Gladbach-Trainer Rose: Es wird Prinzipien geben, die ich einfordern werde

Trainingsauftakt : Gladbach-Trainer Rose: „Es wird Prinzipien geben, die ich einfordern werde“

Gladbachs neuer Trainer Marco Rose spricht über Stürmer Embolo, die Notwendigkeit weiterer Zugänge, Soziale Netzwerke und sein Tattoo am rechten Oberarm.

Der Urlaub ist beendet, Marco Rose beginnt das Abenteuer Bundesliga-Premiere bei Borussia Mönchengladbach. Am Sonntag ist Trainingsauftakt im Borussia-Park am Niederrhein. Rechtzeitig bekommt Rose seinen Wunschstürmer, Mittwoch unterzeichnete Breel Embolo einen Vertrag bis 2023, in den vergangenen beiden Tagen wurden mit Schalke 04 die letzten Wechselmodalitäten geregelt. Der 42-jährige Trainer spricht vor dem Auftakt über:

... Stürmer Breel Embolo: Er bringt natürlich Dynamik und Schnelligkeit mit. Das ist aber nur der eine Faktor. Wir haben uns getroffen, er ist ein richtig guter Typ, der eine schwierige Zeit auf Schalke hatte. Gladbach wollte ihn ja schon 2016 haben. Wir wollen auch Spieler, die schlau spielen und entwicklungsfähig ist. Jeder Wechsel birgt Chancen und Risiken. Wir setzen ihm hier keinen riesigen Rucksack auf, er soll gesund werden, hier ankommen und sich wohlfühlen.

... über die Verpflichtung von Stefan Lainer, mit dem Rose bereits in Salzburg arbeitete: Mit ihm haben wir einen Spieler, der ist eine Naturgewalt. Ein richtig solider, ordentlicher Fußballer, der eine unfassbare Mentalität mitbringt. Er ist ein Spieler, der sich entwickeln kann, letztes Jahr wollte ihn Neapel verpflichten, da haben wir das verhindern können. Er will jetzt in der Bundesliga seinen nächsten Schritt machen.

... Lainers Konkurrenten Michael Lang: Trainer Rose ist niemand, der Spieler vom Hof jagt, eine Trainingsgruppe II aufmacht oder so‘n Kram. Mit Michael Lang habe ich schon gesprochen. Es kann mit Einsatzzeiten schwierig werden. Aber wer besser trainiert, der spielt. So einfach funktioniert Profifußball.

... weitere Zugänge:

Wir wollen gerne vorne etwas machen und einen Abwehrspieler mit linkem Fuß, der flexibel einsetzbar ist. Wenn ich die letzten 720 Millionen ausgegeben und einen Kader von 40 Spielern, ich hätte ein riesiges Problem als Trainer, und der Verein wäre pleite.

... Markus Thuram und Malang Saar.

Gegen Ende wurden die Namen tatsächlich konkreter. Das sind gute Jungs.

... wie er spielen lassen will: Ich werde keine Schablone aus Salzburg in Gladbach überstülpen, es gibt auch keinen Rose-Fußball. Wir müssen uns kennenlernen, und wir werden viel arbeiten. Es wird Prinzipien geben, die ich einfordern werde, und wir werden einen Stil gemeinsam kreieren.

... was nicht diskutabel ist.

Eher vorwärts verteidigen als nach hinten verteidigen, ins Gegenpressing gehen bei Ballverlust, statt sich fallen zu lassen. Das wird auch mal passieren. Wir müssen die Dinge nach und nach uns aneignen. Das ist ein Prozess.

... sein Spielsystem.

Ich halte viel von Automatismen. Und von Prinzipien. Wir wollen gerne vertikal spielen, in welchem taktischen System auch immer. Die Grundordnung aber muss auch verinnerlicht sein. Im Spiel wechsle ich eigentlich nicht oft, das passiert vorher in der Analyse.

... den Kapitän (in der vergangenen Saison Lars Stindl): Wir lernen uns jetzt erst mal kennen. In Salzburg habe ich ihn bestimmt. Ich halte viel davon, wenn die Dinge gut laufen, brauche ich hier nichts auf den Kopf stellen.

... den Trainingsauftakt am Sonntag: Die Nationalspieler kommen später, manche erst am 5. Juli, andere noch länger. Florian Neuhaus spielt Sonntag das U-21-Finale. Das ist ein wichtiger Faktor für die Jungs, Pause zu machen und sich zu erholen. Drei Wochen am Stück sind schon wichtig.

... die Art, wie trainiert wird und wie sind die Abläufe sind.

Der Club ist bodenständig, für seine Fans da – so werden sich alle verhalten. Und trotzdem wird es mal Tage geben, die unter Ausschluss der Öffentlichkeit sind. In Salzburg mussten wir das nie machen. Die Spieler sollen ihr normales Leben leben. Ausgeschlafen sollen sie kommen, gut gefrühstückt haben. Ich schenke den Spielern viel Vertrauen, die Leine ist eher lang statt straff. Ich gebe Dinge vor, funktionieren sie, ist alle gut. Jeder kann Mittags nach Hause fahren.

... seine Arbeitsmethodik.

Ich gebe sehr gerne ab, ich vertraue den Leuten, mit denen ich arbeite. Ein Rehatrainer weiß besser, wann Embolo wieder auf den Platz kann. Ich höre mir auch gerne Dinge an, ich bin dann der, der die Entscheidung trifft und dahinter steht. Aber gerne mit Beratung. Daher gibt es auch nachher nicht: „Du hast ja gesagt...“ Ich freue mich auf den Input von Frank Gedeick, weil er seit zehn Jahren hier ist und viel weiß und kennt.

... Dinge, die ihn verärgern.

Unehrlichkeit macht mich richtig sauer, wenn der Vertrauensbruch in eine Kategorie fällt, die schwierig ist, vor allem wenn es um Dinge geht, die die Mannschaft tangieren.

... Rotation mit der Belastung aus Liga, Pokal und Europa: Ich habe in Salzburg extrem rotiert. Sieben bis acht Spieler von Europapokal zur Liga war keine Seltenheit. Ich muss ein Gefühl dafür bekommen, was am besten für die Mannschaft ist. Wer die Belastung der Spieler kennt, der weiß, dass es unerlässlich ist. Die Jungs fliegen Dir sonst irgendwann um die Ohren.

... Die Pokalauslosung und der Auftakt gegen Schalke: Ich nehme es so, wie es kommt. Ich habe dazu eigentlich keine klare Meinung. Wir wollen weiterkommen im Pokal, als Bundesligist bist Du immer gefordert, jetzt ist es Sandhausen, da sind wir direkt auf Betriebstemperatur. Max Eberl hat mir den Spielplan zugeschickt. Aber  es ist auch unangenehm, gegen Freiburg anzufangen.

... Soziale Netzwerke:  Keine Chance bei mir. Das zieht Energie, und ich habe eine Position, die das nicht zulässt. Das hat sich in eine Richtung entwickelt, die ich für schwierig halte. Der ein oder andere Spieler könnte da auch weniger  machen, selbst wenn es bei ihnen auch den Marktwert mit bestimmt.

... seinen Start in Gladbach.

Ich freue mich total, ich habe gerade ein Apartment bezogen. Ich habe sogar ein Haus gefunden, das ich demnächst beziehe. Ich habe in Hannover gespielt, in Mainz, war in Salzburg. Es ist spannend, wo anders hinzukommen, Rheinländer sind ja auch, habe ich gehört, speziell. Im positiven Sinne, natürlich.

... die Trennung zur Familie, die in Leipzig lebt: Wenn ich vier Wochen Zuhause war, wie jetzt, ist es sehr schwierig. Dann kullert auch mal ein Tränchen auf der Fahrt im Auto. Danach geht der Blick aber auf die Aufgabe, dann muss ich mich organisieren. Trotzdem bin ich froh, dass es einen Flughafen in Düsseldorf gibt mit vielen Flügen nach Leipzig. Das werde ich nutzen.

... sein Tattoo am rechten Oberarm: Das ist eine betende Hand. Das habe ich als junger Spieler gemacht. Da hatte ich zu viel Zeit.

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