Der Gladbacher Befreiungsschlag

Der Gladbacher Befreiungsschlag

Fussball: Das 4:1 gegen Hamburg nährt die Hoffnung auf den Klassenerhalt und offenbart ein intaktes Verhältnis zwischen Fan-Liebling Marin und Trainer Meyer.

Mönchengladbach. Der Vereinspräsident darf sich zu jedem und allem äußern. Das ist sein gutes Recht. Also nutzte Rolf Königs die Gelegenheit für klare Worte: "Hans Meyer ist ein Glücksfall für Marko Marin, und ich kann dem Jungen nur empfehlen, sich sehr intensiv an den Trainer anzulehnen", sagte der Gladbach-Boss in einem Interview, in dem er Mönchengladbachs Juwel indirekt aufgefordert hatte, sich nicht ständig über mangelnde Einsatzzeiten zu beklagen.

Diesmal brauchte Marins Auswechslung nach 67 Minuten allerdings nicht zum zentralen Thema hochstilisiert zu werden. Meyer und Marin kamen sich gleichwohl ganz nahe, als Marin rausging und Neuville reinkam. "Marko hat drei Tage mit Magen-Darm-Grippe im Bett gelegen und war mit seinen Kräften am Ende", klärte Meyer nach dem 4:1-Sieg des bisherigen Tabellenschlusslichts gegen den HamburgerSV auf. Und nach einer kleinen Atempause fügte er lächelnd hinzu: "Bevor ich es vergesse. Marko hat richtig gut gespielt." Marin bereitete das erste Tor vor, erzielte das 4:1 per Elfmeter.

Es muss mit der Irrationalität des Fußballgeschäfts zu tun haben, dass dieses manchmal wie aus dem Nichts Überraschendes hervorbringt. Nun ist ja Marko Marin, den der HSV im Sommer gerne aus dem bestehenden Vertrag in Mönchengladbach (bis 2010) loseisen will, angesichts seines feinen Gespürs im Umgang mit dem Ball bekanntermaßen eine kleine Kostbarkeit im VfL-Ensemble.

Am Samstag aber verblüfften plötzlich andere Borussen mit Eleganz und Technik. Das Frühlings-erwachen beim VfL eröffnete Rob Friend mit dem 1:0 (24.). Mehr als 700 Minuten war der Kanadier ohne eigenen Treffer geblieben. Dann schlenzte der robuste Linksverteidiger Tobias Levels bei seinem ersten Bundesliga-Tor überhaupt (42.) den Ball im Fallen ins verwaiste Hamburger Tor. Und der eingewechselte Roul Brouwers weckte mit einer gefühlvollen Volleyabnahme (53.) endgültig die Lebensgeister in der Arena.

4:1 gegen das Bundesliga-Gründungsmitglied von der Alster - es waren die Tore, die die Trübsal beim Traditionsverein einfach wegbliesen. Und so trug auch der Cheftrainer Hans Meyer am Ende eines denkwürdigen Bundesligaspiels eine zuversichtliche Miene zur Schau: "Der Moment ist jetzt gekommen, dass es wieder berechtigte Hoffnung gibt. Und das ist eine wunderbare Sache."

Harmonie und Leidenschaft ließen die Hamburger indessen vermissen. So gesehen stünde dem ambitionierten Nordlicht ein Juwel wie Marko Marin gut zu Gesicht. Doch Gladbachs Jung-Nationalspieler denkt nicht daran, sich zu diesem Thema konkret zu äußern. "Ich konzentriere mich einzig und allein auf die Borussia und den Abstiegskampf. Das 4:1 war ein wichtiger Schritt."