Borussia Mönchengladbach in Leverkusen: Gladbach-Spiel in der Analyse

Borussia Mönchengladbach in Leverkusen: Gladbach-Spiel in der Analyse

Leverkusen. Fußball-Bundesligist Borussia Mönchengladbach hat zum Rückrunden-Auftakt ein Ausrufezeichen setzen können: Die Elf des neuen Trainers Dieter Hecking setzt sich im West-Duell beim rheinischen Konkurrenten Bayer Leverkusen mit 3:2 durch.

Der erste Auswärtssieg in dieser Spielzeit für die Fohlen. Bemerkenswert: Borussia dreht dabei einen 0:2-Halbzeitrückstand und stoppt vorerst den weiteren Fall Richtung Abstiegsplätze. Für die Gäste vom Niederrhein treffen der zweifache Torschütze Stindl und Raffael, die vermeintlich komfortable Führung zuvor für Leverkusen hatten Tah und Chicharito jeweils per Kopf nach einem Eckball erzielt.

Der Moment des Spiels: Als Schiedsrichter Aytekin die Partie in Leverkusen beendet hat, kennt der Jubel im Gladbacher Jubel nahezu keine Grenzen. Gladbachs Trainer, Spieler und Anhang sind für Augenblicke im kollektiven Glücksrausch. Die Spieler versammeln sich vor dem Gäste-Block, haken ein, hüpfen Arm in Arm zum Freuden-Gesang der rund 5000 mitgereisten VfL-Treuen. Die Fohlen feiern ausgelassen den ersten Auswärtssieg in dieser Bundesliga-Spielzeit.

Der Spieler des Spiels: Vor dem Duell in Leverkusen hatte Borussias Manager Max Eberl die Führungsspieler in die Pflicht genommen. Die liefern nun auch wieder, allen voran Lars Stindl. Der Kapitän bringt Gladbach durch einen Doppelpack zurück in die Partie. Seine beiden Treffer sind die Grundlage dafür, dass die Elf vom Niederrhein die Partie komplett hatte drehen können.

Der Aufreger des Spiels: Der ereignet sich bereits vor dem Anpfiff. Chaoten im Leverkusener Fan-Block sorgen für eine Verzögerung des Anstoßes, in dem sie Pyrotechnik abfackeln und Böller zünden. Dichte Rauchschwaden ziehen über das Spielfeld. Durch das „Feuerwerk“ werden auch zwei Menschen verletzt — ein Kameramann und eine Ordnerin. Besorgniserregend in diesem Zusammenhang: Die Leverkusener Chaoten haben offenbar per ferngesteuerter Flug-Drohne und Fallschirm ihre Knallkörper in die Arena geflogen. Ein Tatbestand, der sicherlich in den kommenden Tagen für jede Menge Diskussionsstoff — Stichwort Sicherheit bei Großveranstaltungen — sorgen dürfte.

Chronik des Spiels: Munterer Auftakt in Leverkusen: Die Gäste vom Niederrhein spielen mutig auf, kommen zu einer guten Torchance (Dahoud), Bayer jedoch schlägt eiskalt zu. Zwei Standards nutzt der Betriebs-Klub, um jeweils per Kopfball (Tah und Chicharito) eine vermeintlich komfortable 2:0-Pausenführung erzielen zu können. Die sollte jedoch nicht für den Heimerfolg reichen. Nach der Pause kommen die Fohlen wie aufgedreht zurück aufs Feld. Zunächst jedoch lässt Hazard die große Chance zum Anschlusstreffer ungenutzt. Gladbach spielt jedoch offensiv — und wird belohnt. Kapitän Stindl kocht Tah ab, satter Schuss, drin, 1:2. Borussia bekommt die zweite Luft. Nächster Stindl-Streich. Flanke Wendt, Stindl köpft, 2:2. Doppelpack. Der VfL spielt sich nun in einen Rausch, Bayer ist angezählt. Ballverlust Leverkusen im Mittelfeld, Gladbachs Kramer spielt einen Steilpass auf Raffael, der Brasilianer setzt sich gegen Tah durch, vollstreckt, 3:2. Borussia hat das Spiel gedreht.

Dieter Hecking (Trainer Borussia Mönchengladbach): „Es war ein toller Auftritt der Mannschaft. Schon bis zum ersten Gegentreffer haben wir gut gespielt, die zwei Standard-Gegentore, die uns in der Form nicht passieren sollten, waren natürlich bitter. Wichtig war aber dann, wie wir auf die Tore reagiert haben. Die gute Chance von Thorgan Hazard unmittelbar nach dem Seitenwechsel war da ein wichtiges Signal. Da hat die Mannschaft gespürt, dass noch etwas gehen kann. Sie hat anschließend eine tolle Reaktion gezeigt und ist mit einer Art und Weise aufgetreten, auf der wir aufbauen können. Dieser Sieg, der am Ende verdient war, sollte der Mannschaft Vertrauen geben. Wichtig ist aber, dass wir uns darauf nicht ausruhen. Wir müssen weiter Gas geben. Nur so sind wir für die wichtigen Aufgaben in den kommenden Wochen gerüstet.“

Roger Schmidt (Trainer Bayer Leverkusen): „Borussia hat verdient gewonnen — und wir haben unseren Teil dazu beigetragen. Uns sind zu Beginn der Partie viele einfache Fehler unterlaufen. Dadurch haben wir sie zu einigen Kontergelegenheiten eingeladen. Durch zwei schöne Tore haben wir die Partie dann eigentlich in den Griff bekommen, bis zur Halbzeit haben wir es sehr gut gemacht. Daran wollten wir auch nach dem Seitenwechsel natürlich anknüpfen. Im zweiten Abschnitt haben wir aber dann wieder die Inkonsequenz gezeigt, die wir auch zu Beginn der Partie schon hatten. Wir haben wichtige Zweikämpfe verloren und die nötige Entschlossenheit vermissen lassen. Das hat Borussia sehr gut ausgenutzt, und dadurch sind sie auch zurück ins Spiel gekommen.“

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