Borussia Mönchengladbach: Wie Ginter Gladbachs Moral belohnt

Borussia Mönchengladbach : Wie Ginter Gladbachs Moral belohnt

Das 3:3 gegen Hoffenheim ist für Europa zwar wohl zu wenig. Die "Fohlenelf" beweist in der Krise jedoch Charakterstärke.

Mönchengladbach. "Jünter" heißt das Maskottchen von Borussia Mönchengladbach. Es erinnert an die großen Zeiten des Vereins in den 70er Jahren, als Regisseur Günter Netzer im Mittelfeld die Fäden zog. Zwar geht es der Borussia in der Gegenwart nicht so schlecht wie manch anderem Traditionsverein, doch angesichts der miesesten Rückrunde seit 19 Jahren sind derzeit eher die Arbeiter denn die Künstler gefragt. Und so taugte am Samstag einmal mehr Matthias Ginter zum Helden der "Fohlenelf".

Rund zehn Minuten vor Schluss hatte sich der Innenverteidiger bei einem Zusammenprall eine schmerzhafte Prellung an der Schulter zugezogen, biss aber auf die Zähne und machte weiter. Schon in besagter Szene war Ginter angesichts des 2:3-Rückstandes gegen die TSG 1899 Hoffenheim im gegnerischen statt im eigenen Strafraum unterwegs gewesen. Ein Einsatz, der schlussendlich belohnt wurde. In der 90. Minute gelang dem 24-Jährigen auf Vorarbeit von Raffael das 3:3. "Ich stand zur richtigen Zeit am richtigen Ort", sagte Ginter. Mit seinem fünften Saison-Treffer sicherte er allein der "Fohlenelf" fünf Punkte, bis zum Maskottchen ist es für "Jinter" freilich noch ein weiter Weg.

So weit wie der von Borussia Mönchengladbach in den Europapokal - zumal dieser nach dem neunten sieglosen Spiel in elf Rückrunden-Partien wenn überhaupt nur noch über die Umleitung zweier Qualifikations-Runden erreichbar sein dürfte. Dank Ginter konnte das Team von Trainer Dieter Hecking aber immerhin seinen freien Fall leicht abbremsen. "Wir haben heute eine gute Leistung gezeigt. Schade, dass sie nicht für einen Sieg gereicht hat, denn über 90 Minuten habe ich uns als die bessere Mannschaft gesehen", sagte Ginter.

Mit einer angesichts der Krise bemerkenswerten Moral egalisierte Gladbach durch Drmic (33.), Stindl (72.) und eben Ginter gleich dreimal einen Rückstand. Für Drmic und Stindl endeten damit lange Durststrecken. Drmic traf erstmals seit fast 25 Monaten überhaupt mal wieder, während Stindl nach 14 Partien und 1416 Minuten rechtzeitig vor dem Länderspiel gegen Spanien ein persönliches Erfolgserlebnis feiern konnte. "Klar habe ich mich darüber gefreut. Insgesamt war aber mehr drin. Wichtig war jedoch, dass wir dreimal zurückgekommen sind", sagte Stindl.

Bei zehn Ausfällen - zu denen sich schon nach 18 Minuten mit Bobadilla ein elfter Verletzter gesellte - ein durchaus anerkennenswerter Kraftakt. Nur gut, dass Manager Max Eberl den Kader quantitativ gut aufgestellt hat. So sprang besonders der erst 18-jährige Mickael Cuisance einmal mehr in die Bresche. Mit präzisem Blick und feinem Fuß bereitete der Franzose das 1:1 vor. "Mickael möchte ich hervor heben.

Er hat ein fantastisches Pensum abgewickelt und mit seiner technischen Versiertheit immer wieder Akzente gesetzt", sagte Trainer Hecking. Gleichwohl ist das 3:3 im Kampf um die Europacup-Teilnahme beim Blick auf das Restprogramm mit Spielen in München und auf Schalke eher zu wenig. Sollte es nicht reichen, kann dies jedoch auch von Vorteil sein.

Einerseits ist die Europa League für Image und Finanzen gut - andererseits würden zwei Qualifikations-Runden eine längere sowie reiseintensivere Vorbereitung bedeuten. In Anbetracht der vielen, teils langwierigen Verletzungen wohl eher kontraproduktiv. Vollständig genesene Spieler sowie eine optimale Vorbereitung sind für eine erfolgreiche Saison 2018/19 sicher förderlicher. Dass die "Fohlenelf" nun deswegen jedoch abschenkt, hat sie gegen Hoffenheim eindrucksvoll widerlegt.

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