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Luuk de Jong - Vom Gladbach-Flop zum Helden

Borussia Mönchengladbach : Luuk de Jong - Vom Gladbach-Flop zum Helden

Luuk de Jong war einst der Rekordtransfer der Borussia. Mit Sevilla kann er am Freitag (21 Uhr, RTL) in Köln die Europa League gewinnen.

Und plötzlich zappelte der Ball im Netz von Manchester United. Viel hatte am vergangenen Sonntag bis dahin in diesem ersten Halbfinale der Europa League auf eine Verlängerung hingedeutet, dann aber schob Luuk de Jong in der 78. Minute eine Flanke von Jesus Navas zum 2:1 für den FC Sevilla über die Linie. Aus dem Nichts heraus standen die Andalusier plötzlich zum sechsten Mal binnen 15 Jahren im Endspiel des UEFA-Cups und dort soll am Freitag in Köln dann auch der sechste Triumph nach 2006, 2007, 2014, 2015 sowie 2016 gefeiert werden.

Favorit ist freilich Inter Mailand. Der Leverkusen-Bezwinger schickte mit seiner Angriffs-Walze Romelu Lukako den ukrainischen Bergarbeiter-Club Schachtjor Donezk mit 5:0 in den Schacht. Eine solche Sturm-Lokomotive besitzt Sevilla in Lucas Ocampos nicht, hat dafür aber Luuk de Jong. Einen Joker, dessen Schwiegermutter-Gesicht so gar nicht zu seinem Killerinstinkt passt. Gegen United brachte ihn Trainer Julen Lopetegui nach 55 Minuten für En-Nesyri. Nur 22 Minuten später stand de Jong da, wo ein Mittelstürmer eben stehen muss - richtig.

De Jong ist der sechstteuerste Gladbacher Einkauf

Richtig stand Luuk de Jong bei Borussia Mönchengladbach nur selten. Von Juli 2012 bis Januar 2014 gelangen dem Angreifer in 45 Pflichtspielen acht Treffer sowie vier Tor-Vorlagen. Dabei war er mit der Empfehlung von 59 Toren und 36 Vorlagen in 120 Partien für den FC Twente für 12 Millionen Euro Ablöse aus Enschede losgeeist worden. Damit war de Jong damals Borussias Rekordtransfer und er liegt aktuell hinter Pléa (23 Millionen), Ginter (17), Kramer (15) sowie Lainer und Vestergaard (je 12,5) immerhin noch an sechster Stelle der teuersten Einkäufe.

„Ich glaube nicht, dass die Erwartungen an Luuk überzogen waren. Sie sind realistisch gewesen“, meint Yanick Vos. Der Redakteur des niederländischen Fußball-Portals „Voetbalzone“ erklärt: „De Jong hatte sich in der Eredivisie behauptet und war bereit für seinen nächsten Schritt. Wir alle dachten, Gladbach sei der perfekte Verein für ihn. Seinerzeit kein Top-Club - aber eben einer, bei dem er sich weiter entwickeln konnte. Doch de Jong hat den Sprung leider nicht geschafft.“

Was wie ein Flop wirkt, war eher ein großes Missverständnis. De Jong passte schlicht nicht in die Vorstellungen von Trainer Lucien Favre. Der hatte von Manager Max Eberl einen schnellen Stürmer verlangt, bekam jedoch nach dem Abgang von Marco Reus (BVB) neben Mike Hanke und Relegations-Held Igor de Camargo einen dritten zentralen Angreifer. Die Kommunikation zwischen Favre und Eberl lief in dieser Personalie nicht optimal, allerdings war der für seine Sturheit bekannte Favre danach auch nicht bereit, sein System den neuen Gegebenheiten anzupassen.

Gladbach fuhr einen Verlust von fünf Millionen Euro ein

So wurde de Jong im Januar 2014 an Newcastle United ausgeliehen und im Juli 2014 dann an die PSV Eindhoven verkauft. Bei insgesamt sieben Millionen Euro Einnahmen ergab sich für Gladbach mit dem Niederländer folglich ein Verlust von fünf Millionen Euro, ein seltener Fehlgriff Eberls. Für Eindhoven gelangen de Jong danach in 204 Spielen 112 Treffer sowie 57 Tor-Vorlagen und damit entscheidende Anteile an den Meisterschaften der PSV in den Jahren 2015, 2016 sowie 2018.

Vor einem Jahr wagte de Jong mit dem Wechsel zum FC Sevilla den zweiten Auslands-Versuch. Fast schon grotesk, dass auch dort das System für den fast 30-Jährigen nicht maßgeschneidert ist. Immerhin aber wird er von seinem Trainer Lopetegui nicht derart ins Abseits gestellt wie seinerzeit von Lucien Favre. Als Joker ist er gefragt, und gegen ManU hat er seinen Wert unter Beweis gestellt. Mit acht Toren und vier Vorlagen in 45 Partien ist die Bilanz nun identisch mit der bei der Borussia. Ein Siegtreffer im Finale gegen Inter Mailand und sie wäre nicht nur besser – sie würde ihm auch den Pokal bescheren, auf den Mönchengladbach seit 1979 wartet.