Analyse: Ein Schulterschluss zwischen Gladbach-Fans und Fohlen-Elf

Analyse : Ein Schulterschluss zwischen Gladbach-Fans und Fohlen-Elf

Mönchengladbach. Borussia Mönchengladbach hat zum Auftakt des 31. Spieltages in der Bundesliga einen souveränen Heimerfolg feiern können. Die Fohlen-Elf setzte sich gegen den VfL Wolfsburg mit 3:0 (3:0) durch.

Stindl, Raffael und Kramer trafen für Gladbach, das nach jüngst turbulenten Wochen, in denen Mannschaft, Trainer und Manager wegen einer verkorksten Rückrunde beim eigenen Anhang in die Kritik geraten waren, in Zügen wieder unterhaltsamen und temporeichen Fußball bot.

Wolfsburg hingegen lieferte eine vor allem im ersten Durchgang desolate Vorstellung ab und durfte sich bei Schlussmann Casteels bedanken, dass die Niederlage am Ende nicht noch deutlich höher ausgefallen war.

Der ereignet sich zum Pausenpfiff von Schiedsrichter Tobias Stieler. Das Gladbacher Publikum hüpft und klatscht euphorisch, stimmt zudem Jubelgesänge an. Solch eine Stimmung hatte es schon lange nicht mehr im Borussia-Park gegeben. Schulterschluss zwischen Fans und Fohlen-Elf - nach zuvor turbulenten Wochen, in denen das Publikum wiederholt kritisch und mit Pfiffen auf zum Teil schlechte Vorstellungen im Borussia-Park reagiert hatte.

Mit seiner Schlitzohr-Aktion beim Treffer zum vorentscheidenden 3:0 hat Borussias Mittelfeldspieler Christoph Kramer die komplette Wolfsburger Defensive vorgeführt. Foul an Hofmann, Freistoß für Gladbach, unmittelbar am gegnerischen Sechzehner. Während die Wolfsburger noch munter untereinander diskutieren und keine Mauer bilden, schießt Kramer gedankenschnell den Ball ins lange Eck, drin, passt, Borussias Sieg ist perfekt. Kramer sagt zu seinem Coup: „Die Mauer war noch nicht gestellt. Ich habe den Schiedsrichter gefragt, ob er den Freistoß anpfeift, und er sagte ,nein‘. Also war der Ball freigegeben, die Lücke war noch auf und ich habe einfach mal draufgehalten. Zum Glück hat es dann auch geklappt.“

Kramer weiter: „Ich bin ein Fan von schnell ausgeführten Freistößen. Nicht immer warten, bis sich jeder deutsche Beamte hingestellt hat. Darin liegen große Chancen, wenn alle wach sind. Allerdings bin ich tatsächlich nicht in der Trainingsgruppe ,direkte Freistöße‘ und musste mich an den sonst dafür vorgesehenen Kollegen ein wenig vorbeimogeln. Normalerweise wäre ich wahrscheinlich an Position zehn, knapp vor Yann Sommer, wenn es ums Freistoßschießen geht. Aber jetzt werde ich mich in dieser Trainingsgruppe mal vorstellen.

Nach rund 30 Minuten ist die Partie für Wolfsburgs Brooks bereits zu Ende. Nicht, weil er verletzt gewesen ist, sondern weil der Verteidiger kurz vor einem Platzverweis gestanden hat. Schon nach 13 Minuten hat Brooks übel Gladbachs Stindl abgeräumt und großen Dusel gehabt, dass Schiedsrichter Stieler nur die Gelbe Karte statt Rot zückt. Im Anschluss hat Brooks weiter Probleme mit seinem Zweikampf-Timing — und muss wegen einer drohenden Gelb-Roten Karte vorzeitig raus. Später noch rasseln im Zweikampf Wolfsburgs Arnold und Raffael zusammen. Arnold trifft Raffael im Gesicht, der reagiert sauer, tritt ein wenig aus und fuchtelt mit den Armen. Schiedsrichter Stieler ermahnt die Streithähne und lässt weiterspielen.

Borussia von Beginn an mit Power und Willen, die Gäste aus der Autostadt geraten sofort unter Druck, wirken rasch überfordert. Wie bei der Gladbacher Führung durch Nationalspieler Stindl. Der bekommt an der Abseitsgrenze stehend den Ball vom Gegenspieler (Bazoer) genau in den Fuß gespielt, schnelle Drehung, satter Schuss, der Ball knallt rechts oben an den Innenpfosten, klatscht von dort dann zum 1:0 in die Maschen. Weiter Einbahnstraßen-Angriffe. Solo von Zakaria, der legt ab auf Stindl, Schuss, Wölfe-Keeper Casteels pariert stark mit dem Fuß. Wieder Borussia. Langer Ball von Vestergaard auf Hofmann, der kommt frei zum Schuss, Casteels pariert, der Ball fällt Raffael vor die Füße, der tunnelt Jaeckel, 2:0 Gladbach.

Die Gäste weiter behäbig, nächste Angriffswelle der Hausherren, Foul an Hofmann, Freistoß für Gladbach. Und es folgt Slapstick pur im Borussia-Park. Die Gäste diskutieren munter untereinander, bilden keine Mauer, Gladbachs Kramer schießt gedankenschnell einfach mal ins lange Eck, drin, 3:0. Ähnliches Bild im zweiten Durchgang. Harmlose Gäste, Borussia stürmt, verpasst jedoch einen weiteren Treffer. So, als Hofmann gleich fünf (!) Gegenspieler austanzt, jedoch freistehend an Casteels scheitert, zudem köpfen noch Ginter und Vestergaard knapp vorbei. Dann ist Schluss, souveräner Heimtriumph für die Fohlen.

Dieter Hecking (Borussia Mönchengladbach): „Wir haben einen guten Auftritt abgeliefert, die Mannschaft hat es sehr gut gemacht. Wir waren sehr konzentriert, haben bissig und aggressiv nach vorne gespielt. Wir hatten uns vorgenommen, den Gegner früh unter Zugzwang zu bringen. Das ist uns gelungen. Nach dem frühen Tor haben wir vieles richtig gemacht. Von daher war der Sieg auch in der Höhe verdient. Es war mir eine Freude, Ibrahima Traoré, László Bénes und Tobias Strobl mit Kurzeinsätzen belohnen zu können. Jetzt freuen wir uns auf Schalke. Mit denen haben wir noch so manche Rechnung offen. Wir wollen da gewinnen.“

Bruno Labbadia (VfL Wolfsburg): „Wir haben in der ersten Halbzeit nicht ins Spiel gefunden und konnten uns nicht in den Zweikämpfen durchsetzen. Außerdem hatten wir sehr einfache Ballverluste, gerade in den ersten 15 Minuten. Dadurch haben wir Gladbach aufgebaut, weil sie gerne den Ball haben wollen.

Und wir haben einfache Tore kassiert. Wir haben dem Gegner in die Karten gespielt und ein paar Dinge nicht umgesetzt. In der zweiten Halbzeit haben wir dann das gemacht, was wir schon vor der Pause machen wollten. Wir wollten höher stören und Gladbach nicht ins Spiel kommen lassen. Entscheidend waren aber die vielen Ballverluste. Dadurch sind wir nur hinterhergerannt.“

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