Borussia Mönchengladbach: Warum Eberls Plan immer ein anderer war

Borussia Mönchengladbach: Warum Eberls Plan immer ein anderer war

Der Sportdirektor wollte frühzeitig Weinzierl statt Schubert und wurde überstimmt. Dann trug er die Entscheidung mit.

Mönchengladbach. Das Bedauern war sicher nicht gespielt, einer wie Borussia Mönchengladbachs Sportdirektor Max Eberl lässt durchaus noch Raum für ein bisschen Sentimentalität im Profigeschäft angesichts einer Trennung vom Trainer, wie jetzt im Fall Schubert. „Das fällt uns schwer, das ist nichts, was in unserer DNA verankert ist“, sagte Eberl am Montag. Klar ist aber auch: Max Eberl war in der Personalien Schubert lange Getriebener einer Entwicklung und durch die Ansichten anderer mächtiger Personen im Verein. Denn eine langfristige Zusammenarbeit hatte der gebürtige Niederbayer mit dem Trainer André Schubert nie gewollt.

Es ist kein Geheimnis, dass Eberl immer eine Gladbacher Lösung mit dem heutigen Schalker Coach Markus Weinzierl favorisiert hatte, ehe ihn andere wichtige Personen aus dem Präsidium des Vereins überzeugt haben, dass man Schubert nach dem Erreichen der Champions League-Qualifikation unmöglich entlassen könne. Das Votum war klar, Eberl beugte sich — und entwickelte in den kommenden Monaten einen fast bewundernswerten Umgang mit dieser Entscheidung. Auch, weil er dem Verein gegenüber jederzeit loyal bleiben wollte und überdies kein „Trainerkiller“ ist, wie er Montag noch einmal sagte. Lange stützte der 43 Jahre alte Sportdirektor Schubert und rechtfertigte dessen Wirken wortreich, verlängerte sogar dessen Vertrag, als es in der Bundesliga in dieser Spielzeit zwischenzeitlich ganz gut aussah — was Eberl durchaus Kritik eingebracht hat.

Das Ziel dieser Maßnahme aber war klar: Ruhe in die Trainerdiskussion bekommen, die Gunst der Entwicklung nutzen, Schubert zwar mit einem branchenüblich und notwendig höheren Gehalt die entsprechende Belohnung zukommen zu lassen, zugleich aber auch vertraglich festzulegen, was Gladbach zu leisten hat, wenn man den Vertrag von Vereinsseite nicht mehr erfüllen will. So soll es gelaufen sein, und alles andere wäre auch fahrlässig von Eberl gewesen — selbst wenn die Kriegskassen des Clubs noch gut gefüllt sein mögen. Dass die Entwicklung mit Schubert in einem solchen Fiasko enden würde, hatte selbst Eberl nicht abgesehen. Trotzdem leitete er in den vergangenen Wochen den Wechsel verbal ein, erhöhte den Druck vor den Spielen gegen Mainz, Augsburg und Wolfsburg, machte deutlich, wie sehr ihm die Auswärts-Niederlagenserie gegen den Strich ging.

Die öffentliche Unterstützung Schuberts durch die Klub-Oberen in jenen Wochen muss Eberl genervt haben, zeigt aber nur, welch groteske Fehleinschätzung wichtige Leute im Gladbacher Präsidium da vorgenommen haben. Jetzt wird sie korrigiert, vermutlich mit Dieter Hecking. Ein starker und solider Trainer, den nicht nur die Gladbacher Mannschaft jetzt brauchen kann. Sondern auch der Club und seine handelnden Personen benötigt, die sich hinter Hecking problemlos versammeln können dürften. Zusammen mit Eberl. Endlich wieder.

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