Borussia Mönchengladbach: Gladbach: Vom Ball(er) Spiel-Verein überrollt

Borussia Mönchengladbach : Gladbach: Vom Ball(er) Spiel-Verein überrollt

Die höchste Pleite gegen den BVB deckt die Abwehr-Risse bei der "Fohlen-Elf" gnadenlos auf. "Wir waren vom Anpfiff weg überfordert."

Dortmund. "Die meisten vergessen, dass ich eigentlich fast alles gehalten habe, was haltbar war." Nein, dieser Satz stammt nicht von Tobias Sippel - gesagt hatte ihn einst Peter Endrulat. Mehr als 39 Jahre ist es jetzt her, als der damalige Ersatztorhüter von Borussia Dortmund bei 0:12 gegen Borussia Mönchengladbach ein ganzes Dutzend Gegentreffer hinnehmen musste. In der Gegenwart ist Tobias Sippel bei Gladbach ebenso die Nummer zwei, am Samstag aber musste er für den verletzten Yann Sommer zwischen die Pfosten. Der 29-Jährige bekam die späte Revanche des BVB zu spüren, verhinderte beim 1:6 (0:3) allerdings noch Schlimmeres.

"Bei sechs Gegentreffern lässt sich nicht von einem Besten in der Mannschaft sprechen. Ich schäme mich schon ein wenig", sagte Sippel. Im 99. Bundesliga-Duell der beiden Borussen kassierte die vom Niederrhein ihre höchste Pleite gegen den BVB. "Wir waren vom Anpfiff weg überfordert. 25 Minuten lang konnten wir noch dagegen halten, doch mit dem 0:1 ist der Dortmunder Zug dann so richtig ins Rollen gekommen", sagte Sippel.

Genau das wollten die Beteiligten verhindern. "Der BVB ist zu Hause in der Bundesliga seit über zwei Jahren unbesiegt, aber wir haben einen Plan", hatte Matthias Ginter nach dem 2:0 über den VfB Stuttgart am Dienstag gesagt. Defensiv wolle man kompakt stehen, den Ball auch mal länger in den eigenen Reihen halten und auf Gelegenheiten zum schnellen Angriff warten. "Nichts davon haben wir umgesetzt bekommen. Längere Ballbesitz-Phasen - haben wir nicht geschafft, die Räume schließen - haben wir nicht geschafft, die Konter gut ausspielen - haben wir auch nicht geschafft", sagte Ginter nach dem kollektiv verkorksten Tagwerk.

Mönchengladbachs Torwart Tobias Sippel liegt nach dem Schlusspfiff auf dem Rasen. Foto: Bernd Thissen

Dabei gab es von diesen Kontern reichlich. Denn auch wenn es angesichts eines 1:6 paradox klingt, chancenlos war die "Fohlenelf" nicht. Die Schwachstelle des BVB konnte mit dem trägen Ömer Toprak schnell ausgemacht werden, sechs große Möglichkeiten ergaben sich so und schon nach zehn Minuten hätte Hazard das 1:0 machen müssen. "Wir hatten fünf, sechs hochkarätige Chancen und da gehört besonders die erste dazu. Hauptursache aber war, dass wir dem BVB das Tore schießen zu einfach gemacht haben", sagte Trainer Dieter Hecking.

Statt den im Positions- und Passspiel äußerst sicheren Dortmundern aktiv Raum und Zeit zu nehmen, blieb Gladbach mit 25 Prozent Ballbesitz passiv und war dabei auch noch gedanklich langsam. Beim 0:1 bekam die gesamte Defensive keinen Zugriff, vor dem 0:2 unterlief Ginter ein kapitaler Aufbau-Fehler, das 0:3 begünstigte Abstimmungsprobleme zwischen den einzelnen Mannschaftsteilen. Die weiterhin mangelhafte Chancenverwertung ist eine Sache - besorgniserregender aber ist, dass die einst so stabile Abwehr seit Saison-Beginn Risse aufweist. "Es war ja nicht das erste mal, dass wir ein Tor von außen bekommen haben, weil in der Mitte einer durchlaufen konnte", sagte Hecking.

So wird es schwer, das Ziel der Europapokal-Rückkehr zu erreichen. Die von Ginter als zwei Ausreißer bezeichneten Pleiten gegen Frankfurt und Dortmund bedeuten nach sechs Partien schließlich ein Drittel der Saison - hochgerechnet auf 34 Spiele wären das elf Ausreißer. Gegen Hannover 96 ist das Team damit nun nicht nur seinen 8000 nach Dortmund gepilgerten Fans gegenüber in der Bringschuld, sondern auch dem eigenen Anspruch. "Wir müssen jetzt die Reset-Taste drücken, um dahin zu kommen, wo wir hin wollen", sagte Kapitän Lars Stindl.

Mehr von Westdeutsche Zeitung