Gladbach: „Fußball-Gott“ Tony Jantschke hat wieder der Ehrgeiz gepackt

Borussia Mönchengladbach : „Fußball-Gott“ Tony Jantschke hat wieder der Ehrgeiz gepackt

Tony Jantschke, mittlerweile ein Urgestein bei Borussia Mönchengladbach, fühlt sich derzeit fit wie lange nicht – und hofft in Dortmund auf seinen nächsten Einsatz.

Das Ritual wenige Minuten vor dem Anpfiff gehört zum Bundesliga-Alltag im Borussia-Park dazu. Verkündet Stadionsprecher Torsten Knippertz die Mannschafts-Aufstellung, folgt, wie jüngst beim 5:1 gegen Augsburg, gleich hinter dem „Tony“ ein vielstimmiges, unüberhörbares „Jantschke Fußball-Gott!“. Der 29-jährige Profi der Gladbacher weiß die Sympathie-Bekundungen bei aller Bescheidenheit sehr zu schätzen. „Die Leute wissen, dass ich da bin, wenn ich gebraucht werde und immer alles gebe“, sagt Jantschke im Gespräch mit unserer Zeitung.

In letzter Zeit ertönte das „Göttliche“ aus der Kurve allerdings nicht mehr ganz so oft. „Ich weiß, die Einsätze sind weniger geworden. Das hängt sicher zum einen mit zahlreichen Verletzungen zusammen, mit denen ich immer wieder zu kämpfen hatte; darüber hinaus darf man aber auch nicht vergessen, dass sich ein Kader immer wieder verändert, angepasst und verstärkt wird“, betont Jantschke. Die Konkurrenz sei enorm, „aber das ist nun einmal der Lauf der Dinge. Damit muss ich als Profi umgehen können. Meine Spiele kriege ich ja trotzdem.“

Am kommenden Samstag, wenn der fast sensationelle Tabellenführer vom linken Niederrhein bei der auf Rang acht dümpelnden Namenscousine aus Dortmund zu Gast ist und seine Spitzenposition mit Haut und Haaren verteidigen will, bekommt Jantschke mutmaßlich die nächste Chance auf einen Platz im Eliteteam des VfL. Schließlich müssen die Gladbacher auf ihren etatmäßigen Innenverteidiger Matthias Ginter verzichten, der sich die Schulter ausgerenkt hat. Auch der Einsatz von Stefan Lainer (Außenbandriss) auf der rechten Seite im Defensiv-Verbund ist noch offen. Zwei Positionen also, die für den gebürtigen Sachsen in Frage kämen.

Auf 211 Bundesligaspiele hat es „Tony“ bis dato gebracht. Das ist eine starke Marke. In seiner besten Phase zwischen 2011 und 2015 spielte er nahezu konstant durch, kam in vier Spielzeiten auf 125 Berufungen. In dieser Saison, seiner zwölften im Borussia-Park, sind bisher vier Partien hinzugekommen, in der Jantschke bewiesen hat, dass sich Cheftrainer Marco Rose jederzeit auf ihn verlassen kann. Jantschke wirkt quirliger denn je, ist einsatzfreudig und kampfstark wie immer. Ja, in einem Punkt kann er den beiden Gesetzten in der Innenverteidigung, Ginter und Nico Elvedi, sogar was vormachen. Denn keiner verbeißt sich so in einen Zweikampf wie Tony Jantschke.

Dessen Strategie, den gegnerischen Spieler nicht erst kommen zu lassen, sondern ihn entweder vor oder bei seiner Ballannahme entscheidend zu attackieren und irritieren, ist eine Art Spezialität des Defensiv-Experten, die auch Trainer Marco Rose zu schätzen weiß: „Tony macht das richtig gut. Er ist für uns ein wichtiger Mann.“ Jantschke fühlt sich körperlich und mental so gut wie lange nicht, bleibt aber bescheiden. „Ich bin in ansprechender Form“, sagt er eher vorsichtig, „aber ob der Trainer mich am Samstag aufstellt, ist eine ganz andere Sache.“ Denn da ist ja auch noch Youngster Jordan Beyer. Andererseits hat sich Jantschke mit seinem starken Auftritt beim 5:1 gegen Augsburg per se empfohlen“

Nach viertägiger schöpferischer Pause hat Cheftrainer Marco Rose das Großteil seiner Schützlinge ab Dienstag (Training ist ab 16 Uhr) wieder um sich herum versammelt. Bis auf die vier Schweizer, die am Abend noch ein wichtiges Länderspiel haben, ist der Kader wieder komplett. Am Mittwoch kehren dann auch Yann Sommer, Nico Elvedi, Bree Embolo und Denis Zakaria zurück. Auf Borussia Mönchengladbach warten in den kommenden drei Wochen sieben Spiele (Liga, Europa League, DFB-Pokal), in denen von allen Profis ein Höchstmaß an Energie und Engagement erwartet wird.

Jantschke hat noch nie beim BVB gewonnen

Mit dem „Rose-System“ hat sich Tony Jantschke mittlerweile gut angefreundet: „Es ist schneller geworden, unser Spiel, intensiver, gradliniger. Wir stehen auch höher und entwickeln grundsätzlich mehr Dynamik. Mir gefällt das. Und trotzdem: Fußball ist Fußball. Am Ende zählt das Ergebnis.“

In Dortmund hat Tony Jantschke noch nie gewonnen. Was ja bei der Fohlenelf ohnehin eher selten vorkommt. In den vergangenen 30 Jahren war das viermal der Fall, zuletzt am 15. März 2014. Da hieß es nach Toren von Raffael und Max Kruse bei einem Gegentreffer des Dortmunders Milos Jojic 2:1 für die Borussia vom Niederrhein. Trainer in Gladbach war Lucien Favre. „Fußball-Gott“ Jantschke stand wegen einer Fußprellung nicht zur Verfügung. „Schade, dass ich damals nicht dabei sein konnte“, sagt das Gladbacher Urgestein und stößt einen tiefen Seufzer aus. Vielleicht gibt es ja für ihn am Samstag die nächste Chance.

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