Gladbach gegen Fortuna - Randale, Pyros und Elfmeter-Ärger

Niederrhein-Derby : Gladbach gegen Fortuna - Randale, Pyros und Elfmeter-Ärger

Ein Angriff auf einen Bus, Pyros im Block und Gepolter im Kabinentrakt - das niederrheinische Derby zwischen Gladbach und Düsseldorf hatte Feuer. Und wird wohl Folgen haben.

Während die einen noch vor ihrer Fan-Kurve feierten, polterten die anderen bereits im Kabinentrakt herum. Auslöser war der umstrittene Strafstoß, der dem Niederrhein-Duell zwischen Borussia Mönchengladbach und Fortuna Düsseldorf kurz nach der Pause die entscheidende Richtung gab. Düsseldorfs Verteidiger Ayhan wurde der Ball von Raffael aus kurzer Distanz an den Arm geschossen, Schiedsrichter Brych zeigte auf den Punkt. Sehr hart, aber nicht zweifelsfrei falsch und daher auch kein Fall für den Video-Beweis. Hazard verwandelte (48.), am Ende hatte die Borussia mit 3:0 (0:0) gewonnen.

“Diese Entscheidung bringt uns um den Lohn. Wir hätten das Spiel noch lange offen halten können“, sagte Linksverteidiger Niko Gießelmann. Ob dies jedoch zu etwas Zählbarem geführt hätte, darf bezweifelt werden. Zwar bot das Team von Trainer Friedhelm Funkel einen mutigen Auftritt, nahm geschickt das Tempo aus dem Spiel und ging entschlossen in die Zweikämpfe. Harmlosigkeit im Abschluss sowie Patzer in der Defensive aber konnten erneut nicht abgestellt werden. „Ich glaube, wir hätten auch ohne Elfmeter gewonnen“, sagte Gladbachs Trainer Dieter Hecking an diesem November-Sonntag.

Gladbacher Fans greifen Bus an, Pyros im Fortuna-Block

„Immer wieder Sonntags“: Der 70er-Jahre-Schlager von Cindy und Bert sorgt bei den Fans von Borussia Mönchengladbach für Verdruss. Achtmal tritt ihr Team in der Hinrunde zu Hause an, nicht ein Spiel davon findet samstags, ab 15.30 Uhr, statt. Zwei Partien begannen um 18.30 Uhr, zwei werden unter der Woche ausgetragen und gleich vier sonntags angepfiffen - dreimal sogar erst um 18 Uhr. „Ich kann den Spielplan verstehen. Die DFL möchte den in der Champions League vertretenen Clubs mehr Zeit einräumen. Ich hoffe aber schon, dass wir in der Rückrunde anders bedacht werden“, sagte Manager Max Eberl.

Die Polizei bekam es diesmal mit einer Extra-Tour einer Düsseldorfer Fan-Gruppe zu tun. Diese war nicht wie gebeten in Rheydt aus dem Zug gestiegen, sondern schon am Hauptbahnhof Mönchengladbach. Die Polizei trennte die rund 300 Personen von anderen Gruppen und brachte sie im Bus-Convoy zu ihren Blöcken im Borussia Park. Diesen Convoy versuchten unterwegs Gladbacher Anhänger anzugreifen, mindestens ein Bus wurde demoliert.

Im Stadion setzte sich die Unruhe fort: Mehrfach brannten Pyros im Düsseldorfer Block. Ärgerlich für die Fortuna, die nun einmal mehr mit einer Geldstrafe belegt werden wird. Geld, das sie im Januar gut für einen weiteren Angreifer gebrauchen könnte. Vereinsboss Robert Schäfer tobte dann auch in den Katakomben. „Im Hinblick auf den Winter schadet uns das. Sollten wir die Täter ermitteln, werden wir volle Konsequenz zeigen. Das sind Selbstdarsteller, die den Fußball missbrauchen. Wir werden sie nicht länger tolerieren.“

Auf dem Rasen herrschte in der ersten Halbzeit weit weniger Dampf. Gladbach wollte die Niederlage in Freiburg sowie das Pokal-Aus gegen Leverkusen korrigieren, tat sich mit der disziplinierten Defensive des Aufsteigers aber schwer. „Uns war klar, dass Fortuna ein gutes Derby abliefern will. Wir mussten auf der Hut sein und ein dickes Brett bohren. Meine Mannschaft ist jedoch inzwischen in der Lage, auch solch komplizierte Gegner zu bespielen“, sagte Hecking. Hofmann (67.) und Hazard (82.) führten die Borussia schließlich auf Platz zwei.

Fortuna-Trainer Funkel: Wir verteilen zu viele Geschenke

„Es macht Spaß, in solchen Tabellen-Regionen zu stehen“, sagte Max Eberl, während Dieter Hecking die Momentaufnahme noch etwas distanziert betrachtet. „Wir stehen vielleicht etwas besser da als erwartet. Aber diese Position zu bestätigen, ist natürlich eine schöne Herausforderung.“ Zwei Punkte hat die Fohlenelf bisher im Schnitt geholt, das würde am Ende der Saison hochgerechnet über 60 und damit die Qualifikation für einen Europapokal-Wettbewerb bedeuten. „Bis dahin liegt noch ein langer Weg vor uns“, sagte Mittelfeldspieler Florian Neuhaus.

Der liegt auch vor der Fortuna, allerdings geht es bei ihr um ganz andere Sphären. Nichts als der Klassenerhalt kann das Ziel sein, dafür aber scheinen die Defizite doch sehr groß. Anders als die Spieler wollten Trainer und Vereins-Boss dann auch den strittigen Strafstoß nicht als die Wurzel der Niederlage sehen. „Der Elfmeter war ein Witz, aber wir haben auch Fehler gemacht, die die Bundesliga nicht verzeiht“, sagte Robert Schäfer. Friedhelm Funkel meinte: „Wir verteilen zu viele Geschenke und vorne spielen wir die Chancen schlecht aus. So ist es schwer, Spiele zu gewinnen.“

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