Gladbach schlägt FC Augsburg: „Schiedsrichter zu faul, die Szene zu überprüfen“ - So ätzt Augsburgs Trainer nach der Niederlage

Gladbach schlägt FC Augsburg: „Schiedsrichter zu faul, die Szene zu überprüfen“ - So ätzt Augsburgs Trainer nach der Niederlage

2:0 gegen Augsburg - Borussia Mönchengladbach bleibt in der Erfolgsspur. Nach dem Spiel spuckte Augsburgs Trainer Manuel Baum Gift und Galle. Die Partie in der Analyse.

Borussia Mönchengladbach bleibt im neuen Jahr in der Erfolgsspur. Nach dem gelungenen Rückrundenauftakt in Leverkusen setzte sich die Elf vom Niederrhein auch im Heimduell gegen den FC Augsburg durch. Wendt und Herrmann sorgten mit ihren Treffern für einen letztendlich verdienten 2:0 (0:0)-Erfolg der Borussia, die so einen Klub-Rekord einstellen konnte (>>>Hier geht’s zur Einzelkritik der Fohlen). Zwölf Heimsiege in Folge war dem VfL zuvor in der Saison 1983/84 unter dem damaligen Trainer Jupp Heynckes gelungen. Mit nunmehr 39 Punkten nach 19 Spielen steuert Mönchengladbach weiter Richtung Europapokal.

Der Moment des Spiels: Der ereignete sich in der Nachspielzeit. Publikumsliebling Patrick Herrmann sorgte als Joker für einen fulminanten Schlusspunkt. Der Flügelflitzer drosch den Ball per Distanzschuss zum 2:0 in den Winkel. Ein Treffer der Marke „Tor des Monats“. Herrman erlebte zudem seinen 232 Liga-Einsatz im VfL-Trikot und zog in Gladbachs-Liste der Rekordspieler nach Günter Netzer auch an Vize-Präsident Rainer Bonhof vorbei. Herrmann: „Wahnsinn. Unbeschreibliche Emotionen. Mein Opa hat immer gesagt, wenn du nicht weißt wohin mit dem Ball, dann hau das Ding ins Tor. Ich kann das alles kaum in Worte fassen.“

Die Parade des Spiels: Die zeigte Augsburgs Schlussmann Gregor Kobel, als er kurz vor dem Halbzeitpfiff einen schwach geschossenen Strafstoß von Gladbachs Offensivspieler Jonas Hofmann abwehren konnte.

Der Spieler des Spiels: Oscar Wendt stellte mit seinem 184. Einsatz einen neuen Rekord auf: Kein anderer Ausländer trug so oft das Gladbach-Trikot wie der Schwede. In seinem Rekordspiel avancierte Wendt dann auch noch zum Matchwinner. Mit seinem rechten Schlappen bugsierte der Linksfuß den Ball zum 1:0 ins Tor. Die Augsburger reklamierten heftig Abseits (Stindl), Schiedsrichter Osmers sah das anders. Wendt: „Wir waren die klar bessere Mannschaft, wir hatten zig Großchancen. Es sind viele Emotionen im Spiel gewesen, wir hatten den Druck, das Tor machen zu müssen. Mir ist das jetzt auch alles egal, wir haben gewonnen, ich bin überglücklich, wir haben die drei Punkte.“

Der Aufreger des Spiels: Nach dem Schlusspfiff tobte Augsburgs Trainer Manuel Baum, spuckte Gift und Galle. Hintergrund: Die Bayern-Schwaben fühlten sich betrogen, weil der Unparteiische Harm Osmers den ersten Gladbacher Treffer (Wendt) anerkannt hatte. Baum reklamierte emotional, dass in dieser Szene auf Abseits hätte entschieden müssen, Borussias Kapitän Stindl habe nicht passiv sondern aktiv im Abseits gestanden.

Der FCA-Trainer schimpfte:„Es ist nicht zu fassen und nicht zu glauben, dass dieses Tor anerkannt worden ist. Das ist fast schon ein Skandal. Die Schiedsrichter haben die Regeln nicht gekannt und die Situation überhaupt nicht richtig interpretiert. Das ist ganz klar Abseits gewesen.“ Der Wuntanfall ging weiter: „Stindl steht hinter Kobel, der Höhepunkt ist gewesen, dass Kevin Danso der letzte Mann gewesen ist – Stindl steht genau in der Flucht. Warum der Schiedsrichter dann nicht, obwohl er die Info vom Linienrichter bekommen hatte, dass es Abseits war, in die Review Area geht, und sich das mal anschaut – das ist in keinster Weise passives Abseits gewesen. Das hat uns das Spiel gekostet. Was die Schiedsrichter da abgeliefert haben – für mich ein Skandal.“

Baums Wutausbruch ging noch weiter: „Die Schiedsrichter sind nicht sattelfest in den Regeln gewesen. Der Schiedsrichter war zu faul, die Szene zu überprüfen, von Köln kam auch nichts. Unfassbar, dass so etwas in der Bundesliga passiert.“

Gladbach schlägt Augsburg: So bewerten die Trainer die Partie

Manuel Baum (FC Augsburg):

„Unsere Spielidee war es, eher abwartend zu agieren, die Räume eng zu machen und dann über Umschaltmomente nach vorne zu kommen. In der ersten Halbzeit hatten wir Glück, dass Borussia ihre Chancen nicht reingemacht hat. In der zweiten Hälfte haben wir es aber gut verteidigt. Der Gegner hatte bis zum 1:0 nur eine Torchance, wir haben ein paar Konter gefahren. Ich bin fassungslos, dass der Schiedsrichter dann den Treffer zum 1:0 gegeben hat. Danso stand als unser letzter Mann hinten drin und Stindl hat ihn deutlich behindert. Deswegen war es kein passives Abseits. Das war ein Nackenschlag für uns.“

Dieter Hecking (Borussia Mönchengladbach):

„Der Sieg ist absolut verdient. Wir haben uns in der ersten Halbzeit gegen einen tief stehenden Gegner fünf, sechs hochkarätige Torchancen erspielt. Diese hätten wir konsequenter nutzen müssen, das war unser Manko im ersten Durchgang. In der zweiten Hälfte wurde es bei uns unruhiger, wir hatten zunächst nicht die Geduld, die man braucht, um den Gegner weiter zu bespielen. Uns war auch bewusst, dass man immer mal in eine Kontersituation reinlaufen kann. Wir haben dann versucht, das Spieltempo noch mal zu erhöhen. Dadurch kam wieder mehr Bewegung ins Spiel, Augsburg musste immer wieder zulaufen. Irgendwann waren die Lücken dann da. Ich bin sehr froh, dass wir dieses Spiel gewonnen haben. Es ist nicht selbstverständlich, in so einem Spiel die Geduld zu behalten und nicht unruhig zu werden. Das spricht für meine Mannschaft. Wir haben nun einen tollen Rückrundenauftakt mit zwei Siegen hingelegt. Das sieht gut aus, aber die Leistung muss in den nächsten Wochen noch besser werden, um zu punkten.“

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