Frontzeck wirft Idrissou raus

Der Stürmer beklagt sich über seine Rolle als Ersatzspieler. Es ist nicht der erste Fall von mangelnder Disziplin.

Mönchengladbach. Die Adventszeit gilt ja gemeinhin als Zeitraum der Besinnung. In Mönchengladbach hingegen lässt das ausklingende Jahr eher den Schluss zu, beim Fußball-Bundesligisten sind einige von Sinnen. Jüngster Kandidat, der in der vorweihnachtlichen Zeit Unruhe stiftet, ist Mohamadou Idrissou.

Der Kameruner darf sich daher den Jahresausklang seiner Mannschaft am Dienstag (20.30 Uhr) im DFB-Pokal bei 1899 Hoffenheim vom heimischen Sofa aus im Fernsehen anschauen. Trainer Michael Frontzeck suspendierte den Stürmer. Zudem erwartet ihn eine Geldstrafe vom Klub. Eingebrockt hat sich der 30 Jahre alte Stürmer dieses vorweihnachtliche Straf-Paket mit einem Interview.

In der „Bild“ hatte sich Idrissou über seine Rolle als Einwechselspieler beklagt: „Ich bin hierher gekommen, um Tore zu schießen. Ich weiß nicht, warum ich nicht spiele. Das habe ich satt. Bis zum Ende geht das so nicht. Ich bin nicht gewechselt, um Letzter zu sein. Sondern, um oben mitzuspielen.“

Dies misslang bekanntlich gründlich. Gladbach ist Tabellenletzter und Idrissous Formkurve flachte nach starkem Beginn zuletzt stark ab. Seine Tor-Ausbeute fällt mit drei Treffern eher dürftig aus. Trainer Michael Frontzeck richtete umso deutlichere Worte an den Querulanten: „Ich habe die ‘Abrechnung mit dem Klub’ gelesen. Sobald hier jemand meint, er müsste sein Ego über die Mannschaft stellen, hat der hier keine Chance mehr.“

Sportdirektor Max Eberl schloss einen generellen Rauswurf Idrissous nicht mehr aus: „Wir werden uns genau überlegen, mit welchem Kader wir in die Rückrunde gehen.“ Der schwierige Charakter Idrissous war den Gladbachern bekannt. Dass sie das Risiko sehenden Auges eingegangen sind, zeigt Eberls Kommentar zur Verpflichtung des Kameruners im Sommer: „Ein enfant terrible ist auch ein Typ Spieler. Nur mit Indianern kann man ebenso wenig Erfolg haben wie allein mit Häuptlingen. Die Mischung muss stimmen. Und darauf achten wir.“

Idrissous Abrechnung ist die dritte Ego-Attacke eines unzufriedenen Gladbacher Profis in den vergangenen Wochen. Torhüter Logan Bailly hatte Frontzeck kritisiert, nachdem er seinen Stammplatz verloren hatte: „Wenn Du ein guter Trainer bist und den Fußball kennst, dann weißt du, dass es nicht gut ist, einen Torhüter aus der Gruppe zu nehmen, wenn es mal nicht läuft.“

Raul Bobadilla verweigerte bei seiner Auswechslung im Pokalspiel gegen Bayer Leverkusen den Handschlag gegenüber Trainer Frontzeck und Mitspieler Igor de Camargo. Mit seiner Tätlichkeit vier Wochen später gegen den Hannoveraner Pinto, stellte er sich erst einmal für Wochen ins Abseits.

Jetzt also Idrissou, der in seiner achtjährigen Karriere in Deutschland noch bei jedem seiner Arbeitgeber auch sein zweites Gesicht offenbart hatte. In Hannover wurde er suspendiert, auch in Duisburg gab es Ärger, beim SC Freiburg stand er ebenfalls vor dem Rauswurf, als der Klub in Abstiegsgefahr schwebte. Erst im Februar dieses Jahres war er von Trainer Robin Dutt begnadigt worden. Idrissou beteuerte stets seine Unschuld, wie in Freiburg: „Es gab nie Probleme. Ich habe nie gesagt, dass ich nicht mit Absteigern zusammen spielen will. Der SC Freiburg hat mein Leben gerettet — wie könnte ich dann so etwas sagen?“

Idrissou hatte sich in die heraufziehende Krise in Gladbach nach den deftigen Pleiten gegen Frankfurt (0:4) und Stuttgart (0:7) früh zu Wort gemeldet und moniert: „Wir spielen zu ängstlich.“

Jetzt spielt er vorerst gar nicht mehr.

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