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Gladbach-Profis wollen „Interimstrainer“ Schubert als Chef

Gladbach-Profis wollen „Interimstrainer“ Schubert als Chef

Berlin (dpa) - Beim ausgiebigen Feiern in der Westkurve des Berliner Olympiastadions fehlte der Gladbacher Rekordmann.

Während sein Personal mit den rund 8000 Borussen-Anhängern den sechsten Ligasieg in Serie bejubelte, musste André Schubert in den Katakomben der Arena immer wieder seine Rolle als erfolgreichster Übergangstrainer aller Zeiten kommentieren. „Jetzt kommt die Champions League, da bin ich noch dabei, denke ich“, scherzte Pulloverträger Schubert zu seiner eigenen Situation vor dem Duell gegen Juventus Turin am Dienstag.

„Wir sind alle Interimstrainer, ich habe nur keinen Vertrag“, antwortete Schubert blitzschnell auf die Frage, ob er sich nun nach seinem Rekord noch immer als Interimscoach der „Fohlen“ sehe. „Einzelne Leute spielen keine Rolle. Das ist ein Mannschaftssport, da gewinnt kein Einzelner“, ergänzte er später.

Die Fakten sprechen nach dem 4:1 bei Hertha weiter eindeutig für den 44-Jährigen mit dem markanten grünen Pullover, der inzwischen als das begehrtestes Kleidungsstück in der Anhängerschaft des fünfmaligen deutschen Meisters gilt. In nur 40 Tagen hat Fußball-Lehrer Schubert, der vor seinem Engagement in Mönchengladbach den SC Paderborn, den FC St. Pauli und die Schüler-Auswahl des DFB trainiert hatte, aus einer verunsicherten Borussia wieder ein Bundesliga-Spitzenteam geformt.

Schubert stellte nun auch den bisherigen Rekord des inzwischen verstorbenen Willi Entenmann ein, der 1986 mit dem VfB Stuttgart nach seinem Bundesliga-Einstand ebenfalls sechs Siege hintereinander gefeiert hatte. „Die Ergebnisse sind da. Alles andere können wir nicht beeinflussen“, sagte Granit Xhaka zu seinem Trainer. Der Kapitän hatte mit einem verwandelten Foulelfmeter zum 3:0 schon nach 54 Minuten die Hoffnungen der Hertha-Fans unter den 58 566 Zuschauern beerdigt, die weiße Heim-Weste zu behalten.

„Wir haben gegen eine Topmannschaft verloren“, betonte Hertha-Manager Michael Preetz, dessen Team am 11. Spieltag der deutschen Eliteliga ohne echte Siegchance geblieben war. Es war die erste Heimpleite der Saison, sogar die erste seit einem halben Jahr (auch gegen Gladbach). „Das war zu schnell für uns“, räumte Hertha-Coach Pal Dardai ein.

Der Schwede Oscar Wendt (26. Minute) und der Ex-Herthaner Raffael (28.) hatten zeitig die Gladbacher Dominanz zementiert. Havard Nordtveit (90.+1) setzte den Schlusspunkt. Das Elfmetertor von Alexander Baumjohann (82.) - sein erster Pflichtspieltreffer für die Hertha - war zwischendurch lediglich Ergebniskosmetik.

Mit 18 Punkten überholte Gladbach nicht nur in der Tabelle die zu fehlerhaften Hauptstädter (17), sondern steht auch erstmals nach dem kapitalen Fehlstart wieder auf einem Europacup-Rang. „Wir waren sehr konzentriert, Riesenkompliment an die Mannschaft“, betonte Schubert.

Die Profis gaben das Kompliment zurück. „Wir würden ihn gern behalten“, sagte Xhaka: „Wer sagt, es passt nicht, hat keine Ahnung vom Fußball.“ Max Eberl schürte nach dem siebenten Sieg im neunten Pflichtspiel unter Schubert die Aussicht, dass der Interimscoach nun bald auch offiziell der Nachfolger von Lucien Favre ist. „Wir sind auch nicht blind. Wir sind erfolgreich. Wir werden eine gute und ruhige Entscheidung treffen“, bemerkte Gladbachs Sportdirektor.

Schubert demonstrierte mit seinem Team gegen eine überforderte Hertha, dass neben der Spielkultur und dem Erfolg auch das Selbstbewusstsein für größere Aufgaben wieder zurück ist, obwohl die schweren Verletzungen von André Hahn und Tony Jantschke die Ausfallliste nochmals verlängert haben. „Wir haben keine Angst, ob auswärts oder zu Hause“, unterstrich Antreiber Xhaka vor der Partie am Dienstag in der europäischen Königsklasse gegen Juventus.