Raffael trifft das Tor nicht

Raffael trifft das Tor nicht

Borussia kam gegen Mainz nur zu einem 1:1, weil beste Chancen nicht verwertet wurden.

Mönchengladbach. Raffael war überrascht. Vielleicht fehlte darum der letzte Hauch Konzentration in der Szene, in der der Brasilianer Sonntag Borussia zum Tabellenzweiten der Bundesliga hätte machen können. „Ich dachte, es wäre abseits“, gestand Raffael. Und als der Ball dann zu ihm kam, rund vier Meter vor dem Tor des FSV Mainz 05, da traf er statt das Netz den Fuß von Stefan Bell, der auf der Linie stand. „Schade“, sagte Raffael.

Er wäre der Mann des Tages gewesen. Er, der Rückkehrer ins Team. In Zürich, beim 1:1 in der Europa League, hatte Raffael gefehlt, weil die Muskeln schmerzten. „Darüber war ich sehr traurig“, sagte er Sonntag. Er wäre gern dabei gewesen im Spiel bei seinem Ex-Verein. Er sah im Fernsehen, dass seine heutigen Kollegen in der Schweiz viele, viele Torchancen ausließen. Nicht wenige stellten danach die These auf, dass es mit Raffael einen Sieg gegeben hätte.

Sonntag nun war er wieder dabei. Doch wieder gab es nur einen Punkt. Auch, weil Raffael wie bisher immer gegen Mainz nicht traf. Kein anderer Borusse schoss so oft auf das Tor, fünfmal insgesamt. Zum ersten Mal in der vierten Minute, nach Patrick Herrmanns Flanke. Doch Loris Karius im Mainzer Tor wehrte den Ball ab. Neun Minuten später war „Raffa“ als Initiator tätig: Er passte zu Patrick Herrmann, der spielte weiter zu Fabian Johnson, der Max Kruse fand, und der Wieder-Nationalspieler schoss das 1:0. Es war eine Gemeinschaftsproduktion der Offensivabteilung — in der nur Kruse vom Zürich-Spiel übriggeblieben war. Das ist Favre-Rotation in Zeiten Englischer Wochen.

Raffael jedoch ist als Ideengeber seines Teams nicht mehr allein. Sonntag wurde er ordentlich unterstützt von „GX34“. Das ist das Markenzeichen, das sich Granit Xhaka gegeben hat. Der Schweizer, der mit 118 Ballkontakten Rekordhalter in diesem Spiel war, brachte sich von der Sechser-Position immer wieder gut ins Spiel nach vorn ein — mal als Balltreiber, mal mit weiten Pässen, mal als Distanzschütze.

In der 29. Minute schoss er aus 18 Metern über das Ziel hinaus. Sechs Minuten nach der Pause griff sich Karius seinen 20-Meter-Versuch. Gleiches tat Karius, als es Raffael aus derselben Distanz versuchte (58.). Als Karius dann geschlagen war, da war dann eben Stefan Bell im Weg. Kurz zuvor hatte der Mainzer Torwart gegen Thorgan Hazard gerettet, den Xhaka mit einem exzellenten Pass auf die Reise geschickt hatte. „Manchmal haben wir Spiele, in denen wir aus vier Chancen vier Tore machen, heute war es anders“, sagte Xhaka.

Das, was nach dem 1:1 gegen Mainz an Analyse-Ansätzen kam, glich frappierend dem, was am Donnerstagabend in Zürich gesagt wurde. „Wir sind enttäuscht, wir hatten es in der Hand, das Spiel für uns zu entscheiden. Wir hatten wie in Zürich viele Chancen, aber haben das Tor nicht gemacht, das war heute wieder so“, sagte Xhaka. Dass die Mainzer mit einer defensiven Fünferkette die Räume so eng machten, dass die Suche nach der entscheidenden Tiefe die Suche nach einem Nadelöhr wurde, zeige den „Respekt, den die Gegner vor uns haben“, befand Xhaka.

Doch eine Entschuldigung für nicht erzielte Tore war das nicht. Denn es gab die Gelegenheiten, doch es wurde ganz einfach nicht genau genug vor dem Tor gearbeitet. Es war eine Mischung aus mangelnder Konzentration, Unzulänglichkeit und Pech, die den Heimsieg Sonntag verhinderte. „Wir müssen Torschüsse üben“, bekannte Raffael, als das vierte Unentschieden im siebten Bundesligaspiel feststand. Sein Trainer, der ihn einst beim FC Zürich formte, sieht das ähnlich. Er kündigte für die kommende Trainingswoche verstärktes Torschusstraining an.