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Borussia Mönchengladbach: Rheinderby zwischen Borussia Mönchengladbach und 1. FC Köln in der Analyse

Borussia Mönchengladbach : Rheinderby zwischen Borussia Mönchengladbach und 1. FC Köln in der Analyse

Köln. Borussia Mönchengladbach hat in der Fußball-Bundesliga einen sogenannten Big Point eingefahren. Die Elf vom Niederrhein feierte am 28. Spieltag im Prestige-Duell beim Erzrivalen 1. FC Köln einen 3:2 (1:1)-Sieg und meldet sich somit im Rennen um die Europapokal-Ränge zurück.

Vestergaard, Traoré und Stindl treffen für den VfL, auf der anderen Seite heißen die Torschützen Clemens und Modeste. Mit 39 Punkten hinkt die Fohlen-Elf nur noch einen Zähler hinter dem internationalen Geschäft hinterher, hat allerdings nun in der Liga die beiden schweren Aufgaben gegen Hoffenheim und Dortmund vor der Brust.

Der Moment des Spiels: Der ereignet sich aus Gladbacher Sicht wenige Augenblicke nach dem Schlusspfiff tief im Beton-Bauch der Kölner Arena. Aus der Fohlen-Kabine wummern laut die Bässe eines Ghetto-Blasters. „Heh-Heh-Heh-Heh“-Rufe und rhythmisches Klatschen sind zu hören. Als Ibrahima Traoré die Türe zum Borussen-Bereich aufstößt, schreit Gladbachs Flügelspieler mit einem langgezogenen „Jaaaaaaaaaaaaa!“ seine ganze Freude heraus. Dann brüllt die ganze Borussen-Kabine, die Musik wird noch lauter. Nur einer fehlt noch: Kapitän Lars Stindl. Der wird vom Mannschaftsbetreuer in der sogenannten Mixed-Zone abgeholt. „Lars, wir warten. Kabinen-Foto.“ Stindl entschwindet daraufhin sofort. Kurz darauf ist das „Werk“ dann auch schon in den sozialen Netzwerken im Internet zu finden. Die Fohlen posen als stolze Derby-Sieger in der Kabine. Zeigt, wie wichtig, auch für die Moral, dieser Auswärts-Dreier in Müngersdorf für den VfL Borussia 1900 gewesen ist.

Der Spieler des Spiels: Was zeichnet einen großen Spieler aus? Er ist zur Stelle, wenn Entscheidendes gefragt ist und just dieses dann auch vollbringt. Nehmen wir diese Parameter als Maßstab, so hat sich Borussias Kapitän Lars Stindl die Auszeichnung „Spieler des Spiels“ mehr als verdient. Er ist zur Stelle gewesen, als zunächst Drmics Schuss von FC-Keeper Horn noch an den Pfosten gelenkt werden kann, dann aber Stindl den Abpraller mitten im Getümmel mit einer fast schon lässigen Sicherheit verwertet und die Kugel nahezu gelassen durch mehrere Abwehrbeine hindurch in die Maschen des Kölner Tores bugsiert. 3:2. Gladbach gewinnt so hochverdient die Rheinland-Schlacht. Die Fohlen-Fans feiern Stind daraufhin als Derby-Helden.

Der Aufreger des Spiels: Unter dieser Rubrik gute Nachrichten nach einem Rheinland-Derby zu verkünden — das hat es schon eine gefühlte Ewigkeit nicht mehr gegeben. Sowohl auf dem Platz als auch auf den Rängen und rund ums Stadion gab es keine gravierende Anfeindungen, Übergriffe, Randale oder krasse Fehler der Protagonisten. Nur die Pyro-Einlage einiger Gladbacher Chaoten vor dem Anpfiff störte. Ansonsten verlief das 86. Liga-Derby zwischen Köln und Mönchengladbach wohltuend friedlich ab. So kann es weitergehen. Der Fußball steht im Derby wieder im Vordergrund. Wunderbar!

Chronik des Spiels: Selten hat eine Fohlen-Elf im Stadion des Erzrivalen das Geschehen so diktiert wie in dieser 86. Auflage des Rheinland-Duells. 74 Prozent Ballbesitz Borussia Mönchengladbach weist die offizielle Statistik nach Schlusspfiff aus — und das bei einem Auswärtsspiel. Dennoch verläuft dieses Duell bis in die Schlussphase auf des Messers Schneide. Borussia agiert. De FC reagiert. Gladbach wirkt überlegen, es bedarf jedoch einer Standardsituation, um in Führung gehen zu können. Nach einer Hazard-Ecke köpft Vestergaard die Gäste mit 1:0 in Führung. Die Antwort des FC? Abschlag Horn, Modeste nimmt den Ball an und spielt einen ganz starken Pass in die Schnittstelle. Clemens sprintet hinein, nimmt die Kugel auf und versenkt -1:1. Pause. Gladbach macht weiter Druck, geht erneut durch Traoré in Führung. Der FC antwortet: Freistoß-Hereingabe Jojic, Modeste vollendet wunderbar — 2:2. Borussia bohrt weiter an der FC-Defensive. Drmic hämmert die Kugel an den Pfosten, Stindl verwertet den Abpraller, Borussia führt 3:2. Und dieses Mal hält der Vorsprung. Der 47. Derby-Sieg ist perfekt.

Stimmen zum Spiel

Dieter Hecking (Trainer Borussia Mönchengladbach): „Wir haben, nach allem, was ich gehört habe, auch außerhalb des Stadions ein schönes, weil friedliches Derby erlebt. Im Stadion selbst fand ich die Stimmung auch sehr gut, dazu hat das Spiel seinen Teil beigetragen. Wir sind als verdienter Sieger vom Platz gegangen. Wir haben von der ersten Minute an gezeigt, dass wir dieses Derby gewinnen wollen. Nichtsdestotrotz muss man den FC auch loben. Sie kommen zweimal zurück und verlieren nie ihre Ordnung. Dass Köln diese Qualität hat, war uns bewusst. Nach dem 2:2 hatte ich kurz Bedenken, ob wir das Spiel nach Hause bringen können. Aber wir haben dann versucht, das Geschehen wieder an uns zu reißen. Das ist uns auch gelungen. Für mich steht unter dem Strich ein toller Derby-Tag - mit einem verdienten Sieg für meine Mannschaft.“

Peter Stöger (Trainer 1. FC Köln): „Gratulation an Gladbach. Die bessere Mannschaft hat verdient gewonnen. Wir hatten dieses Mal Probleme, gegen einen sehr ballsicheren und laufstarken Gegner den richtigen Zugriff zu finden. Das wir zweimal zurückgekommen sind, ist der guten Moral unserer Mannschaft geschuldet. Gladbach war in allem, was auf dem Platz passierte - Passspiel, Eins-gegen-eins-Situationen und Spielidee - gefühlt die bessere, die reifere Mannschaft. Von der Qualität her hat es den richtigen Sieger gegeben.“