Borussia Mönchengladbach: Hecking: "Wir fahren nach Leverkusen, um zu gewinnen"

Borussia Mönchengladbach : Hecking: "Wir fahren nach Leverkusen, um zu gewinnen"

Mönchengladbach/Leverkusen. Die Teilnahme an einer Weltmeisterschaft ist für jeden Fußballer ein großes Ziel. Im Multi-Kulti-Team von Borussia Mönchengladbach haben gleich sieben Spieler aus vier Ländern die WM in Russland (14.

Juni bis 15. Juli) vor Augen, für ein Quintett wäre es sogar eine WM-Premiere. Doch so nah das Spektakel auch sein mag, für die Gladbach-Aspiranten ist es noch weit weg. Yann Sommer, Nico Elvedi, Denis Zakaria (alle Schweiz), der Däne Yannik Vestergaard, der Belgier Thorgan Hazard sowie das deutsche Duo Matthias Ginter und Lars Stindl haben im Liga-Alltag derzeit mit sich selbst genug zu tun, mit sich und ihrem Klub, der ausgerechnet in seiner Bundesliga-Jubiläumsspielzeit, der 50., Gefahr läuft, die Qualifikation für die internationale Fußball-Bühne zu verfehlen. Zum zweiten Mal in Folge gingen dem Traditionsverein Millionen-Gelder durch die Lappen.

Vor dem Gastspiel des Tabellen-Siebten bei Bayer Leverkusen (Samstag, 18.30 Uhr, BayArena) versuchen die Gladbacher mit letzten Kräften, ihre dürftige Rückrunden-Bilanz (zwei Siege, ein Unentschieden, fünf Niederlagen) aufzupolieren, um „Europa“ nicht gänzlich aus den Augen zu verlieren. Doch angesichts der Verletzungs-Misere und mangelnden Durchschlagskraft in der Offensive fällt es ihnen zunehmend schwerer, mit den Großen Schritt zu halten. „Trotzdem fahren wir nach Leverkusen, um zu gewinnen“, sagte Gladbachs Cheftrainer Dieter Hecking am Freitag im Borussia-Park, „und ich traue meiner Mannschaft das auch zu. Wir geben ihnen das Gefühl, dass sie es können.“

Hecking gibt sich kämpferisch, optimistisch, so wie vor gut einem Jahr, als er Andre Schubert ablöste und im ersten Spiel der Rückrunde 2016/17 seine Elf beim Stande von 0:2 zur Pause wieder mental aufrichtete. Aus dem 0:2-Rückstand in Leverkusen wurde schließlich ein 3:2-Sieg nach Toren von Stindl (2) und Raffael. Doch der Ist-Zustand im Vorfrühling 2018 ist ein anderer: In dieser Woche musste sich Dieter Hecking zeitweise mit lediglich 15 gesunden Feldspielern beim Training begnügen, und die Lazarett-Liste lichtet sich einfach nicht. Aufkeimende Kritik an der Arbeit der medizinischen Abteilung weist der Trainer von sich. „Die medizinische Abteilung tut wirklich alles“, sagt Hecking, „trotzdem ist es natürlich ärgerlich, dass das Produkt unter den Verletzungsproblemen leidet. Deshalb müssen wir noch einmal alles auf den Kopf stellen. Das regeln wir intern.“

Das Glück ist Dieter Hecking und seinen Spielern irgendwie seit langem abhanden gekommen. Auf deren Seite geschlagen hatte es sich nur zu Beginn der Hecking'schen Schaffensphase am Niederrhein, als die Fohlen Elf im Vorjahr um diese Zeit in allen drei Wettbewerben kurzzeitig für Furore sorgte. Doch die Glückssträhne endete jäh, und es begann die elende, fast merkwürdig anmutende Verletzungs-Serie im Borussia-Park, die bis heute die Abläufe beim fünfmaligen Deutschen Meister empfindlich stört. Hecking und sein Team verpassten große Ziele. War beim Knockout im DFB Pokal und in der Europa-League noch eine gehörige Portion Pech im Spiel, sorgte das laxe Verhalten der Mannschaft im Liga-Endspurt, das die Europa-League-Teilnahme kostete, für latenten Unmut.

Der jetzige, unbefriedigende Zustand bei Borussia Mönchengladbach beruht freilich überwiegend auf der Tatsache, dass die über einen langen Zeitraum personell geschwächte Mannschaft bei allem Wollen, Talent und Ehrgeiz zwar hier und da ein beachtliches Spielniveau erreicht, die Abteilung Attacke allerdings oft wirkungslos bleibt, weshalb Sportdirektor Max Eberl und die Trainergilde der Fohlen Elf längst auf Stürmersuche sind. Selbst ein imponierender 2:1-Erfolg gegen den FC Bayern sorgte nicht für den erhofften Schub. Die Bilanz seitdem ist enttäuschend: drei Siege, zwei Remis, sieben Niederlagen.

Vielleicht ist Glücksgöttin Fortuna ja mit Dieter Hecking und seinen Schützlingen am Samstagabend mal wieder im Bunde. „Wir brauchen gegen diesen starken Gegner auf jeden Fall ein gewisses Quäntchen Glück“, sagt Lars Stindl, der es erst Recht gebrauchen kann. Seit 1255 Minuten wartet er auf „sein“ Tor, seit dem Gastspiel Mitte November bei Hertha BSC. Und deshalb verschwendet der Kapitän momentan auch keinen Gedanken an die Fußball-WM. „Sie bleibt ein großes Ziel für mich, zweifellos. Aber jetzt zählt nur Borussia, nicht der Einzelne. Es zählt nur der Erfolg der Mannschaft.“