Vertragsverlängerung Gladbachs Florian Neuhaus: „Ich trage dieses Trikot mit Stolz"

Rottach-Egern · Der Mittelfeldspieler hat sich bis mindestens 2027 zur Borussia bekannt und soll eine Identifikationsfigur werden. Was bedeutet das für Manu Koné?

Neuhaus bekennt sich zu Gladbach: "Ich trage dieses Trikot mit Stolz"
Foto: dpa/Federico Gambarini

In Torhüter Tobias Sippel, dem leider schwer erkrankten Rechtsverteidiger Stefan Lainer, den Innenverteidigern Tony Jantschke, Nico Elvedi und Mamadou Doucouré, den Mittelfeldspielern Rocco Reitz und Florian Neuhaus sowie den Angreifern Patrick Herrmann, Hannes Wolf und Semir Telalovic laufen bei Borussia Mönchengladbach im nächsten Juni zehn Verträge aus. Liefen, um genau zu sein. Denn am letzten Tag des diesjährigen Trainingslagers in Rottach-Egern hatte Borussias Sport-Geschäftsführer Roland Virkus für Verein wie Fans eine gute Nachricht zu verkünden. Florian Neuhaus hat seinen Vertrag bis 2027 verlängert.

„Flo kam 2018 als junger, talentierter Spieler zu uns und hat sich zu einem gestandenen Bundesliga-Profi mit Nationalmannschafts-Erfahrung entwickelt. Also ist er damit ein typischer Borussia-Akteur. Wir freuen uns, dass er sich mit seiner Vertragsunterschrift klar zu diesem Verein bekannt hat und dass uns seine fußballerische Klasse erhalten bleibt", sagte Virkus. Schon Anfang der Woche hatte sich abgezeichnet, dass Neuhaus auch weiterhin das Trikot mit der Raute tragen wird. „Er sieht, dass sich etwas bewegt. Dass wir wieder den Weg einschlagen, den wir bei seiner Ankunft vor fünf Jahren eingeschlagen hatten", sagte Virkus.

2017 hatte die Borussia den Mittelfeldspieler ablösefrei vom TSV 1860 München geholt, ihn zur Erlangung von Spielpraxis für eine Leihgebühr von 80 000 Euro allerdings noch eine Saison an den Zweitligisten Fortuna Düsseldorf abgegeben. Seit 2018 kam Neuhaus für die "Fohlen" in 172 Pflicht-Spielen auf 22 Treffer und 24 Tor-Vorlagen. Seine im Test gegen Ingolstadt erlittene Verletzung wurde inzwischen als Zerrung im linken hinteren Oberschenkel diagnostiziert. „Es ist nicht so schlimm wie befürchtet, eventuell kann er schon nächste Woche wieder mit der Mannschaft trainieren", sagte Virkus.

Neuhaus spricht offen von einem Disziplin-Problem

Dies wird er dann nicht mehr mit der Nummer "32" auf dem Rücken tun, Neuhaus schnappte sich die durch den Wechsel von Marcus Thuram zu Inter Mailand frei gewordene "10". „Die hatte ich schon bei 1860", sagte er bei einer Medien-Runde im Gartenpavillon des Mannschaftshotels am Tegernsee. Dort kam nach den jüngsten Erfahrungen mit Jonas Hofmann natürlich unweigerlich die Frage nach einer möglichen Ausstiegsklausel auf. „Über Vertragsinhalte spreche ich nicht. Ich kann jedoch sagen, dass ich mich klar zum Verein bekannt habe. Ich trage dieses Trikot mit Stolz und von daher war die Borussia auch immer mein erster Ansprechpartner."

In Verbindung mit dem Wechsel der Rückennummer deuten diese Aussagen nicht auf eine Ausstiegsklausel hin. Zumal Neuhaus weiter ausführte: „Meine Entscheidung ist sowohl emotionaler als auch sportlicher Natur. Ich fühle mich in Mönchengladbach richtig wohl. Das ist ein riesengroßer Verein - über hundert Spieler wären aktuell sicher stolz, wenn sie bei der Borussia sein dürften. Zudem entsteht hier wieder etwas, wir kehren zur "Fohlen"-DNA zurück und die Stimmung auf dem Rasen sowie auch neben dem Platz ist ebenfalls wieder gut."

Demnach ist sie das in der vergangenen Saison also tatsächlich nicht gewesen. Bereits im Winter war durchgesickert, dass es in der Kabine kaum noch stimmen würde. „Es ist kein Geheimnis, dass wir in Sachen Disziplin ein Problem hatten. So konnte es nicht weiter gehen. Der Trainer hat einen Verhaltenskodex erstellt und es gibt auch einen Strafenkatalog. Jetzt sind wieder alle pünktlich, halten sich an die Regeln und die Mannschaft steht füreinander ein", ließ Neuhaus tief blicken.

Alles auf Neustart demnach, auch für Neuhaus persönlich. Schließlich war die vergangene Saison nicht nur für den Verein problematisch, sondern auch für den 26-Jährigen selbst unbefriedigend verlaufen. Wegen einer Teilschädigung am Kreuzband standen nur 23 Bundesliga-Einsätze und ein einziger Treffer zu Buche. „Die Verletzung hat mir meinen Rhythmus genommen", sagte Neuhaus und Roland Virkus meinte: „Flo hat seine Torgefahr etwas verloren. Aber wir brauchen seine Treffer aus dem Zentrum."

Neuhaus definiert seine Rolle auf dem Feld als "klarer Achter"

Genau um diese, seine Rolle ging es sowohl in den Gesprächen zur Vertragsverlängerung als auch in denen mit Gerardo Seoane. „Der Trainer ist stets eine sehr wichtige Komponente. Ich habe mich mit ihm intensiv über die Art unterhalten, wie er Fußball interpretiert." Und dabei auch ganz klar seine eigene Rolle definiert. Dass der in Landsberg am Lech geborene Neuhaus allein auf Grund seines Alters in diesem jungen Kader eine Führungsrolle anpeilt, ist das eine. Dass er eine klare Vorstellung von seiner Position auf dem Feld hat, das andere. „Ich verstehe mich ganz klar als "Achter". Von daher habe ich den Trainer erst einmal gefragt, ob diese Position in seinen Systemen überhaupt vorhanden ist. Ich sehe mich weder als statischen "Sechser" noch auf der "Zehn". Ich habe meine größten Stärken, wenn ich die Zwischenräume dynamisch bearbeiten kann."

Das funktioniert sowohl in einem 4-2-3-1 als offensiver Teil einer "Doppel-Sechs" diagonal zu als auch in einem 4-3-3 als Teil einer "Doppel-Acht" vor Julian Weigl. Letzteres hat Seoane allerdings noch nicht spielen lassen, das gegen Ingolstadt erstmals praktizierte 3-5-2 würde Neuhaus zu weit vorne platzieren. „Am Ende entscheidet natürlich der Trainer, schließlich ist Fußball ein Mannschaftssport", erklärte Neuhaus. Dennoch läuft vieles auf das von Seoane schon bei Bayer Leverkusen praktizierte sowie auch bei den Young Boys Bern von ihm favorisierte 4-2-3-1 hinaus. Dort würde sich Florian Neuhaus dann mit Manu Koné um den Stammplatz duellieren, vielleicht aber auch nicht. Denn die Vertragsverlängerung sowie den von Virkus für Neuhaus ausgerufenen Status einer Identifikationsfigur könnte den angedachten Verkauf Konés vorantreiben und die sich aus diesem generierte Ablösesumme in den laut Virkus aktuell nicht stemmbaren Transfer des offensiven Mittelfeldspielers Florian Rieder reinvestieren...

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