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Europa League: De Camargo schießt Borussia in K.o-Runde

Europa League: De Camargo schießt Borussia in K.o-Runde

Mönchengladbach. Borussia Mönchengladbach hat vorzeitig die K.o-Runde der Europa League erreicht. Die Fohlen setzten sich am Donnerstagabend trotz einer über weite Strecken der Partie schwachen Leistung mit 2:0 (0:0) gegen AEL Limassol (Zypern) durch.

Borussia profitierte in der Gruppe C auch davon, dass zeitgleich Fenerbahce Istanbul bei Olympique Marseille mit 1:0 gewann und sich den Gruppensieg sicherte. Gladbach kann als Zweiter nicht mehr von Marseille eingeholt werden. Die letzte Partie in der Gruppenphase bestreitet Gladbach am 6. Dezember in Istanbul — darf sich schon jetzt aber über eine weitere Millionen-Einnahme nach der Winterpause im Europapokal freuen.

Der Moment des Spiels: Sie hatten gelitten, gezittert, gebibbert und einen überaus schwachen Auftritt ihrer Elf geduldig ertragen. Was die treuen Borussen-Anhänger aber nicht davon abhalten konnte, gleich nach dem Schlusspfiff ihre Mannschaft und sich selbst ausgelassen zu feiern. „Europapokal, Europapokal, Eurooooopaaaa-Pooookaaal“ hallte es durch den gut gefüllten Borussia-Park.

Über 16 Jahre hatten sie am Niederrhein auf diesen Augenblick gewartet. Die Fohlen-Elf ist zurück auf der großen internationalen Bühne, hat — Grotten-Kick hin oder her - vorzeitig die K.o.-Runde erreicht, in der nun Duelle gegen Gegner wie dem FC Liverpool möglich sind. Mit ihrer tollen Unterstützung haben die Gladbacher Fans einen großen Anteil an diesem sportlichen Erfolg.

Der Spieler des Spiels: Borussias Stadionsprecher Torsten Knippertz hatte es angekündigt: „Der Mann für die wichtigen Tore“, sagte Knippertz, als VfL-Stürmer Igor de Camargo in der 74. Minute eingewechselt wurde. Und de Camargo bewies, dass er in der Tat der Mann für die entscheidenden Dinger ist.

Per Doppelpack erlöste der Brasilianer mit belgischem Pass alle Borussen und bewahrte Gladbach vor einer Blamage. Ob in der Relegation gegen Bochum, beim Sensationssieg letzte Saison in München oder beim Triumph in Leverkusen, als es um die Quali für Europa ging — de Camargo traf. Nun erneut gegen Limassol.

Nach dem Schlusspfiff sagte Igor: „Das ist natürlich schön für mich, wenn ich der Mannschaft auf diese Weise helfen konnte. Das macht mich sehr glücklich. Wir haben die drei Punkte geholt und sind eine Runde weitergekommen. Das war eine Leistung der gesamten Mannschaft. Meine beiden Tore waren eine Kollektivarbeit. Beim ersten war es ein schönes Zuspiel von Havard Nordtveit, beim zweiten eine tolle Flanke von Patrick Herrmann."

Der Aufreger des Spiels: Es lief die 75. Spielminute, als Borussias Offensiv-Flitzer Patrick Herrmann der Abwehr von Limassol endlich einmal davonlaufen konnte. Die VfL-Fans hatten den Torschrei schon auf den Lippen — als Herrmann plötzlich noch von Bebé weggegrätscht wurde. Klarer Fall: Notbremse.

Dafür sah Bebé auch die rote Karte. Warum die Spieler aus Limassol sich darüber beschwerten und Herrmann eine Schwalbe unterstellten, dürfte das Geheimnis der Gäste bleiben. Beim anschließenden Gerangel war Herrmann plötzlich erneut mittendrin — und sah die gelbe Karte. Damit ist er in Istanbul gesperrt.

Chronik des Spiels: Vor 40.164 Zuschauer hatte Borussia von Anfang an große Probleme mit den Gästen aus Zypern. Bereits nach wenigen Sekunden hätte Limassol sogar in Führung gehen können, doch Bebé verstolperte freistehend. Im Anschluss machte Borussia zwar das Spiel und setzte sich auch in der gegnerischen Hälfte fest.

Allerdings fehlte die Genauigkeit im Abschluss, hinzu kamen Passfehler en masse. Torhüter Marc-André ter Stegen trug mit einigen miserablen Abschlägen dazu bei, dass keine Sicherheit ins Gladbacher Spiel einkehren wollte. Hanke, Arango und Ring prüften auf der anderen Seite mit ihren Schüssen Keeper Degra, doch der reagierte sicher und hielt seine Mannschaft im Spiel.

Zur Halbzeit mussten sich Borussia dann ein Pfeifkonzert der Zuschauer gefallen lassen. Im 2. Durchgang begann Borussia etwas schwungvoller, Arango und Herrmann konnten ihre Chancen aber nicht nutzen. Erst als Limassols Bebe Herrmann kurz vor der Strafraumgrenze von den Beinen holte und dafür die rote Karte sah, kam noch einmal Fahrt ins VfL-Spiel.

Mit dem fälligen Freistoß traf Juan Arango nur den Außenpfosten. Wenig später bediente Nordtveit den eingewechselten de Camargo, der alle Borussen mit dem 1:0 erlöste. Als de Camargo seinen 2. Treffer nach Vorarbeit von Herrmann erzielt hatte, wurde im Borussia-Park doch noch richtig gefeiert.

Stimmen zum Spiel: Lucien Favre (Trainer Borussia Mönchengladbach): Es war für mich keine Überraschung, dass wir uns so schwer werden würde. Ich habe das Spiel von Limassol in Marseille gesehen - und da haben sie es auch lange Zeit gut gemacht. Unser Gegner hat sehr gut gespielt, sie haben sehr kompakt verteidigt. Wir hatten zu viele leichte Ballverluste und je länger es 0:0 stand, desto schwieriger wurde es.

Dennoch hatten wir ein paar Torchancen und hätten schon früher führen müssen. Das hat leider nicht geklappt. Zum Glück haben wir aber doch noch das 1:0 erzielt, das hat die Mannschaft erleichtert, nachher war der Sieg verdient. Wir sind durch — und das ist für diesen Klub, der 16 Jahre lang nicht mehr im Europapokal vertreten war eine großartige Sache.

Max Eberl (Sportdirektor Borussia): Ich habe mich schon sehr darüber geärgert, wie wir gespielt haben. Wir haben es uns selbst lange Zeit unnötig schwer gemacht. Natürlich bin ich sehr froh, dass es am Ende geklappt hat und wir uns schon einen Spieltag vor Ende der Gruppenphase für die K. o.-Runde in der Europa League qualifiziert haben.

Die Angst ist im Fußball immer der schlechteste Begleiter - und wir hatten heute zu viel Angst davor, Fehler zu machen. Die Angst vor dem Versagen war größer als irgendwelche positiven Gedanken, das ist meist gefährlich. Ab der 60. Minute haben wir mit etwas mehr Mut gespielt, die rote Karte kam uns natürlich auch entgegen. Und am Ende hat Igor, wie schon einige Male zuvor, sehr wichtige Tore für uns gemacht.