Null Erfolg und Fan-Tränen

Die Hinrunde hat bei Anhängern Spuren hinterlassen. Die WZ-Umfrage belegt das.

Mönchengladbach. Weihnachten als Tabellenletzter der Fußball-Bundesliga verbringen zu müssen — das hatten sich die Entscheider bei Borussia anders vorgestellt. Eigentlich wollten die Borussen den nächsten Schritt in eine bessere sportliche Zukunft machen. Stattdessen droht nach der jüngsten Heimschlappe der dritte Abstieg.

Die WZ hat sich am Sonntag im Borussia-Park bei VfL-Treuen umgehört, wie sie die sportlich desaströse Situation einschätzen. „Ich denke, die schaffen das gerade noch so“, sagt Hedwig Schneider (71) aus Hehn. Ihr Mann Günter (71) sieht das völlig anders und geht vor allem mit Trainer Michael Frontezck hart ins Gericht: „Die können das gar nicht schaffen. Gegen wen wollen die denn gewinnen? Die Mannschaften, die vorab als Abstiegskandidaten genannt wurden, stehen so gut wie alle oben. Der Trainer ist kein Gewinner-Trainer. Das ist ein Verlierer-Trainer, der hat doch überall verloren.“

Auch Wilhelm Esser (68) befürchtet das Schlimmste: „Es wird ganz schwer, die Liga zu halten. Man hätte Frontzeck nicht verpflichten sollen. Ich würde auch nicht länger an ihm festhalten. Wir brauchen so einen wie den Trainer von St. Pauli.“

Für David Wendler (30) ist es zu einfach, alles nur am Trainer festzumachen. „Die Situation ist mies und bescheiden. Es kann aber nicht nur am Trainer liegen. Nach vorne spielen die ja ganz ok, wir kriegen einfach zu viele Dinger rein.“ Eberhard Reiners hat zwar auch wenig Hoffnung, ist von Frontzecks Arbeit jedoch überzeugt. „Die Trainerfrage stellt sich für mich nicht. Der Trainer kann die Tore nicht schießen, der Trainer kann auch nichts für die Verletzten. Ich würde mit Frontzeck weitermachen“, sagt der Gladbacher (62).

Was Dauerkarten-Inhaber und VfL-Mitglied Waldemar Kamper (47), der mit seiner Frau Marika (43) und Sohn Alexander (16) regelmäßig im Borussia-Park ist, überhaupt nicht nachvollziehen kann. „Ich würde nicht mehr an Frontzeck festhalten, er ist schließlich für viele Dinge auch der Verantwortliche. Man sollte einen Schnitt machen, dann hätte der neue Trainer wenigstens ein paar Wochen Zeit, was Neues auszuprobieren.“ Die Chancen, mit zehn Punkten nach der Hinrunde noch die Liga zu halten, seien „sehr gering“, so Kamper. Er freue sich auf die Mitgliederversammlung. „Da muss das Präsidium Entscheidungen verantworten. Ich glaube nicht, dass sie das können.“

Thomas (42) und Willi (70) Heyer aus Nettetal stehen der Situation bei Borussia ebenfalls sehr kritisch gegenüber: „Wir haben das mal durchgerechnet — die müssen in der Rückrunde ja so viele Punkte holen, dass sie fast jedes zweite Spiel gewinnen müssen. Das geht doch gar nicht. Da können Frontzeck und Bonhof das Schönreden wie sie wollen. Selbst wenn die zwei, drei gute Spieler holen. Wenn sie viel Glück haben, schaffen sie noch den Relegationsplatz.“

Beide meinen, die Zeit für einen Umbruch sei gekommen. „Hier müssen neue Strukturen her. Das funktioniert so nicht mehr, man tritt seit Jahren auf der Stelle. Sportlich kommen wir einfach nicht weiter.“ Borussia sei ein Wirtschaftsunternehmen, das vom sportlichen Erfolg abhängig sei.

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