Borussia Mönchengladbach: Gladbach gegen Köln - das Derby der Extreme

Borussia Mönchengladbach: Gladbach gegen Köln - das Derby der Extreme

Fan-Protest, Stimmungsverweigerung, dazu neuer Druck auf Trainer Schubert — gegen Köln geht es um viel für Borussia Mönchengladbach.

Mönchengladbach. Es war ein Moment, der Emotionen freisetzte. Am 14. Februar 2015 um 17.20 Uhr war Granit Xhaka nach seinem Siegtor gegen den 1. FC Köln und anschließendem 80-Meter-Sprint über den Platz obenauf. „Es war mein erster und bisher einziger Sieg gegen Köln. Dabei soll es nicht bleiben“, sagt Xhaka.

Viele Gelegenheiten für Derbysiege wird es unter Umständen für den Schweizer nicht mehr geben. Auch am Donnerstag betonte er gegenüber dem Bezahlsender Sky, dass es sein Kindheitstraum sei, einmal in der englischen Premier League zu spielen. Nicht wenige rechnen damit, dass Xhaka schon in diesem Sommer diesen Traum verwirklicht.

Sei es drum: Fast auf den Tag genau ein Jahr nach Xhakas Treffer geht der Kapitän wieder mit viel Selbstbewusstsein in das Spiel am Samstag gegen den FC (15.30 Uhr). „Gegen Köln ist man immer noch motivierter als in einem normalen Spiel“, sagt Xhaka Es ist das 84. Bundesliga-Duell seit der Ouvertüre am 20. November 1965 am Bökelberg, als Netzer, Heynckes, Vogts und Kollegen dem FC mit 2:3 unterlagen. Eine Niederlage, die der Trainerlegende Hennes Weisweiler schon damals bitter aufstieß, denn die Rivalität zwischen beiden Vereinen — aus alten Oberliga-West-Zeiten herrührend — begann stetig zu wachsen.

Am Samstag wird sie nicht auf dem Höhepunkt sein, zumindest nicht in Sachen Stimmung: Rund 1000 Kölner Anhänger wollen vor dem Spiel in Mönchengladbach-Rheydt mit einem Protestmarsch gegen die Personalisierung und Kontingentierung der Eintrittskarten demonstrieren. Die Gladbacher Anhänger sind solidarisch. Auch, weil sie im Hinspiel von jenen Maßnahmen betroffen und dem Derby in Köln zu großen Teilen fern geblieben waren: Die Borussia-Ultras wollen am Samstag auf die übliche Derby-Choreographie im Stadion verzichten.

Auslöser all dieser Aktionen waren die Ausschreitungen beim letzten Derby in jenem Februar 2015 in Gladbach, als Kölner Anhänger den Platz stürmten. Bestraft wurden danach beide Clubs.

Die Ansagen aus den Fan-Lagern gehen an Gladbachs Trainer André Schubert derweil weitgehend vorbei. „Ich gehe davon aus, dass die Hütte brennt. Alles andere wäre seltsam“, sagte Schubert am Donnerstag, als er über seine Derby-Premiere sprach. „Das Derby war immer von Leidenschaft und Emotionen geprägt. Ich freue mich riesig darauf.“ Der 44-Jährige hatte nach dem Hinspiel und einer Gladbacher 0:1-Niederlage quasi über Nacht das Amt des zurückgetretenen Lucien Favre übernommen.

Am Samstag hat Schubert sein 17. Bundesliga-Spiel vor der Brust. Seine Bilanz: zehn Siege, zwei Remis, vier Niederlagen, 32 Punkte. Das sind keine schlechten Zahlen, trotzdem lernt der Trainer in diesen Tagen die rauen Seiten des Geschäfts kennen. „Ganz klar, wir haben uns den Rückrunden-Start ergebnistechnisch auch anders vorgestellt. Drei Punkte sind zu wenig“, sagte Schubert am Donnerstag.

Von atmosphärischen Störungen ist die Rede am Borussia-Park. Vor allem die Ausrutscher in Mainz und jüngst beim HSV trafen ins Mark. Eine neue Anfälligkeit in der Defensive, ein gewisses Phlegma, mangelnde Feinabstimmung — all das beschäftigt die Gemüter, der Absturz auf Rang sieben tut sein Übriges. Schubert hofft auf Umkehr, ausgerechnet im Derby. „Wir müssen zur Konsequenz und höchsten Konzentration zurückkehren und die nötige Schärfe in den Zweikämpfen an den Tag legen“, sagt er. Dann lässt sich von besonderen Momenten träumen. Wie von jenem am 14. Februar 2015.

Mehr von Westdeutsche Zeitung