Prekäre Lage für Gladbach, aber Frontzeck bleibt

Prekäre Lage für Gladbach, aber Frontzeck bleibt

In der größten sportlichen Krise setzt Borussia Mönchengladbach weiterhin auf Trainer Frontzeck. Mit neuen Spielern soll der gewaltige Rückstand auf die rettenden Plätze aufgeholt werden. Nach dem 1:2 gegen den HSV protestierten die Fans mit Schweigen.

Mönchengladbach. Mit einem Treuebekenntnis zum Trainer und neuem Personal in der Rückrunde will Borussia Mönchengladbach den Klassenerhalt in der Fußball-Bundesliga meistern. Trotz der miserablen Punkteausbeute (10) und der fünften Niederlage in Serie hält die Clubführung des Tabellenletzten an Michael Frontzeck fest. „Wir haben da keinen Handlungsbedarf“, kommentierte Vizepräsident Rainer Bonhof die Situation nach dem 1:2 gegen den Hamburger SV.

Auch Max Eberl verteidigte die Linie des Clubs. „Dass wir Letzter sind, daran haben wir alle unseren Anteil. Der Trainer, der Sportdirektor und die Mannschaft. Jetzt einen davon einfach zu opfern, wäre mir zu einfach“, meinte Borussias Sportdirektor. Gleichwohl ist die Lage nach elf sieglosen Heimspielen prekär wie selten. Nur einmal in der Bundesliga-Geschichte schaffte eine Mannschaft mit 10 Punkten zur Halbzeit am Ende noch den Klassenerhalt: Waldhof Mannheim gelang in der Saison 1988/89 mit 31 Punkten in der Rückrunde noch der Sprung auf Rang 12.

„Wir können das noch hinkriegen. Auch wenn das mit großer Hoffnung verbunden ist“, sagte Bonhof. Die Verantwortlichen sind davon überzeugt, dass mit zwei oder drei Winter-Transfers und der Genesung einiger verletzter Spieler mit Frontzeck die Trendwende geschafft werden kann. Der Trainer selbst gab sich kämpferisch. „Ich bin weit davon entfernt, hier mit gesenktem Kopf durch die Gegend zu laufen“, sagte der Coach. „Die Pause nach dem Pokalspiel am Dienstag in Hoffenheim kommt uns sehr gelegen. Wir werden gestärkt aus der Vorbereitung auf die Rückrunde gehen.“

Gegen den ebenfalls kriselnden HSV lief es am Freitagabend wie so oft in dieser Saison. „Dieses Spiel war ein Spiegelbild unserer Heimspiele in dieser Hinrunde“, meinte Frontzeck. Die mit einer zusätzlichen Defensivabsicherung umgestellte Borussen-Elf zeigte lange eine ordentliche Leistung und hatte im ersten Abschnitt fünf gute Chancen zum Führungstreffer. Die bis dahin schwachen Hamburger profitierten dabei von der ausgezeichneten Vorstellung ihres Torhüters Frank Rost. Dann nutzten Eljero Elia kurz nach der Pause und Piotr Trochowski in der Schlussphase zwei der wenigen Chancen zu Toren. Igor de Camargo hatte zwischenzeitlich den Ausgleich erzielt.

Die Borussen-Anhänger äußerten ihren Unmut durch stummen Protest. Ein Fanblock blieb bis auf ein Spruchband leer („Ihr nicht für uns - Wir nicht für Euch“), während der Partie war die Unterstützung zurückhaltend. „Uns war klar, dass wir uns heute nicht auf die Fans verlassen konnten. Es war sehr ruhig“, meinte Thorben Marx.

Grund zum Feiern hatten nur die zuletzt auf dem Platz und in der Clubführung zerstrittenen Hanseaten, die mit nun 24 Zählern die internationalen Startplätze noch nicht aus den Augen verloren haben. „Es ist wichtig, dass jetzt die Winterpause kommt und Ruhe einkehrt“, befand Abwehrchef Heiko Westermann. Dies sei gewiss nicht das beste Spiel des HSV gewesen, aber der Druck nach zuvor vier Niederlagen aus fünf Partien war groß, meinte Trochowski.

Zudem beendete Ze Roberto am Wochenende die Spekulationen um einen vorzeitigen Abschied aus der Hansestadt. Er werde seinen bis Juni 2011 laufenden Vertrag erfüllen, bekräftigte der Brasilianer.

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