„Wer auf Borussia setzt, macht alles richtig“

„Wer auf Borussia setzt, macht alles richtig“

Gladbachs Trainer Meyer verbreitet vor dem Spiel in Cottbus Hoffnung.

Mönchengladbach. Die Erfolge sind selten, aber dafür umso wichtiger. Und sie verleiten einen wie Hans Meyer, der sich in der Hauptsache mit Negativschlagzeilen herumschlagen muss, die positiven Momente als solche auch zu verkaufen. Natürlich ironisch überhöht.

"Ich könnte mich heute noch selber küssen, dass ich Tomas geholt habe", sagte Meyer nach dem Gladbacher 1:0-Sieg gegen den FC Schalke 04, meinte damit den tschechischen Routinier Galasek und grinste hernach wie ein kleiner Junge, der sich gerade einen Streich erlaubt hat.

In der Tat: Nicht nur, dass der Tscheche der maroden Hintermannschaft endlich Stabilität eingehaucht hat. Gegen Schalke leitete er auch noch das Siegtor ein, dass die "Fohlen" wieder hoffen lässt. In der 90. Minute schlug Galasek einen seltenen 50-Meter-Pass auf Oliver Neuville, dessen Vorlage Roberto Colautti zum 1:0 nutzte.

Ein Sieg, der in der Endabrechnung so wichtig wie die Galasek-Verpflichtung gewesen sein könnte. Bedingung: Weitere Punkte für das Konto folgen. Selten war der Grat zwischen Randnotizen und Hauptkapiteln in der Vereinsgeschichte schmaler.

In Cottbus kann Meyer mit den Seinen heute einen Meilenstein zum Ligaerhalt setzen, auch wenn im Tabellenkeller eine Enge wie auf einem türkischen Basar herrscht. Zeitgleich spielt Bielefeld gegen Hoffenheim und Bochum in Hamburg. Ein Tag wie geschaffen für eine Vorentscheidung. Ein Endspiel?

"Ein Endspiel ist für mich, wenn man hinterher keine Chance mehr hat", sagt Borussia-Profi Karim Matmour. Gladbachs Sportdirektor Max Eberl sieht es ähnlich: "Wir haben immer gesagt, es geht bis zum letzten Spieltag."

Vielleicht geht in solche Analysen das Wissen ein, dass Gladbach bislang noch nie in Cottbus gewinnen konnte. Die 1100 mitreisenden Gladbacher Fans müssen vorsorglich keinen Eintritt zahlen: Die Profis spendieren.

"Bei dieser Konstellation und der derzeit beschissenen Wirtschaftslage sollte eigentlich keiner Geld setzen, wer denn nun drin bleibt. Aber wer es auf die Borussia setzt, der macht alles richtig", hat Meyer gesagt. Kommt es tatsächlich so, dann hätte er die Borussia zum zweiten Male gerettet.

Und mit dem Spruch, für den er 2007 von der Deutschen Akademie für Fußball-Kultur ausgezeichnet wurde, Recht behalten. "In schöner Regelmäßigkeit ist Fußball doch immer das Gleiche."

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