Borussia Mönchengladbach: Gladbach gegen Schalke - Das Spiel in der Analyse

Borussia Mönchengladbach : Gladbach gegen Schalke - Das Spiel in der Analyse

Mönchengladbach. Spektakel, rassiger Kampf, unterhaltsamer Fußball — in der Bundesliga haben sich Borussia Mönchengladbach und Schalke 04 am 15. Spieltag einen offenen Schlagabtausch geliefert. Endergebnis: 1:1 (1:0).

Kramer hatte die Fohlen Elf zunächst in Führung gebracht, ehe Vestergaard per Eigentor die Gäste aus Gelsenkirchen jubeln ließ. In der Tabelle halten damit beide Klubs den Kurs Europapokal. Überschattet wurde die kurzweilige Partie allerdings durch erneute Diskussionen um den Videobeweis. Der hatte in Gladbach unnötigerweise dafür gesorgt, dass die Partie nicht bereits vorzeitig zu Gunsten der Borussia entschieden schien.

Der Moment des Spiels:
Der eignet sich wenige Augenblicke vor dem Anpfiff der Partie. Als alle Gladbacher Profis den neu verlegten Rasen im Borussia-Park in weißen Trikots mit Doucoure-Aufdruck betreten. Hintergrund: Borussias junger Franzose Mamadou Doucoure, Abwehr-Talent, hatte sich unter der Woche erneut eine schwere Muskel-Verletzung im Training zugezogen (WZ.de berichtete). Der Verteidiger, der seit seinem Wechsel aus Paris wegen mehrerer Muskelverletzungen noch kein Spiel für Borussia bestritten hat, bekommt so einen Mutmacher aus den eigenen Reihen. Starke Geste von den Teamkollegen.
Der Spieler des Spiels: Der heißt aus Gladbacher Sicht Christoph Kramer. Der Mittelfeldspieler kehrt nach einer Schädelprellung-Pause zurück in die Startformation der Borussia — und trifft erstmals seit rund drei Jahren, seit dem 17. Dezember 2014, wieder in der Bundesliga. Kramer sagt später: „Das fühlt sich ungewohnt gut an.“

Der Aufreger des Spiels:
Dieser ereignet sich beim Stand vom 1:0 für die Borussia. Es läuft die 41. Minute, als Naldo eindeutig Borussias Stindl im Strafraum foult. Der Unparteiische Sascha Stegemann entscheidet auf Strafstoß, zeigt Naldo Gelb, Borussias Hazard steht schon zur Ausführung bereit — doch er darf nicht schießen. Der Videoassistent hat sich zu Wort gemeldet. Die Sekunden verstreichen, plötzlich gibt es statt Foulelfmeter Freistoß für Schalke. Weil Wendt eine gefühlte Ewigkeit zuvor Schalkes Caligiuri gefoult haben soll. Die Gladbacher toben entsetzt, die Fans aus beiden (!) Lagern singen lautstark Richtung DFB-Zentrale in Frankfurt „Ihr macht unseren Sport kaputt!“ Der Videoassistent hat, da gibt es wohl keine zwei Meinungen, bei einer Situation eingegriffen, bei der er es hätte gar nicht tun sollen oder dürfen. So genau weiß das ja offenkundig aktuell niemand zu sagen angesichts der arbiträren Regelauslegung seitens der Schiedsrichter. Fakt ist: Die strittige Situation hatte Stegemann zuvor bereits aus bester Sichtposition in Echtgeschwindigkeit mit „Weiterspielen“ bewertet. Das große Fragezeichen: Warum mischt sich der Video-Assistent ohne Not in diesem Fall überhaupt ein? Denn es hat keine glasklare Fehlentscheidung vorgelegen.
Dieser offenkundige Fauxpas der Regelhüter hat dazu geführt, dass in der Konsequenz die Partie eine andere Wendung genommen hat. Ob das noch im Sinne des Videobeweis-Befürworter-Credos „Fußball soll gerechter werden“ ist?

Chronik des Spiels:

In Durchgang eins ist Borussia von Beginn die bessere Mannschaft, spielt Schalke zeitweise mit Hochgeschwindigkeits-Angriffen schwindelig. Die Führung zum 1:0 durch Kramer nach Vorarbeit von Ginter ist hochverdient. Allerdings hat Borussia auch Dusel, dass Ginter per Kopfball-Rettung den Ausgleich durch Kehrer verhindert. Und Pech, dass Grifo freistehend den Ball nur an die Latte nagelt — dazu der anschließende Abstauber-Treffer von Stindl wegen einer Abseitsstellung nicht anerkannt wird. Dann kommt der Aufreger um den Video-Assistenten und der falschen Rücknahme des Strafstoßes gegen Schalke. Was nicht ohne Folgen bleibt. Borussia hat daran zu arbeiten, Schalke kommt nach der Pause viel besser in die Partie hinein, erarbeitet sich Chancen. Allerdings fehlt die Durchschlagskraft im Abschluss. Da braucht es Hilfe von den Fohlen. Schalke kontert über Caligiuri, dessen scharfe Hereingabe will Vestergaard klären („Ich hatte das Gefühl, dass ich da hinmusste, tut mir leid für die Mannschaft“) und lenkt den Ball ins eigene Tor. 1:1, Schalke jubelt, Gladbach bedient, weil die Fohlen es zuvor verpasst haben, schon alles klar zu machen. Kurz vor Ende der Partie hat sogar noch Burgstaller die Chance, Königsblau zum Sieg zu schießen, scheitert jedoch an Keeper Sommer. Dann ist Schluss. Borussia und Schalke mischen weiter munter um das Ticket zur Königsklasse mit.

Stimmen zum Spiel.

„Wir haben sehr gut ins Spiel reingefunden. Schalke hat keinen Zugriff auf uns bekommen, und wir haben einige sehr gute Angriffe fahren können, die wir aber in der Mehrzahl leider nicht bis zum finalen Torschuss durchgezogen haben. Wir sind dann in Führung gegangen und hatten ein paar Situationen, in denen wir auf 2:0 hätten stellen müssen. Es war klar, dass Schalke dann in der zweiten Halbzeit mehr tut, um einen Punkt mitzunehmen. Das Eigentor war dann natürlich vermeidbar. Danach war es dann aber ein offenes Spiel. Unter dem Strich habe ich ein gutes Spiel gesehen, das am Ende gerecht 1:1 ausgegangen ist.“

„Wir hatten in der Anfangsphase ein paar Schwierigkeiten. Uns fehlte der Zugriff auf das Spiel und den Gegner. Wir haben dann aber umgestellt und die Jungs sind in ihre gewohnten Abläufe gekommen. Wir hatten einen stabilen Ballbesitz und haben uns dadurch einige Torchancen erspielen können. Es war aber schwierig für uns Konter zu fahren, weil Gladbach zu Hause kompakt stand und schnell umgeschaltet hat. Die Qualität der Gladbacher Spieler ist sehr hoch. Wir freuen uns, gegen so eine gute Mannschaft bestanden zu haben. Das 1:1 ist am Ende ein gutes Ergebnis, mit dem wir zufrieden nach Hause fahren können.“

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