzt alle unsere Wunden lecken und dann versuchen, es in Dortmund besser zu machen." In Dortmund. Beim BVB. Also bei jenem Kontrahenten, dem im vergangenen Sommer während des Trainingslagers in Zell am See der Kampf angesagt worden war. Groß ist seinerzeit die Hoffnung gewesen, die Saison auf Grund des Umbruchs bei Borussia Dortmund sowie dem eigenen Reifeprozess plus qualitätssteigernder Transfers als Vize-Meister beenden zu können.

Dass der BVB in der Tat Schwankungen unterliegt, beweist zwar die Leverkusener Vermutung. Dass die Schwarz-Gelben vor dem Duell am nächsten Samstag allerdings dennoch zehn Punkte mehr auf dem Konto haben, belegt auch eine fatale Fehleinschätzung der eigenen Klasse.

"Wir brauchen nach heute erst mal nicht über irgendwelche Ziele wie die Qualifikation für die Europa League zu reden. Aktuell ist das einzige Ziel, unsere Leistung in den Griff zu bekommen", sagte Bernd Leno. Der 24-jährige Torhüter bezog sich in die Kritik ausdrücklich mit ein, sah er doch bei beiden Gegentreffern nicht gut aus. Erst bekam er den mittig platzierten Kopfball des überragenden Mainzer Innenverteidigers Stefan Bell nicht entscheidend weg gefaustet (3.), dann segelte die weite Freistoß-Flanke von Levin Öztunali an ihm vorbei (11.). Schnell also war klar, welche Jecken jubeln durften. Die Mainzer Fans stimmten den Karnevals-Hit "Rucki-Zucki" daher fröhlich wie gleichfalls treffend an. Für die "Werkself" hingegen hagelte es von den viele leere Plätze aufweisenden Rängen ein Pfeif-Konzert. Der zarte Aufschwung mit den Siegen gegen Frankfurt (3:0) und in Augsburg (3:1) ist schon wieder Makulatur.

"Wir waren nicht fokussiert, nicht konzentriert und haben auffällig schlecht verteidigt. Dazu konnten wir uns offensiv nicht durchsetzen", sagte Trainer Roger Schmidt. Der 49-Jährige rückt damit erneut in die Kritik. Dabei hatte Schmidt durchaus Lehren aus dem bedenklich defizitären Defensiv-Verhalten beim 2:4 gegen Atletico Madrid gezogen. Für den zu statischen Charles Aranguiz sollte Lars Bender das fragile Zentrum stützen. Dass der Kapitän dann das wohl schlechteste Spiel seiner Karriere machte - Pech für Schmidt. Haarsträubende Fehlpässe, bei den zwei Gegentoren nicht im Bilde, dazu etliche Fouls. Dass Bender nach dem Spiel zur Doping-Probe musste, wäre wohl selbst einem Bütten-Redner nicht eingefallen.

Nach Lachen aber ist in Leverkusen sowieso niemandem zu Mute. Immer mehr setzt sich eine Erkenntnis durch, die nach nun 22 Spieltagen nicht bitterer sein könnte. "Wir müssen unsere Ziele ausblenden und ehrlich sagen, dass wir mit dieser fehlenden Konstanz höheren Ansprüchen nicht gerecht werden können", sagte Schmidt. Rien ne va plus - nichts geht mehr unter dem Bayer-Kreuz? Nun - noch sind 12 Begegnungen zu absolvieren, doch für die muss sich etwas ändern. Das gilt für Trainer wie Spieler gleichermaßen. Die Spieler sollten begreifen, dass nur geschlossene Arbeit Erfolg bringen kann. Zu oft proklamieren sie ihre spielerischen Fähigkeiten, doch der heutige Fußball besteht besonders aus defensiver Ordnung und taktischer Disziplin.

"Das muss ein schlüssiges Geamtbild sein und ich gebe Ihnen Recht, dass wir in diesem nicht so geschlossen stehen wie es nötig ist, um an unsere Leistungsgrenze zu gelangen", räumte Schmidt auf Nachfrage der WZ ehrlich ein. Die Verantwortung für dieses Gesamtbild allerdings trägt er.