Interims-Posten Warum der Ex-Gladbacher Frontzeck kein Chef von Dauer wird

Bielefeld/Wolfsburg · Michael Frontzeck ist zurück auf der Bundesliga-Bühne. Wohl nur für die Bundesligapartie am Samstag in Leverkusen soll der Ex-Arminia-Coach den VfL Wolfsburg verantwortlich coachen.

 Michael Frontzeck ist zurück auf der Bundesliga-Bühne.

Michael Frontzeck ist zurück auf der Bundesliga-Bühne.

Foto: dpa/Uwe Anspach

Wohl nur für die Bundesligapartie am Samstag in Leverkusen soll der in Ostwestfalen gut bekannte Ex-Arminia-Coach Michael Frontzeck den VfL Wolfsburg verantwortlich betreuen. Am späten Sonntagnachmittag hatte Wölfe-Geschäftsführer Jörg Schmadtke den wie Frontzeck zu Saisonbeginn verpflichteten Cheftrainer Mark van Bommel entlassen.

Wie so oft rückt nun der „Co“ in den Fokus, um die Gespräche mit Nachfolgekandidaten ohne Zeitdruck führen zu können. Aber warum kommt Frontzeck selbst als Chef offenbar nicht in Frage? Auch der Blick zurück nach Bielefeld liefert einige Argumente für die Wolfsburger Skepsis. Frontzeck, ein gebürtiger Mönchengladbacher, wurde beim damaligen Erstligisten Arminia Nachfolger von Ernst Middendorp. Am 2. Februar 2008 gab er sein Heimspieldebüt. Ein 0:1. Gegen Wolfsburg.

Der Brasilianer Grafite verdarb dem inzwischen 57-Jährigen den Einstand, den Klassenerhalt schaffte der DSC jedoch am letzten Spieltag mit dem 2:2 in Stuttgart. Gefeiert wurde das auf einer – wie von Augenzeugen berichtet – legendären Zugheimfahrt, und dennoch entwickelte sich keine langfristige Beziehung. Im Gegenteil, Frontzeck musste fast Einmaliges hinnehmen: Ein Jahr später, nach 33 von 34 Spieltagen und dem 0:6 beim BVB, wurde er entlassen.

Jörg Bergers folgende Ein-Spiel-Rettungs-Mission gegen Hannover verriet schon vom Ansatz her die Verzweiflung der Klubbosse um Finanzgeschäftsführer Roland Kentsch. Mehr als ein 2:2 wollte dem Team mit den Stützen André Mijatovic, Rüdiger Kauf und Artur Wichniarek aber nicht gelingen, was den direkten Abstieg bedeutete. Für den Klub ein enormer und, wie sich herausstellen sollte, mehrfach existenzbedrohender Einschnitt.

Elf quälend lange, chronisch finanzklamme Jahre verschwand Arminia aus der Erstklassigkeit nach diesem vermaledeiten Mai 2009 und musste während dieser Schwäche-Dekade drei Jahre in der Drittklassigkeit genauso ertragen wie den Überholvorgang des Rivalen SC Paderborn. Der SCP tummelte sich forsch zwei Mal in der Erstklassigkeit und sammelte bundesweit Sympathien ein.

Nun scheint es den Wolfsburgern keinen Versuch wert, dem einstigen Arminen-Chefcoach eine Chance auf van Bommels Nachfolge zu gewähren. Dafür sind die Ansprüche des VfL wohl zu groß. Andererseits würde Frontzeck, der selbstredend nicht mehr als ein Puzzleteil in Arminias Niedergangsbild darstellt, mit seiner Vita im VfL-Umfeld auch kaum Hoffnungen auf eine Trendwende nach acht Pflichtspielen in Folge ohne Sieg wecken.

Denn falls schon ein Klassenerhalt als Erfolg gilt, stehen nur drei Erfolge in Frontzecks Bilanz: Arminia, St. Pauli und Hannover konnte er, ein humorvoller und unbeirrbar wirkender Zeitgenosse, retten. Mit seiner Karriere als Spieler (436 Bundesliga-Einsätze, Meister 1992 mit Stuttgart, 19 Länderspiele) hält diese Trainerlaufbahn einfach nicht mit.

Deshalb muss Frontzeck auf die große Bühne verzichten, wenn Schmadtke, der Frontzeck 2006 nach Aachen geholt hatte, fündig geworden ist. Die Kandidaten sollen Edin Terzic, Florian Kohfeldt, Domenico Tedesco und Ole Werner heißen. So wie Frontzeck gebaut ist, wird es ihm nicht gerade den Schlaf rauben, dass er wie einst Jörg Berger „Retter“ nur für ein Spiel sein soll.