Nach der Pleite in Köln Gladbachs kleine Derby-Verweigerung

KÖLN · Das 1:3 beim 1 FC Köln war ein echter Rückschlag für die eigenen Überzeugungen bei der Borussia. „Ich dachte, wir sind weiter“, sagt Roland Virkus.

 Mönchengladbachs Manu Koné verlässt traurig den Platz.

Mönchengladbachs Manu Koné verlässt traurig den Platz.

Foto: dpa/Rolf Vennenbernd

Als Manu Koné noch eine Minute auf die Entscheidung warten musste, verzog er keine Miene. Schiedsrichter Deniz Aytekin hatte sich das Foul des Franzosen gegen Kölns Dejan Ljubicic noch einmal auf dem kleinen Video-Bildschirm am Spielfeldrand angesehen, die Traktierung des Knöchels gab jede einzelne Kameraeinstellung her, Koné schien das auch schon zu wissen. Die folgende Rote Karte bedeutete einen einsamen Marsch quer über den Platz in die Katakomben, während alle anderen Spieler längst an den beiden Trainerbänken mit mineralischen Getränken die leeren Speicher aufluden. Einsamer war noch kein Gladbacher vom Platz geschritten. Es war das Ende eines wirklich miserablen Spiels des 22 Jahre alten Mittelfeldspielers, der offenbar nach längerer Verletzung ohne Rhythmus, Tempo und passende Spielathletik in ein Derby gegangen war, das erst nach seinem Platzverweis entschieden wurde. Am Montag folgte sogleich das DFB-Urteil: Koné wird nach Einzelrichterentscheidung für zwei Bundesliga-Spiele gesperrt, Spieler und Verein stimmten umgehend zu. Der 22-Jährige fehlt der Borussia damit am Samstag (28. Oktober, 15.30 Uhr) gegen Bundesliga-Aufsteiger 1. FC Heidenheim sowie am 4. November (15.30 Uhr) beim SC Freiburg.

Aus Köln nahm man den Eindruck mit, dass das in der derzeitigen Verfassung Konés kein wesentlicher Aderlass für seine Mannschaft sein kann. Vor allem die erste Halbzeit, in der die Gastgeber vor allem das Mittelfeld nach Belieben beherrschte, weil Köln wegen der fehlenden Gladbacher Aggressivität in der Vorwärtsverteidigung so viel Platz hatten wie selten zuvor in dieser Saison, war allen Gladbach-Fans ein wahrer Graus. Dass ein Derby stattfand, spürte man beim Gegner und auf den Rängen. Woanders nicht.

„Schade, dass es
im Derby passiert“

Schiedsrichter Deniz Aytekin zeigt, wie knapp die Entscheidung des Videoschiedsrichters war.

Schiedsrichter Deniz Aytekin zeigt, wie knapp die Entscheidung des Videoschiedsrichters war.

Foto: dpa/Rolf Vennenbernd

Dementsprechend frustriert war Sportchef Roland Virkus nach dem Derby, offensichtlich bereit zu allerhand Kritik. „Die erste Halbzeit war unterirdisch“, sagte Virkus ohne falsche Zurückhaltung: „Wir haben eine junge Mannschaft, die noch viel lernen muss. Wir lernen gerade auf Kosten von Ergebnissen. Aber wir haben eigentlich gedacht, dass wir ein bisschen weiter sind.“ Es sei klar, dass die Borussia sich nach dem Umbruch im Sommer auf einem Weg befinde. „Auf so einem Weg hast du Höhen und Tiefen. Schade, dass es im Derby passiert. Es ärgert mich, in Köln verdient 3:1 zu verlieren“, sagte Virkus. Vom Abstiegskampf wollte er trotz nur sechs Punkten aus acht Spielen aber noch nichts wissen. „Wir stecken im unteren Drittel fest, keine Frage. Wir müssen punkten, keine Frage“, sagte Virkus: „Aber ob wir im Abstiegskampf stecken, kann ich vielleicht kurz nach der Winterpause sagen. Aktuell gibt es ab Platz elf viele Mannschaften mit wenigen Punkten. Deshalb kann man davon jetzt noch nicht sprechen.“

Doch auch Trainer Gerardo Seoane war mit der Leistung bei der „verdienten Niederlage“ unzufrieden. „In der ersten Halbzeit haben uns alle Facetten des Spiels gefehlt“, sagte der Schweizer: „Sei es taktisch im Anlaufen, sei es von der Intensität in den Zweikämpfen, sei es von der Ballsicherheit.“ Nach der Pause sei es zwar etwas besser gewesen, „aber wenn du so eine erste Halbzeit spielst, wirst du am Schluss nicht belohnt.“ Kapitän Julian Weigl, der selbst ungewöhnlich viele Fehler in sein Spiel integriert hatte, entschuldigte sich gar: „Unter dem Strich war das heute in allen Belangen zu wenig von uns. Wir müssen uns auch bei den Fans entschuldigen, die hier richtig Stimmung gemacht und hinter uns gestanden haben. Wir wussten, wie wichtig ihnen dieses Spiel ist und hätten ihnen gerne mehr geboten.”

Vielleicht war es die beste Leistung der Gladbacher, sich an diesem vermaledeiten Sonntag nicht zu sehr auf den Schiedsrichter zu stürzen. Immerhin waren wirklich alle engen Entscheidungen per Videobeweis gegen die Gäste ausgefallen, sogar einen gehaltenen Elfmeter von Torwart Moritz Nicolas ließ Aytekin gleich noch einmal wiederholen, als wäre das noch nicht alles genug: diese zwei Elfmeter, von denen den ersten auch Koné per unvermeidbarem Handspiel initiierte, den zweiten Nicolas gleich selbst. Und eben die Rote Karte. Das veranlasste zwar Gladbachs Sportdirektor Nils Schmadtke nach dem Schlusspfiff zu einem angeregten Gespräch mit Aytekin, am Ende des engagierten Mini-Disputs gaben sich aber beide die Hand. Und Aytekin zu Protokoll, dass man als Schiedsrichter für Regelauslegungen verantwortlich sei, und nicht, um die Fans zu beglücken. Eine ähnlich unterkühlte Sichtweise war das, wie die Betriebstemperatur der Gladbacher, bei denen auch der Außenverteidiger Luca Netz vor der Pause eine wirklich schlechte Leistung darbot. Er wurde wie Florian Neuhaus (auch hier machte Rocco Reitz nach er Pause den besseren Eindruck) schon zur Pause ersetzt, dann durch einen ungleich engagierteren Joe Scally. Die Niederlage aber konnte auch der US-Amerikaner nicht mehr abwenden.

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