Favre nach dem 1:1: "Vergessen Sie Hrgota nicht!"

Favre nach dem 1:1: "Vergessen Sie Hrgota nicht!"

Borussia Mönchengladbachs: Schwede rettet in letzter Sekunde beim 1:1 einen Punkt in Hamburg.

Hamburg. Die Europa League zu mögen, ist gar nicht so einfach. Aber in Mönchengladbach haben sie so lange nur zugeschaut bei den internationalen Auftritten der anderen, dass die Liebe für die kleine, weit weniger lukrative Schwester der Champions League ungebrochen scheint. Noch. Denn auch im neunten Anlauf hat die Borussia in dieser Bundesliga-Saison im Spiel nach einer Europa-League-Partie nicht gewinnen können. Und hätte nicht der eingewechselte Branimir Hrgota mit einem Kopfball in der Nachspielzeit noch einen Treffer erzielt, wären die Gladbacher Profis aus Hamburg bedröppelt und mit leeren Händen nach Hause gefahren. "Es war Glück für uns und ein sehr wichtiger Auswärtspunkt", sagte Trainer Lucien Favre nach dem 1:1 (0:0).

Zuvor hatte Zoltan Stieber den Hamburger SV in der 73. Minute in Führung geschossen. "Das ist natürlich bitter, mit der letzten Aktion ein Tor zu kriegen und zwei Punkte zu verlieren", sagte Torschütze Stieber. Der abstiegsbedrohte HSV, in der Vorwoche noch beim 0:8 von Bayern München in seine Einzelteile zerlegt, präsentierte sich beim 1:1 gegen den Tabellen-Dritten wieder als engagiertes und kompakt stehendes Team.

"Wir waren nicht zu 100 Prozent bereit", bemängelte dagegen Favre. Der Schweizer hatte die Mannschaft gegenüber dem 0:1 beim FC Sevilla vor allem in der Offensive auf mehreren Positionen verändert. Doch Andre Hahn, der nach langer Verletzungspause erstmals wieder in der Startelf stand, und Ibrahima Traore konnten sich auf den Flügeln nur selten durchsetzen. Und der Schwung von Patrick Herrmann und Max Kruse, der in der Anfangsphase zu zwei guten Chancen und einem Pfostenschuss führte, erlahmte schnell.

Es entwickelte sich ein zähes Spiel voller Abspielfehler und Fouls. Die müde wirkenden Gladbacher konnten aus ihrer besseren Spielanlage kein Kapital schlagen, und als Havard Nordtveit im Mittelfeld einen unsauberen Pass spielte, war es passiert: Stieber veredelte den HSV-Konter mit einem platzierten und für Gladbachs Torhüter Yann Sommer unhaltbaren Schuss ins lange Eck.

Der am Niederrhein haltlos verehrte Favre aber hatte mal wieder Recht: "Vergessen Sie Hrgota nicht!" Das ist bei den Gladbacher Fans bereits ein geflügeltes Wort geworden. Beim HSV ist der Satz weniger bekannt, wie die letzte Szene des Spiels bewies, als der junge Schwede nach einem Eckball sträflich frei stand und einköpfen konnte. Mit seinem zweiten Saisontor in der Bundesliga sorgte Hrgota - wie zuvor schon Granit Xhaka beim 1:0-Sieg über den 1. FC Köln - für ein spätes Glücksgefühl, das Auftrieb geben könnte für die geliebte Europa League. In der es am Donnerstag im Rückspiel gegen Sevilla nicht um schnöde Punkte geht, sondern um Alles oder Nichts.