1. Sport
  2. Fußball
  3. Borussia Mönchengladbach

Champions League: Gladbach knackt den Jackpot

Champions League : Gladbach knackt den Jackpot

Erstmals mischt die Borussia im Millionenspiel Champions League mit. Manager Max Eberl kann den Kader weiter verbessern. Im Gespräch ist Kevin Volland.

Bremen. Es war Christoph Kramers vorletzter Auftritt im Dress von Borussia Mönchengladbach. Höchste Zeit also, nach dem 2:0-Sieg bei Werder Bremen und dem Einzug in die Champions League die schöne Gladbacher Fußball-Welt zu erklären. „Wir spielen hier seit Wochen tollen Fußball. Von außen mag das alles so leicht aussehen“, sagte der Weltmeister in den Katakomben des Weserstadions, „aber in dieser Mannschaft steckt auch enorm viel Leidenschaft und Herz. Sonst hätten wir das nicht geschafft.“

Kramers Miene verrät Stolz und Freude. Und ein bisschen Wehmut schwingt auch mit, denn Kramer muss nun nach Leverkusen zurück. Doch erst einmal freut er sich auf das letzte Spiel am Samstag gegen Augsburg, auf sein unbeschwertes Finale: „Dann brennt die Seele im Borussia Park.“

Was in fünf Tagen auf ihn und seine Mitspieler zukommen dürfte, kann man sich gut vorstellen. Einen Vorgeschmack gab es bereits nach dem Sieg beim SV Werder, dem ersten nach 28 Jahren. Beim Abpfiff hüpften die Borussen-Profis ausgelassen vor ihren rund 5000 Fans, deren Gesänge das Stadion erfüllten. Champions League, der Prestige-Wettbewerb mit klangvollen Namen des internationalen Fußballs — Borussia Mönchengladbach ist dabei. „Das ist sensationell. Darauf hat der Verein 37 Jahre warten müssen“, strahlte Sportdirektor Max Eberl und verteilte überschwängliches Lob. „Wir haben eine sehr gute Mannschaft und einen großartigen Trainer.“

Mit dem Strategen Eberl als Manager und dem Schweizer Taktik-Tüftler Lucien Favre als starke Instanz an der Linie ist der Traditionsverein innerhalb von gut vier Jahren in eine neue Dimension vorgestoßen. Die frühere Gladbacher Leitfigur Stefan Effenberg prophezeit sogar, dass sich Gladbach über Jahre im oberen Bereich der Bundesliga ansiedeln werde.

Erfolgstrainer Favre blieb in der Stunde des Erfolgs bescheiden. „Das ist ein Triumph des Kollektivs“, sagte Favre, „aber es ist verdient, wir haben sehr gut und geschickt gearbeitet und das zusammen erreicht.“ Dass der Spaß dabei nicht zu kurz kommt, das zeigten die Borussen auch in Bremen, wo die Mannschaft erneut mit großer Spielfreude und Leichtigkeit agierte, fast ständig im Angriff war und schließlich belohnt wurde. Aber bevor der Brasilianer Raffael mit seinen beiden Treffern zum Matchwinner wurde, musste Torwart Yann Sommer wenige Augenblicke nach der Pause einen Selke-Schuss mit einer fantastischen Parade entschärfen.

Apropos Sommer. Der Schweizer Nationaltorwart ist einer der zahlreichen Zugänge im Gladbacher Team, die in den beiden letzten Jahren kamen und auf Anhieb funktionierten. Am Samstag spielte er zum 15. Mal zu null. Noch ein Rekord in einer fast historischen Spielzeit. „Wir wollen auch am letzten Spieltag Spaß haben und Gas geben“, hat Favre gegen Augsburg ein offensives Finale angekündigt. „Sich mit einem Sieg in die Pause zu verabschieden, ist immer schöner.“

Und dann beginnt das Abenteuer Champions League, das den Gladbachern mindestens 20 Millionen Euro einbringen dürfte. Für Max Eberl kein Grund, den Pfad der wirtschaftlichen Solidität zu verlassen. „Wir werden keine verrückten Sachen machen. Transfers jenseits der 20-Millionen-Marke kommen für uns nicht in Frage. Auch unser Gehaltsgefüge werden wir nicht sprengen.“ Der Hoffenheimer Kevin Volland, für den die Gladbacher etwa 15 Millionen Euro berappen müssten, bleibt ein Thema im Borussia-Park.

Nach dem Weggang der Stammspieler Christoph Kramer (Leverkusen) und Max Kruse (VfL Wolfsburg) wird die Borussia kräftig aufrüsten. „Punktuell“, wie Eberl sagt. Der Manager hat alle drei Bereiche im Kopf: Abwehr, Mittelfeld, Angriff. In Lars Stindl hat er den besten Mittelfeldspieler von Hannover 96 schon für vergleichsweise günstige drei Millionen Euro geholt. Zudem wurde der bisher ausgeliehene Thorgan Hazard (acht Mio.) fest verpflichtet, so dass die Ablöse für Kruse von angeblich zwölf Millionen Euro fast schon aufgebraucht ist.