Borussia Mönchengladbach: Eine Woche der Held, eine Woche wieder der Idiot

Borussia Mönchengladbach : Eine Woche der Held, eine Woche wieder der Idiot

Die sportliche Krise bei Fußball-Bundesligist Borussia Mönchengladbach verschärft sich immer mehr. Die 0:1 (0:1)-Niederlage ist die fünfte Pleite im sechsten Rückrundenspiel .

Mönchengladbach. Die sportliche Krise bei Fußball-Bundesligist Borussia Mönchengladbach verschärft sich immer mehr. Die Elf vom Niederrhein kassierte im jüngsten Heimspiel gegen die Namenscousine aus Dortmund eine 0:1 (0:1)-Niederlage. Für den VfL ist es im sechsten Rückrundenspiel bereits die fünfte Pleite gewesen, dazu hat der Altmeister die vergangenen vier Partien in Folge ohne jeweils einen eigenen erzielten Treffer verloren.

Der Moment des Spiels: Es läuft die 32. Spielminute im Borussia-Park, als Dortmunds Offensiv-Star Marco Reus ein Traumtor gelingt. Das ehemalige Fohlen bugsierte mit einem herrlichen Schuss aus spitzem Winkel den Ball zunächst an die Unterkante der Latte, von dort sprang die Kugel schließlich ins Fohlen-Gehäuse. Am Ende die Entscheidung zu Gunsten des BVB. Reus sagt mit Blick auf seinen Geniestreich: „Ich habe den überhaupt gar nicht gut getroffen. Ich wollte den eigentlich weiter links schießen. Wichtig ist, dass er drin ist. Sieht schön aus, aber ich wollte ihn anders schießen.“

Der Spieler des Spiels: Es braucht vor allem einen überragenden Schlussmann, wenn man wahren Sturmlauf des Gegners unbeschadet überstehen möchte. BVB-Schlussmann Roman Bürki hat solch eine Performance im Borussen-Duell abliefern können. Der Schweizer entschärfte mehrere Großchancen der Gladbacher und hielt seinen Dortmundern so die drei Punkte fest. Was der in Dortmund nicht unumstrittene Bürki so kommentiert: „Eine Woche bist du der Held, eine Woche bist du wieder der Idiot.“

Der Aufreger des Spiels: Erneut stehen Schiedsrichter samt Videoassistent im „Kölner Keller“ im Mittelpunkt. Es läuft die Nachspielzeit. Gladbach wirft noch einmal alles nach vorne, Innenverteidiger Vestergaard mutiert dabei sogar zu einer Art Mittelstürmer. Der Däne wird allerdings im Dortmunder Strafraum jäh von BVB-Abwehrchef Sokratis gestoppt. In Ringer-Manier. Griechisch-römisch sozusagen. Schiedsrichter Bastian Dankert kann in dieser Situation jedoch kein Foulspiel erkennen, entscheidet nicht auf Strafstoß, sondern lässt weiterspielen.

Der Videoassistent offenbar auch nicht. Was Fohlen-Trainer Dieter Hecking rückblickend wie folgt kommentiert: „Ich hätte mir gewünscht, dass er in der letzten Aktion rausgeht und sich das Bild nochmal anguckt. Das ärgert mich. Das bemängele ich. Er hält ihn am Trikot, das ist natürlich ein Elfmeter. Das ist sehr bitter für uns. Er sagt, er hätte es abgefragt. Vielleicht war auch in Köln wieder einer eingeschlafen, ich weiß es nicht.“ Dass Dankert zuvor mit Hilfe des Videoassistenten einen Treffer Vestergaards wegen Abseitsstellung aberkannt hatte, daran rieben sich die Verantwortlichen bei Borussia nicht. Weil diese Entscheidung vollkommen korrekt gewesen ist.

Chronik des Spiels:
Fassen wir das Borussen-Duell an dieser Stelle wie folgt zusammen. Die ersatzgeschwächten Gladbacher liefern gegen das Star-Ensemble aus Dortmund nicht nur von Beginn an einen tollen Kampf ab, sondern sind auch das bessere Team. Der BVB geht dennoch in der ersten Halbzeit in Führung, weil Marco Reus ein Traumtor gelingt. Auf der anderen Seite vergeben zunächst Stindl und Hazard zwei Großchancen. Vestergaards Ausgleichtreffer wird wegen einer Abseitsstellung zu Recht nicht anerkannt.

Nach dem Seitenwechsel spielt nur noch eine Mannschaft: Der VfL Borussia, allerdings treffen Stindl, Bobadilla und Elvedi nicht aus bester Position, scheitern an Schlussmann Bürki. Dortmund hat durch Reus noch eine gute Chance, dieses Mal pariert VfL-Keeper Sommer gut. In der Schlussphase bekommt Gladbach dann auch einen möglichen Strafstoß nicht zugesprochen — und muss sich am Ende vorwerfen lassen, wieder einmal wegen einer inzwischen schon unerklärlichen Abschlussschwäche (28 zu acht Torschüsse) ein Spiel unverdient verloren zu haben.

Mehr von Westdeutsche Zeitung