Flügelstürmer Das macht Honorat zum Hoffnungsträger bei Borussia Mönchengladbach

Rottach-Egern · Gladbachs französischer Zugang besitzt viele Qualitäten. Zudem identifiziert er sich mit Verein und Liga.

 Musste länger für Brest spielen als er wollte: Franck Honorat (Archiv).

Musste länger für Brest spielen als er wollte: Franck Honorat (Archiv).

Foto: dpa/Matthieu Mirville

Mit über 35 km/h ist Franck Honorat einer der schnellsten Spieler der französischen Ligue1 gewesen, bei Borussia Mönchengladbach aber kam der Rechtsaußen mit einem Jahr Verspätung an. Nein - Honorat ist nicht mit der Deutschen Bahn gereist, sein Arbeitgeber Stade Brest hatte ihm im Sommer 2022 schlichtweg die Freigabe verweigert. Der Verein aus der Bretagne fürchtete ohne einen seiner Leistungsträger den Abstieg. Wohl nicht zu Unrecht - wer weiß, ob es ohne die elf Torbeteiligungen (sechs Treffer sowie fünf Vorlagen) des flinken Angreifers am Ende zu den neun Punkten Vorsprung auf den von AJ Auxerre belegten ersten Abstiegsplatz gereicht hätte.

Schließlich war Honorat damit an jedem vierten Treffer der Bretonen direkt beteiligt, eine Saison zuvor standen für ihn sogar elf Treffer und sechs Tor-Vorlagen zu Buche. Dass die Erfolgsquote sank, lag weniger am Flügelstürmer als vielmehr an der eher destruktiven Herangehensweise seines Trainers Eric Roy. „Im Kampf gegen den Abstieg haben wir bei Stade Brest sehr defensiv agiert", sagte Honorat in einem kurzen Medien-Gespräch im Gartenpavillon des Mannschaftshotels in Rottach-Egern am Tegernsee. Noch benötigt er dafür einen Dolmetscher, doch die deutsche Sprache möchte er ebenso zügig erlernen wie die Spielweise seiner neuen Mannschaft adaptieren.

„Mein erstes Ziel ist es, bei der Borussia und in der Bundesliga anzukommen. Anders als in Brest wird hier deutlich offensiver gespielt. Ich muss alles kennenlernen sowie genau verstehen, was der Trainer von mir persönlich und von uns als Mannschaft verlangt. Zudem möchte ich meine Mitspieler und ihre Qualitäten so gut wie möglich kennenlernen, um so im Kollektiv guten Fußball spielen zu können", erklärte der 26-Jährige.

Honorats Stärken sind sein Tempo, die Fähigkeit mit einem guten Auge Anspielpartner zum Kreieren von Chancen zu finden sowie ein guter Abschluss. „Seine Gegenspieler erwischt er nicht selten auf dem falschen Fuß“, meint Ronan Caroff, der beim Internet-Portal "transfermarkt.de" für Frankreich zuständig ist. Borussias Sport-Geschäftsführer Roland Virkus führte überdies aus: „Franck ist ein Spieler, der auf beiden offensiven Außenbahnen zum Einsatz kommen kann und sich auch für Defensiv-Aufgaben nicht zu schade ist. Wir verfolgen seinen Weg schon länger und freuen uns, dass er trotz anderer Angebote unbedingt zu uns kommen wollte.“

„Ich glaube, mit meiner Art von Fußball sowie meiner Mentalität gut nach Deutschland zu passen"

Nach dem erfolglosen Versuch im vergangenen Sommer passte es jetzt zwischen den "Fohlen" und dem Mann aus Toulon an der Cote d'Azur. Das Gesamtvolumen des Transfers beläuft sich auf zehn Millionen Euro, welche sich aus der Sockel-Ablöse von acht Millionen sowie Boni über zwei Millionen zusammensetzen. Für den Fall eines Weiterverkaufes würde Stade Brest zudem mit 15 Prozent beteiligt. Zunächst aber hat Honorat erstmal bis 2028 unterschrieben, auch weil er die Bundesliga schätzt. „Ich verfolge die Bundesliga schon seit mindestens drei Jahren sehr genau. Zudem hat in Josuha Guilavogui einer meiner besten Freunde neun Saisons für den VfL Wolfsburg absolviert und mir ebenso nur positive Dinge über die Bundesliga zu Ohren gebracht. Ich glaube, dass sowohl meine Art Fußball zu spielen als auch meine Mentalität gut nach Deutschland passen. Deshalb bin ich sehr froh, dass es jetzt mit meinem Wechsel zur Borussia endlich geklappt hat", führte Honorat am Tegernsee aus.

Auf dem rechten Flügel fühlt sich der Süd-Franzose am wohlsten, weil er seine Mitspieler von dort nach eigener Aussage am besten mit Pässen und Flanken in Szene setzen kann. Gegen Ingolstadt musste er im ungewohnten 3-4-2-1-System allerdings auch nach hinten arbeiten. „Als alleiniger Außenbahnspieler habe ich mich in Clermont und bei der AS St. Etienne zu Beginn etwas schwergetan. Mir war anfangs nicht klar, dass auf dieser Position viel Defensivarbeit verrichtet werden muss", sagte Honorat mit einem Lachen und fuhr fort: „In diesem System gilt es besonders, seine Kräfte anders einzuteilen. Man muss für die Arbeit nach hinten eine Menge Energie einsetzen, die beim Umschalten auf Offensive dann aber nicht fehlen darf. Das konnte ich jedoch schnell lernen. Inzwischen habe ich keine Schwierigkeiten mehr, auch viel gegen den Ball zu arbeiten." Es scheint, als wäre der Borussia mit Franck Honorat sportlich wie charakterlich ein guter Griff gelungen.

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