Borussia M’Gladbach: Fohlen müssen um Jonas Hofmann bangen - Das Berlin-Spiel in der Analyse

Borussia M’Gladbach: Fohlen müssen um Jonas Hofmann bangen - Das Berlin-Spiel in der Analyse

Die Festung ist gefallen! Borussia Mönchengladbach hat am 21. Spieltag in der Fußball-Bundesliga die erste Pleite vor eigener Kulisse hinnehmen müssen. Die Fohlen unterlagen Hertha BSC mit 0:3 (0:1) und verpassten somit die Chance, einen historischen Vereinsrekord mit (saisonübergreifend) 13 Heim-Dreiern in Folge aufzustellen.

Die Treffer für die Berliner markierten Kalou, Duda und Selke. Gladbach, das zuvor ungeschlagen und ohne Gegentor in die Rückrunde gestartet war, ist nach dieser Niederlage wieder Tabellendritter, hinter Bayern und Spitzenreiter Dortmund.

Der Moment des Spiels: Der ereignete sich aus Borussen-Sicht nach dem Schlusspfiff. Das Gladbacher Publikum erhob sich trotz der 0:3-Niederlage gegen Berlin von den Sitzen und verabschiedete die Fohlen mit aufmunterndem Applaus in die Kabine. Anerkennung für die Leistung, welche die Elf von Trainer Dieter Hecking in den vergangenen Monaten in ihren Heimspielen gezeigt hatte.

Der Fehltritt des Spiels: Die Fohlen erleben eine bittere Heimniederlage gegen Berlin. Und müssen um Mittelfeldspieler Jonas Hofmann bangen. Der hatte bereits nach wenigen Minuten von Herthas Marko Grujic einen Tritt am Knöchel abbekommen. Kurze Zeit später musste Hofmann dann mit großen Schmerzen raus, wurde gleich in ein Gladbacher Krankenhaus gebracht. Die Diagnose: Knochenhautprellung mit Einblutung im Knöchel. Dazu hat der 26-Jährige offene Wunden am Schienbein. Jonas sagt: „Die Schmerzen waren dann doch zu groß. Es hat richtig gezwiebelt. Je mehr ich gelaufen bin, desto mehr hat es geschmerzt. Irgendwann habe ich runtergeschaut und gesehen, dass der eine Knöchel fast doppelt so dick war wie der andere. Ich habe zwei, drei offene Wunden. Es ist zum Glück nur extrem viel Blut eingelaufen, aber das schwillt hoffentlich schnell wieder ab. Da hilft jetzt nur kühlen und Lymphdrainage.“ Hätte der Unparteiische Martin Petersen Herthas Grujic die rote Karte zeigen müssen? Hofmann: „Bei der Schulung für uns Spieler durch die Schiedsrichter hieß es, sobald einer mit offener Sohle über Knöchelhöhe reingeht, kann es eine Rote Karte geben. Er trifft mich genau auf dem Knöchel, von daher lasse ich es mal bei Dunkelgelb stehen.“ Ob Hofmann bis zum Duell in Frankfurt wieder fit wird, ist derzeit offen. Er sagt: „Das ist noch fraglich, da will ich mich nicht festlegen. Aber ich hoffe, dass ich spielen kann.“

Der Aufreger des Spiels: Seine Mannschaft lag zu diesem Zeitpunkt bereits mit zwei Toren in Führung, dennoch verlor Mitte der zweiten Halbzeit Pal Dardai für einige Augenblicke die Fassung. Der Hertha-Trainer musste an der Seitenlinie von einem seiner Assistenten festgehalten werden, damit er nicht wütend auf den Vierten Offiziellen Arne Aarnink losstürmte. Später äußerte sich Dardai zu seinem Wutausbruch so: „Ich hatte mich beschwert wegen der Vergabe der gelben Karten. Wir hatten schon zwei, Gladbach noch keine. Das hatte mich gestört. Irgendwann kam dann eine Mahnung in Richtung meines Co-Trainers, dass der mir mitteilen solle, dass ich kurz davorstehe, auf die Tribüne geschickt zu werden. Da bin ich ein bisschen ausgerastet.“ Dardai ergänzte: „Ich bin ein stolzer Mensch. Mit mir kann man direkt reden, man kann mir sagen, Pal, beruhige dich, sonst gehst du hoch. Aber so sollte man nicht mit mir umgehen, das kann ich nicht akzeptieren, dass mir etwas durch den Co-Trainer mitgeteilt werden soll, wenn ich danebenstehe. Dann habe ich meinen Unmut zum Ausdruck gebracht.“

Die Trainer-Stimmen:

Pal Dardai (Hertha BSC):

Es war ein guter Auftritt meiner Mannschaft. Alle Spieler haben eine gute Leistung gezeigt. Es war wichtig, dass wir von Beginn fokussiert gewesen sind, weil Mönchengladbach hat eine enorme Offensiv-Qualität. Wir haben aber sehr gut und konzentriert verteidigt. Für den Führungstreffer brauchten wir die Einzelleistung von Salomon Kalou. Wir wussten zudem, dass wir über Konter zum Erfolg kommen können. Daher war es eine taktische Entscheidung, Davie Selke zu bringen. Er hat es gut umgesetzt. Es ist eine Stärke von uns, dass wir unsere Konter bis zu Ende spielen. Wir haben den mentalen Druck, den Gladbach hatte, ausgenutzt. Es war daher ein verdienter Sieg.

Dieter Hecking (Borussia Mönchengladbach):

Wir waren 25 Minuten richtig gut im Spiel. In der Phase hätten wir das Tor schießen müssen, wir hatten zwei, drei klasse Möglichkeiten, die wir besser zum Abschluss hätten bringen müssen. Das haben wir leider nicht geschafft. Mit dem 0:1 hat man dann ein bisschen Ungeduld gespürt, wir waren nicht mehr so diszipliniert in unserem Pass- und Positionsspiel. Außerdem haben wir uns in Räumen aufgehalten, in denen es für Hertha leicht war, gegen uns zu verteidigen. Dann wurde es leichter für sie. In der zweiten Halbzeit wollten wir noch mal auf das Ausgleichstor gehen, kriegen dann aber durch einen Konter und eine tolle Einzelaktion das 0:2. Wir hatten dann noch ein paar Halbchancen, aber die letzte Entschlossenheit und Konzentration hat in diesen Situationen gefehlt. Von daher ist die Niederlage absolut verdient gewesen.

Mehr von Westdeutsche Zeitung