Eberl zu Borussia-Ärger: „Die Luft wird dünner“

Eberl zu Borussia-Ärger: „Die Luft wird dünner“

Mönchengladbach (dpa) - Der Trainer in der Kritik, der Sportdirektor in der Schusslinie und auch die Clubführung umstritten. Der sportliche Absturz von Borussia Mönchengladbach zum Ende der Bundesliga-Hinrunde ist auch für die größten Kritiker an einer Person gar nicht festzumachen.

Clubchef Rolf Königs, der an der sportlichen Situation noch die geringste Schuld hat, musste sich in der Vergangenheit immer wieder Zweiflern und Nörglern stellen. Coach Michael Frontzeck war von Beginn an nicht unumstritten und muss die Misserfolgsserie natürlich auch verantworten. Zuletzt ist Sportdirektor Max Eberl von den Gladbacher Fußball-Urgesteinen Berti Vogts und Günter Netzer angegangen worden.

Der 37 Jahre alte Ex-Profi ist seit mittlerweile zwölf Jahren in verschiedenen Positionen bei der Borussia tätig und damit fast so lange wie einst Vogts und länger als Netzer. Seit mehr als zwei Jahren trägt Eberl als Sportdirektor die Verantwortung, zuvor arbeitete er drei Jahre als Nachwuchschef für den Club. Er verstecke sich hinter dem Club, behauptete Vogts. Eberl habe nichts vorzuweisen, meinte Netzer, der sich via TV-Interview sogar mit Vizepräsident Rainer Bonhof, seinem früheren Mitspieler, stritt.

Die Kritik hat Eberl getroffen, wenn sie auch aus weiter Ferne kam von Menschen, die das interne Geschehen in Mönchengladbach derzeit kaum beurteilen können. „So etwas kostet immer Kraft“, räumte Eberl ein, der eigentlich nie um eine Stellungnahme verlegen ist und sich auch gegen die Vorwürfe zu Wehr setzte. Er habe Vogts leider nie kennengelernt und hätte sich gerne mal ihm ausgetauscht, meinte Eberl, der wie einst als rechter Verteidiger auf dem Spielfeld auch in seiner zweiten Karriere großen Kampfgeist zeigt.

Unterstützung erhält der gelernte Sportfachwirt aus der hauseigenen Chefetage. „Max Eberl kämpft für Borussia, und das macht er gut. Auch er muss sich mal wehren dürfen, wenn es ungerechtfertigte Vorwürfe gibt“, sagte Bonhof.

Natürlich steht Eberl wie Frontzeck für die sportliche Entwicklung in der Verantwortung und ist an der aktuellen Situation nicht ganz schuldlos. Bei der Kaderplanung im Sommer haben Trainer und Sportdirektor die Stabilisierung der Defensive unterschätzt und auch ein drohendes Problem auf der Torhüter-Position nicht richtig wahrgenommen.

Immerhin haben die sportlich Verantwortlichen erkannt, dass die Trendwende ohne Verstärkungen für die Rückrunde nicht möglich ist. „Wir werden im Winter auf jeden Fall noch etwas tun. In der Defensive ohnehin“, sagte Eberl und kündigte damit eine Kurskorrektur an. Ob es damit reicht, die Krise zu meistern, bleibt abzuwarten. Wenn nicht, wird die Luft auch für Borussias Sportdirektor dünner.

Mehr von Westdeutsche Zeitung