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Borussia Mönchengladbach: Gibt Kramer Gladbach bald neuen Halt?

Borussia Mönchengladbach : Gibt Kramer Gladbach bald neuen Halt?

Die Borussia plant offenbar die Rückkehr des Weltmeisters. Einige junge Spieler sollen noch kommen. Eberl will Christensen binden — wenn die Champions League Geld hergibt.

Mönchengladbach. Max Eberl bastelt. Aus seinem Büro im Borussia-Park ordnet der Sportdirektor derzeit das Fohlen-Gefüge beim Fußball-Bundesligisten Borussia Mönchengladbach abseits des täglichen Fußball-Wahnsinns neu. Und könnte als Ergebnis dieser Bastelarbeiten schon bald einen aus dem Hut zaubern, der am Borussia-Park ein guter alter Bekannter ist: Christoph Kramer von Bayer 04 Leverkusen soll nach Informationen dieser Zeitung auf dem Zettel Eberls ganz oben stehen, eine Rückkehr längst eingefädelt sein.

Eberl spricht nicht viel darüber, sagt aber immerhin: „Christoph hat sich hier sehr wohlgefühlt. Und vielleicht ist er in Leverkusen auch schlechter bewertet worden, als er war. Die sind Dritter der Bundesliga geworden, und Chris hat 40 Spiele gemacht.“

Klar ist, dass Eberl einen Ersatz für Granit Xhaka im Zentrum der ersten Elf an der Seite des erst 20 Jahre alten Mahmoud Dahoud braucht. Und zwar einen erfahrenen, der einer Mannschaft, die Führungsspieler wie Martin Stranzl, Havard Nordtveit, Roel Brouwers und Granit Xhaka verliert, neuen Halt geben kann. Der nebenbei auch zum spielerisch starken und offensiveren Dahoud passt. Anders als der zuletzt öffentlich gehandelte Sebastian Rode vom FC Bayern, der jetzt zu Borussia Dortmund wechseln soll — und der Spielart Dahouds ohnehin zu nahe gekommen wäre.

Dass Bayer 04 Leverkusen als Kramers Arbeitgeber den Solinger offiziell ganz gerne behalten würde, ist klar. Aber eben nicht um jeden Preis. Die Pokerrunde ist eröffnet. Leverkusen darf auf einen laufenden Vertrag Kramers bis 2019 verweisen und weiß, dass Borussia Mönchengladbach gerade rund 45 Millionen Euro für den Wechsel von Granit Xhaka zum FC Arsenal London eingenommen hat.

Aber auch dazu hat Eberl eine klare Meinung: „Es werden jetzt andere Summen aufgerufen, aber es ist ja nicht so, dass uns das Geld geschenkt wurde“, sagt Eberl dieser Zeitung. „Wir sind auch Risiko gegangen, wir haben investiert, Granit war nicht von Anfang an fantastisch, das Geld haben wir uns zusammen auf dem Weg hart erarbeitet. Und deswegen wird es jetzt sicher nicht mit dem Füllhorn verschenkt.“

Dass der Xhaka-Wechsel für alle Beteiligten positiv verlaufen ist, daran lässt Eberl im Rückblick keinen Zweifel. Der Schweizer Nationalspieler soll im Gladbacher Stadion auch noch verabschiedet werden. „Wir haben ein großartiges Verhältnis gehabt, alles war sehr offen. Granit soll bei uns im Stadion seinen persönlichen Abschied bekommen“, sagt Eberl. „Dann vielleicht vor einem Champions-League-Playoff — wenn er denn dann aus London für einen Abend raus darf“, sagt Eberl lachend.

Derweil werden die Xhaka-Millionen auch nicht an den FC Chelsea aus der Premier League verschenkt, der mit Gladbachs Leihspieler Andreas Christensen einen Vertrag bis 2020 hat. 20 Millionen Euro — so war zu lesen - wolle Eberl für Christensen zahlen, um ihn komplett nach Gladbach zu lotsen. Eberl dementiert das aber: „20 Millionen Euro sind für Gladbach nicht vorstellbar. Wenn wir Geld überhaben, etwa durch die Teilnahme an der Champions League, dann werden wir versuchen, auch Andreas Christensen fest zu verpflichten. Das ist unser Ziel. Im Moment gibt es da aber keine Verhandlungen“, sagt Eberl. „Und die Summen, die da herumschwirren, sind kein Thema für uns.“ Wahrscheinlicher sind baldige Vertragsabschlüsse in der Abwehr. Der Transfer des Bremer Innenverteidigers Jannik Vestergaard ist nur eine Frage der Zeit. „Wir hatten den Respekt vor der sportlichen Situation in Bremen, dann hat dort der Sportdirektor gewechselt. Wir versuchen jetzt, wieder zu sprechen“, beschreibt Eberl den Fortgang der Dinge. Klar sei: „Unser Interesse an Jannik ist groß, er würde sehr gerne kommen, jetzt gilt es, da eine Einigung zu finden, die bis jetzt noch nicht da ist.“

Auch im Fall des französischen Verteidigers Mamadou Doucouré von Paris St. Germain scheint die Borussia voranzukommen. Man wird sich am Niederrhein noch auf einige junge neue Spieler einstellen können: „Wir kennen uns im U-Bereich inzwischen sehr gut aus und wollen mit diesen jungen Spielern agieren“, sagt Eberl und gibt Beispiele: „Nico Elvedi und Christensen sind die besten Beispiele. Wir werden noch die eine oder andere Überraschung haben, da sind Jungs mit Potenzial dabei. Diese jungen, begehrten Spieler sagen inzwischen: Ja, wenn Gladbach sich für mich interessiert, dann habe ich auch die Chance, dort zu spielen.“ Gladbach, so Eberl, müsse die Mannschaft dafür bauen, dass „diese jungen Spieler bei uns ihre Rolle spielen können“.

Dazu gehört auch, nicht noch weitere erfahrene Kräfte zu verlieren. Wie etwa Torwart Yann Sommer, dem die Premier League angedichtet wurde. „Yann hat selbst schon gesagt, dass er sich auf ein weiteres Jahr in Gladbach freut. An einem Wechsel ist gar nichts dran.“ Überhaupt soll neben den vier Stützen Stranzl, Brouwers, Nordtveit und Xhaka nur noch Branimir Hrgota den Club verlassen.