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Kramer sieht trotz dritter Pleite in Folge keine Krise

Kramer sieht trotz dritter Pleite in Folge keine Krise

„Vorne hapert es ein bisschen“, kritisiert Gladbachs Trainer Favre nach dem 0:1 in Wolfsburg.

Wolfsburg. Das Tempo, das Deutschlands größter Autokonzern auf dem globalen Wirtschaftsmarkt hinlegt, inspiriert in dieser Saison offenbar auch die Fußballer des VfL Wolfsburg. Nach dem Ausrutscher auf Schalke vor einer Woche zeigte sich der Deutsche Meister von 2009 gestern beim 1:0 gegen Borussia Mönchengladbach gut erholt und ist fürs erste die klare Nummer 1 in der Fußball-Bundesliga — hinter dem souveränen Tabellenführer FC Bayern München.

Abwehrspieler Robin Knoche sorgte schon früh für die Entscheidung. Nach einer verunglückten Parade des Gladbacher Torhüters Yann Sommer stand Knoche goldrichtig und bugsierte den Ball zum Siegtreffer über die Linie (12. Minute). „Wir haben sicher nicht so glanzvoll gespielt, haben aber läuferisch und kämpferisch alles gegeben“, sagte Trainer Dieter Hecking, der allerdings kategorisch abwiegelt, wenn von Titelträumen die Rede ist: „Das ist doch unrealistisch. Wer sollte die Bayern gefährden? Wir müssen nur auf uns schauen.“

Einer seiner Trümpfe ist der Schweizer Torhüter Diego Benaglio. Seit sieben Jahren hütet der VfL-Kapitän das Tor der Niedersachsen, wurde 2009 sogar Deutscher Meister. So weit ist sein Landsmann Yann Sommer, Benaglios Nachfolger im Tor der Schweizer Nationalmannschaft, bei weitem noch nicht. Er ist erst seit Sommer in Mönchengladbach und muss in der Bundesliga noch Fuß fassen. Aber Sommer ist auf einem guten Weg. Er hat nach Weltmeister Manuel Neuer (FC Bayern) die wenigsten Tore in der Liga kassiert. Pech für ihn, dass er ausgerechnet im ersten Liga-Duell mit Benaglio den Kürzeren zog. „Ich kam in der entscheidenden Szene einfach nicht richtig an den Ball“, sagte der Gladbach-Goalie, der ansonsten gewohnt souverän agierte.

Dass die Wolfsburger in einem Spiel zweier nahezu gleichstarker Teams die Oberhand behielten, hatten sie in erster Linie Benaglio zu verdanken. Der Wolfsburger Kapitän zeigte vor der Pause zweimal seine ganze Klasse gegen Brouwers (18.) und insbesondere bei einem Kopfball von Patrick Herrmann eine Viertelstunde später. Nach der Pause war von den Borussen längere Zeit wenig zu sehen. In dieser Phase bestimmten die Gastgeber den Lauf des Spiels, ohne dass ihnen der entscheidende Schlag gelang.

Nach der dritten Niederlage hintereinander sind die Gladbacher mit 20 Punkten plötzlich nur noch eines von vielen Teams, die mit einem Europapokalplatz liebäugeln. Weltmeister Christoph Kramer will dennoch von einer Krise nichts wissen. „Wenn ich mir in allen drei Wettbewerben die Tabellen anschaue, dann fällt es mir absolut schwer, von einer Krise zu sprechen“, sagte Kramer, als gäbe es im Pokal auch eine Tabelle. Lucien Favre betonte, die Liga sei unberechenbar. Aber der Trainer sieht auch Defizite im eigenen Team: „Es fehlt vielleicht die Frische, und vorne hapert es ein bisschen.“ In der Tat: In der Schlussminute vergaben Branimir Hrgota und Tony Jantschke bei einer turbulenten Strafraumszene den Ausgleich.