Favre rotiert Gladbach auf Platz zwei

Der 2:1-Erfolg beim SC Paderborn ist das zehnte Saisonspiel ohne Niederlage. Das gab es zuletzt vor 39 Jahren mit Trainer Lattek.

Paderborn. Das kommt nicht alle Tage vor. Dass ein Trainer gegen seine Prinzipien handelt. Und dieser Trainer auch noch Lucien Favre heißt. Gleichwohl ist das Bekenntnis des Schweizers zur Rotation unmissverständlich: „Das ist nicht meine Philosophie“, sagt Favre. Aber, so der Fußball-Lehrer, sie müsse sein, logisch.

Also rotierte Gladbachs Cheftrainer beim 2:1 (2:0)-Erfolg in Paderborn gleich viermal. Patrick Herrmann, Ibrahima Traoré, Branimir Hrgota und Oscar Wendt kamen für die beiden Top-Scorer Max Kruse und André Hahn, dazu saßen Thorgan Hazard und Julian Korb auf der Bank. Denn der Fluch des sportlichen Erfolgs, gepaart mit den Anforderungen an eine sich entwickelnde Mannschaft, zwingen auch Favre dazu, der Belastung für seine Spieler Rechnung zu tragen.

Wenn sie denn weiter so gelingen sollte, wie momentan, wird das Favre nur lieb sein. Vor allem dann, wenn wie beim Führungstor durch Herrmann (8.) mit Passgeber Hrgota und Zuspieler Traoré gleich ein Trio der Rein-Rotierer beteiligt war. Beim zweiten Tor hatte Herrmann Raffael bedient (14.). Trotz des gelungenen Schachzugs wird der Trainer seine Rotations-Abneigung nicht grundsätzlich überdenken. Keiner der Profis, die besonders unter der Rotation ihres Trainers zu leiden haben — wie etwa Herrmann — hat sich bisher öffentlich über seine Rolle beschwert. „Jeder Spieler weiß natürlich, dass die Situation schwierig ist. Uns bleibt nichts anderes übrig, als im Training dranzubleiben und Gas zu geben“, sagte Herrmann, der vor dem Paderborn-Spiel lediglich für 62 Minuten in der Liga zum Einsatz gekommen war. Gleichwohl hat der Schweizer die Gladbacher mit dem Erfolg beim Aufsteiger SC Paderborn auf Platz zwei rotiert. Nach sechs Spieltagen in der Liga. Mit zwölf Punkten. Und noch keinem verlorenen Spiel in immerhin jetzt schon zehn Pflichtspielen - neben dem Liga-Sextett noch eines im DFB-Pokal und drei in der Europa League.

39 Jahre hat es das in Mönchengladbach nicht gegeben, dass die Mannschaft auch nach dem zehnten Pflichtspiel der Saison ungeschlagen ist. Dieses Kunststück gelang zuletzt unter Trainer Udo Lattek in der Saison 1975/76. Acht Monate später wurden die Gladbacher Deutscher Meister. Favre sollte man mit so viel Nostalgie nicht kommen. Er lebt im Hier und Jetzt. Und mag es nicht, mit überbordenden Erwartungen konfrontiert zu werden. Und so kritisierte er trotz aller Zufriedenheit: „Wir haben versäumt, das 3:0 zu machen. Und in der zweiten Halbzeit ist es dann noch einmal zum Schluss spannend geworden. Wir müssen noch daran arbeiten, über 90 Minuten auch unser Pressing durchzuziehen.“

Gleichwohl haben der Trainer und Manager Max Eberl offensichtlich gute Arbeit im Vorfeld der Saison geleistet und den Kader entsprechend der Dreifachbelastung aus Bundesliga, DFB-Pokal und Europa League breit aufgestellt. „Wir haben die Möglichkeiten, Spieler zu bringen, die die geistige Frische auf den Platz bringen. Das ist das, was Lucien Favre möchte“, sagte Eberl. „Wir wollen alle Spieler bei Laune halten, denn wir werden sie alle brauchen. “

Im Gladbacher Umfeld träumt nun mancher schon von der Champions League. Eberl versuchte sich als Mahner: „Es ist noch viel, viel Zeit bis dahin. Wir drehen jetzt nicht durch. Ich kann jedem Fan von Borussia sagen, der glaubt, wir stapeln tief: Wir wollen alles gewinnen, was möglich ist. Aber es gibt auch noch Konkurrenten.“