Fohlenelf: Gladbachs Patrick Herrmann im Interview

Interview mit Ur-Gladbacher : Patrick Herrmann: „So etwas schweißt einfach zusammen“

Patrick Herrmann geht in sein zwölftes Jahr bei Gladbach. Im vergangenen Winter allerdings stand die innige Beziehung ganz dicht vor ihrem Ende, im Interview erzählt er wie knapp er wirklich vor einem Wechsel stand.

2008 kam Patrick Herrmann aus der Jugend des 1. FC Saarbrücken zu Borussia Mönchengladbach. Der 28-Jährige ist damit nach Tony Jantschke der dienstälteste Profi im Kader der "Fohlenelf". A-Jugendspiele sowie Einsätze in der zweiten Mannschaft mit eingerechnet hat der Angreifer es inzwischen auf 342 Pflichtpartien im Trikot mit der Raute gebracht. „Das hätte ich mir vor elf Jahren nicht träumen lassen. Diese Zahl macht mich schon ein wenig stolz", sagte Herrmann im Gespräch mit der WZ.

Herr Herrmann, die Vorbereitung auf die neue Saison ist zu Ende. Höhepunkt war natürlich das Trainingslager am Tegernsee. Wie traurig sind Sie, dass die Borussia nun schon zum dritten Mal in Folge zur falschen Zeit am richtigen Ort war? Das prächtige Seefest hatte bereits in der Woche zuvor stattgefunden...

Patrick Herrmann: Das ist wirklich etwas ungewohnt, es war immer ein sehr schöner Abend. Rund um unser Hotel ist dann stets viel los. Die Menschen in ihren Dirndln und Lederhosen sowie die Blasmusik der Trachtenkapellen machen das Flair dieser Region ja einfach aus. Mit dem Seefest ist es natürlich schöner - aber wir fahren ja auch nicht zum Feiern an den Tegernsee, sondern um uns dort unter besten Bedingungen auf die Saison vorzubereiten.

Sie persönlich haben es wieder unter dem Spitznamen "El Flaco" gemacht. Das ist spanisch und heißt "Der Dünne". Ihr ehemaliger Mitspieler Juan Arango hat Ihnen diesen Namen einst verpasst. Wie sehr sind Sie ihm dafür böse?

Herrmann: Überhaupt nicht und ich vermisse ihn auch ein wenig. Juan hat überragende fußballerische Fähigkeiten. Es war eine riesige Freude und hat sehr großen Spaß gemacht, mit ihm zusammen zu spielen. Ich habe in meiner ganzen Karriere bisher noch keinen besseren Linksfuß gesehen. Den Spitznamen werde ich allerdings wohl nicht mehr los. In der Mannschaft ist es dabei geblieben und inzwischen nennen mich auch die Fans nur noch so, aber das ist schon okay.

Arango war von 2009 bis 2014 bei der Borussia, für einen ausländischen Akteur eine lange Zeit. Sie wechselten 2008 vom 1. FC Saarbrücken nach Gladbach und sind immer noch da. Allerdings drohte dieses Kapitel in der vergangenen Saison gleich zweimal zu Ende zu gehen. Wie knapp war es wirklich, dass Sie die "Fohlenelf" verlassen?

Herrmann: Es war schon sehr knapp, das muss man sagen. Auch wenn es echt schwierig war, mit dem Gedanken zu spielen, diesen Verein zu verlassen. Umso glücklicher bin ich, dass es weder im Sommer noch im Winter dazu gekommen ist. Im Januar war der VfB Stuttgart ja doch schon sehr stark interessiert. Umso mehr freue ich mich, dass ich meinen Vertrag inzwischen sogar bis 2022 verlängern durfte. Es war nie mein Bestreben, die Borussia zu verlassen.

In der Vorbereitung haben Sie bereits mit ein paar Toren zurückgezahlt, allerdings in ungewohnter Rolle. Sie kommen mit Ihrer Schnelligkeit eigentlich eher über die Flügel, sollen jetzt aber als zentrale Spitze agieren. Ist diese Position etwas für Sie?

Herrmann: Absolut. In unserem neuen System spielen wir ganz vorne ja mit vielen Sprints in die Tiefe, das ist genau mein Ding. Klar muss ich mich erst mit den anderen Laufwegen zurechtfinden, das klappt jedoch immer besser. Das Ganze macht Spaß, weil man immer bei den torgefährlichen Situationen dabei ist. Ganz neu ist es für mich zudem nicht, vor fünf Jahren habe ich auch unter Lucien Favre hin und wieder mal in der Angriffsmitte gespielt.

Dennoch ist ein Stammplatz durch die Konkurrenz von Plea und Thuram nicht sicher...

Herrmann: Konkurrenz belebt das Geschäft. Wir brauchen bei drei Wettbewerben einen breiten Kader und werden durch die vielen Spiele sicher auch rotieren. Da wird schon jeder auf seine Einsätze kommen. Aber klar, natürlich will man immer spielen.

Und wenn Sie es nicht so oft tun...

Herrmann: ...dann wird es ganz sicher keinen Gedanken an einen Wechsel geben. Ich habe ja kein Problem damit, von der Bank aus ins Spiel zu kommen. Wenn die Mannschaft mich braucht, dann mache ich das auch nur für ein paar Minuten sehr gerne. Dass ich damals an einen Wechsel denken musste, lag daran, dass ich zeitweise gar nicht mehr im Kader war.

Wie wichtig ist es für einen Verein in der heutigen Zeit der schnelllebigen Transfers, noch Identifikationsfiguren zu besitzen?

Herrmann: Das ist eigentlich eine Frage an die Fans. Ich glaube schon, dass es wichtig ist und ich bin auch kein Freund davon, in kürzester Zeit von Verein zu Verein zu ziehen. Auch um mich herum haben bis auf Tony Jantschke und Oscar Wendt die Plätze in der Kabine in den vergangenen zehn Jahren oft ihren Besitzer gewechselt. So ist das Fußball-Business einfach geworden, so muss ich es allerdings nicht haben.

Was ist für Sie das Besondere an dieser langen Bindung an nur einen Verein?

Herrmann: Ich bin vor elf Jahren zur Borussia gekommen und von der A-Jugend über die Amateure den Weg zu den Profis gegangen. Ich kenne den Verein, seine Mitarbeiter und inzwischen auch viele Fans persönlich. Man erinnert sich an etliche gemeinsame Fahrten zu Auswärtsspielen. So etwas schweißt einfach zusammen.

Wie wichtig war neben diesem Grund auch der neue Trainer für ihre Vertragsverlängerung?

Herrmann: Ich habe nicht direkt mit Marco Rose gesprochen. Aber wenn er mich nicht gebrauchen könnte, dann wäre ich jetzt wohl nicht mehr hier.

Am Ende Ihres Vertrages werden Sie 14 Jahre in Mönchengladbach sein. Denken Sie da eigentlich noch an ihren Geburtsort?

Herrmann: Die Weltstadt Uchtelfangen (lacht). Ich sage immer, ich habe inzwischen zwei Heimaten. Meine Kindheit habe ich im Saarland verbracht, aber als Mensch gereift bin ich in Mönchengladbach. Hier habe ich viel erlebt und ich gehe davon aus, dass ich nach meiner Karriere hier auch sesshaft werde. Mönchengladbach ist zu meiner neuen Heimat geworden.

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