Borussia Mönchengladbach: Gladbach geht in München unter - Die Analyse zum Spiel

Borussia Mönchengladbach: Gladbach geht in München unter - Die Analyse zum Spiel

München. Am 30. Spieltag der Fußball-Bundesliga hat Borussia Mönchengladbach im Jubiläums-Klassiker beim deutschen Meister Bayern München eine herbe Pleite hinnehmen müssen. Die Fohlen gingen im 100. Liga-Vergleich beider Vereine mit 1:5 (1:2) unter.

Drmic hatte die Gäste vom Niederrhein zunächst noch früh in Führung gebracht, doch dann drehten die Münchner die Partie. Wagner per Doppelpack, Thiago, Alaba und Lewandowski sorgten für einen souveränen Bayern-Erfolg.

Der Wunsch vom Münchner Trainer Jupp Heynckes, sein letztes Duell gegen seine alte Liebe Borussia zu gewinnen, ging damit in Erfüllung. Für den VfL Borussia dürften sich damit alle Träume vom Erreichen des europäischen Wettbewerbes in dieser Saison endgültig erledigt haben.

Der Moment des Spiels: Gab es aus Gladbacher Sicht. Als Drmic in der neunten Minute Bayern-Verteidiger Süle austanzt und den Ball gewieft mit links ins lange Eck zirkelt zum 1:0. Und als Tobias Strobl nach monatelanger Leidenszeit wegen eines Kreuzbandrisses im Knie in seiner Heimatstadt erstmals in dieser Saison während der Schlussphase zum Einsatz kommt.

Der Spieler des Spiels: Der heißt Sandro Wagner — Bayerns Mittelstürmer zeigt als Lewandowski-Vertreter Vollstrecker-Qualitäten, dreht per Doppelpack den frühen Rückstand und ballert die Bayern so noch vor der Halbzeit auf die Siegerstraße. An Selbstvertrauen mangelt es dem Nationalspieler auch nicht. „Ich gehe davon aus, dass ich bei der WM im Sommer dabei bin.“

Der Aufreger des Spiels: In der Münchener Arena kochten nach dem Schlusspfiff noch die Emotionen hoch. Nicht wegen Gegner Gladbach, sondern wegen der Ätz-Reaktion („unprofessionell und respektlos“) von Frankfurt-Manager Bobic darauf, dass die Bayern Nico Kovac der Eintracht als neuen Bayern-Trainer abgejagt haben. FCB-Präsident Uli Hoeneß: „Unverschämt von Bobic. Wir sind professionell gewesen, weil wir eine Lücke im Vertrag von Kovac genutzt haben, die Bobic zu verantworten hat.“

Chronik des Spiels: Borussia beginnt zunächst munter, die Bayern agieren behäbig. Das rächt sich. Gleich die erste Chance der Gäste vom Niederrhein nutzt Drmic. Der Stürmer tanzt im Strafraum Süle aus und vollendet zum 1:0. Aber: Die Bayern schalten sofort drei Gänge höher — und überrennen im Anschluss erschreckend hilflose Fohlen. Bayerns Lewandowski-Vertreter Wagner dreht auf, der Nationalspieler knipst per Doppelpack ein 2:1 zur Pause heraus. Im Anschluss übernehmen die Kollegen das Toreschießen. Thiago trifft zum 3:1. James scheitert am Pfosten. Alaba trifft mit rechts (!) zum 4:1. Der eingewechselte Lewandowski darf auch noch mal, 5:1. Dann ist Schluss, Gladbach ist in alle Einzelteile zerlegt worden.

Die Trainer-Stimmen: Dieter Hecking (Borussia Mönchengladbach): „Man kann in München verlieren, aber mit der zweiten Halbzeit bin ich nicht einverstanden. Wie meine Mannschaft nach dem 1:3 aufgetreten ist, ist so nicht zu akzeptieren. Wir haben nach diesem Gegentreffer sehr schlecht verteidigt und die Bayern spielen lassen. Sie konnten dann die Spielfreude entwickeln, die wir ihnen eigentlich nehmen wollten. Da hätten wir viel mehr Gegenwehr entwickeln müssen. Das war einfach zu wenig, und darüber wird auch noch zu reden sein.“

Jupp Heynckes (Bayern München): „Wir haben etwas Anlaufzeit benötigt und erst nach dem 0:1 zu unserem Spiel gefunden. Nach etwa 20 Minuten haben wir peu à peu das Zepter übernommen und sind folgerichtig noch vor dem Pausenpfiff zu zwei Toren gekommen. Nach dem Seitenwechsel haben wir dann einen sehr souveränen Auftritt hingelegt. Da waren wunderbare Ballstafetten dabei — das war spielerisch teilweise überragend. Besonders erfreulich ist für mich, dass auch die Spieler, die zuletzt nicht so viel Einsätze hatten, eine sehr gute Leistung gezeigt haben. Wie die Mannschaft trotz sieben Wechseln im Vergleich zum Champions League-Spiel am vergangenen Mittwoch aufgetreten ist, stellt mich sehr zufrieden.“

Mehr von Westdeutsche Zeitung