Gladbach taumelt - 1:2-Pleite gegen HSV

Schöne Bescherung: Eine Woche vor Weihnachten schrillen bei Borussia Mönchengladbach die Alarmglocken immer lauter. Die „Fohlen“ verloren das Krisenduell in der Fußball-Bundesliga gegen den Hamburger SV unglücklich mit 1:2 (0:0) und überwintern als Tabellenletzter.

Nach der fünften Niederlage in Serie muss Gladbachs Trainer Michael Frontzeck heftig um seinen Posten bangen, Hamburg holte den ersten Dreier nach zuletzt zwei Pleiten. „Das Selbstvertrauen wird nach so einer Niederlage natürlich nicht größer“, sagte Gladbachs Torwart Christofer Heimeroth. Sein Coach bleibt jedoch Optimist. „Ich bin davon überzeugt, dass wir es trotzdem schaffen“, meinte Frontzeck angesichts von nur zehn Punkten der Gastgeber nach der Hinrunde. „Die Mannschaft will immer. An ihr liegt es nicht“, betonte er.

Vor 42 253 Zuschauern im Borussia-Park brachte Eljero Elia (46. Minute) den HSV kurz nach der Pause in Führung. Igor de Camargo (47.) glich postwendend für leidenschaftliche Gladbacher aus. Piotr Trochowski (72.) konnte dann für in der zweiten Hälfte clevere Gäste nachlegen.

„Beide Mannschaften waren verunsichert“, stellte HSV-Kapitän Heiko Westermann fest. „Wir haben unterm Strich verdient gewonnen“, sagte Keeper Frank Rost. „Wir sind alle der HSV“, ermahnte er seinen Club intern zu mehr Zusammenhalt, nachdem es in der vergangenen Woche Streitereien auf den Führungsebenen gegeben hatte.

Beide Mannschaften mussten verletzungsbedingt insgesamt mehr als ein Dutzend Ausfälle verkraften; die Trainer bauten jeweils viermal um. Zur Stabilisierung der neu formierten Viererabwehrkette schickte Frontzeck mit Erfolg gleich drei defensive Mittelfeldspieler ins Rennen (Thorben Marx, Roman Neustädter und Michael Bradley). HSV- Coach Armin Veh bot in dieser Saison Jonathan Pitroipa erstmals als Spielmacher hinter der einzigen Spitze Paolo Guerrero auf.

„Wir stehen zurecht da unten“, hatte Gladbachs Sportdirektor Max Eberl vor dem 85. Bundesligaduell beider Clubs eingeräumt. Und selbst bei einer knappen Niederlage stünde die Borussia zum Trainer, betonte er erneut. Vor dem Pokal-Achtelfinale bei 1899 Hoffenheim setzte Mönchengladbach das erste Ausrufezeichen: de Camargo (4.) scheiterte an Keeper Rost, der aus dem Tor eilen musste.

Der HSV agierte in der Anfangsphase beängstigend schwach, die Gladbacher hingegen zeigten Courage. Bradley (25.) und Juan Arango (26.) mit einem Weitschuss aus rund 40 Metern prüften Rost. Die Hamburger zielten erst in der 34. Minute durch Guerrero das erste Mal auf den Kasten von Heimeroth - aber kein Problem für den Schlussmann der Schießbude der Bundesliga. Von Abstimmung und Passgenauigkeit war bei den Gästen keine Spur. Kurz vor der Pause köpfte Westermann (45.+1) knapp übers Tor.

„Ich hoffe, dass wir uns in die Partie reinbeißen“, sagte Hamburgs Sportchef Bastian Reinhardt in der Halbzeit. Exakt 51 Sekunden nach dem Wiederanpfiff erfüllte ihm Elia mit einer Einzelaktion den Wunsch. Doch Gladbach schlug sofort zurück: de Camargo (47.) verwertete eine Flanke des starken Bradley zum Ausgleich. Tempo und Leidenschaft bot endlich die zweite Hälfte. Erst vergab Marx (70.), dann versenkte Trochowski (72.) einen Freistoß. Der eingewechselte Ruud van Nistelrooy (83.) patzte dann frei vor Heimeroth.

Mehr von Westdeutsche Zeitung