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Das sind die Baustellen von Borussia Mönchengladbach

Fußball-Bundesliga : Das sind die Baustellen von Borussia Mönchengladbach

Mit dem Spiel beim FC Bayern startet Fußball-Erstligist Borussia Mönchengladbach am Freitag (20.30 Uhr) in die Rückrunde. Aber der Trubel im Verein ist gewaltig. Es gibt einiges abzuarbeiten.

Die Stimmung

Ist mindestens angespannt. Die klaren Ansagen in den Personalfragen Matthias Ginter und Denis Zakaria stehen in ihrer Auswirkung jetzt auf dem Prüfstand – im Verein und bei den Anhängern. Dass beide Leistungsträger und Nationalspieler den Verein auf jeden Fall im Sommer verlassen werden, verunsichert, vor allem um den Club herum. Zwar herrscht nach einer elend langen Phase der Ungewissheit in diesen Fragen Klarheit, die aber könnte auch negative Prozesse in Gang setzen. So halten sich hartnäckig die Gerüchte, dass Spieler wie Alassane Plea oder Marcus Thuram die Lust verlieren könnten, künftig weiter in Mönchengladbach zu spielen.

Die sportliche Bilanz der letzten Zeit hat nachhaltig am Selbstvertrauen genagt: Von möglichen 114 Punkten holte das Team unter Ex-Trainer Marco Rose und Neu-Trainer Adi Hütter zuletzt nur 50 Punkte. Dazu gesellen sich die jüngsten Coronafälle von Mamadou Doucoure, Joe Scally, Zakaria und Keanan Bennetts aus der vergangenen Woche, die nach Reisen infiziert zurückkehrten. Das alles trägt nicht zu jener Stimmung bei, die es bräuchte, um am Freitag zum Rückrundenauftakt eine Überraschung beim FC Bayern (20.30 Uhr) schaffen zu können. Oder gerade doch?

Die Wechselwilligen

„Wir haben jetzt Klarheit und mit der Klarheit können wir arbeiten“, sagte Gladbachs Sportdirektor Max Eberl zuletzt zu den Entscheidungen von Ginter und Zakaria. Weitere Trennungen sind nicht ausgeschlossen, wenn auch Eberl den Transfermarkt derzeit als „schwierig“ kennzeichnet. Dass Ginter und Zakaria noch in der bis Ende Januar laufenden Transferperiode den Verein verlassen, ist möglich, aber gar nicht wahrscheinlich: Beide wären am Saisonende ablösefrei und müssten bei einem Wintertransfer hingegen wohl auf ein größeres persönliches Handgeld durch den aufnehmenden Verein verzichten. Warum sollten sie das tun?

Unklar auch, ob Eberl überhaupt auf schnelle Transfers der beiden drängt: Es ist die Abwägung, ob sich noch ein kleineres Schmerzensgeld kurz vor Vertragsschluss erwirtschaften lässt oder aber die Erkenntnis überwiegt, mit Ginter und Zakaria in der Rückrunde sportlich besser dazustehen: Immerhin gilt es, einiges gutzumachen – und mit dem DFB-Pokal hat Borussia Mönchengladbach noch ein Eisen im Feuer. Für Ginter soll sich Inter Mailand interessieren, der Meister der Serie A habe im Rennen um den 27-Jährigen das beste Angebot auf den Tisch gelegt, berichtete zuletzt die „Gazzetta dello Sport“. Konkret geht es demnach um einen Vierjahresvertrag und bis zu 4 Millionen Euro je Saison. Auch der FC Bayern ist gerüchteweise ins Rennen eingestiegen. Zakarias Zukunft könnte bei Juventus Turin, AS Rom oder dem FC Barcelona liegen, auch Dortmund soll interessiert sein.

Der Sportdirektor

Niemand erfährt so viel Achtung im Verein wie Sportdirektor Max Eberl, aber der unglückliche Verlauf der Vertragsgespräche mit Ginter und Zakaria belastet natürlich auch ihn. Schließlich hat Gladbach für Ginter (27) im Jahr 2017 17 Millionen Euro ausgegeben, auch Zakaria (25) kam seinerzeit aus Bern für 12 Millionen Euro. In einer Zeit, in der man sich das getrost leisten konnte, in der man wirklich besser werden wollte. Aber immer auch so kalkulierte, dass ein späterer Weiterverkauf mit Gewinn gut möglich sein würde. Daraus wird nun nichts: Beide Spieler vertrags- und somit ablösefrei zu verlieren, ist für einen Fußball-Manager ein Horrorszenario. Zumal in einer Phase, in der der Verein pro Geisterspiel Einnahmen von gut zwei Millionen Euro verliert und international ohnehin darbt.

Eberl mühte sich, öffentlich auch seine aktive Rolle im Wechselprozess darzustellen, indem er eingeforderte Klarheit formulierte, um nicht als willfähriges Opfer dazustehen und weiter belastet in die Rückrunde zu gehen. Ginter forderte er nun via „Bild“ auf abzuliefern: „Er muss nun richtig gute Leistungen bringen, um einen neuen Verein zu finden. Er will bei der WM im Winter dabei sein.“ Auch Zakaria wird intern alles abverlangt werden. Eberl muss es aber auch schaffen, bei aller eigenen Enttäuschung die Spieler vor den eigenen Anhängern zu schützen. Für die haben nämlich beide Spieler aus Eigensinn die Gelegenheit verstreichen lassen, dem Verein etwas zurückzugeben. Für andere wiederum haben da zwei Arbeitnehmer schlicht ihre Verträge erfüllt. Der Unterschied zwischen beiden Sichtweisen ist Emotion.

Der Trainer

Adi Hütter muss in der Rückrunde beweisen, dass er wie in Frankfurt Krisen meistern und mit seiner Mannschaft wiederauferstehen kann. Noch hat der Österreicher in Mönchengladbach nicht den Status, den er bei der Eintracht hatte, bevor das Konstrukt mit seinen Gefährten Fredi Bobic und Bruno Hübner zusammenbrach. Zwar gilt Hütter als gefestigter Charakter und genießt von Eberl jede Unterstützung, klar ist aber, dass nur Erfolge eine Mannschaft wieder festigen, in der viele Talente zuerst geglänzt haben, als die gesamte Struktur noch stimmte, in der jetzt aber auch gegenseitiger Halt gefragt ist. Der ist nicht mit Spielern herzustellen, die womöglich wenig Bindung zum Verein fühlen. Wohl auch deshalb hat Jordan Beyer gerade bis 2026 verlängert, auch Patrick Herrmann soll bleiben, womöglich auch Jonas Hofmann früh verlängern. Angeblich gehen soll hingegen der Österreicher Hannes Wolf. Celtic Glasgow soll Interesse zeigen.

Die Perspektive

Mit 19 Punkten grüßt Gladbach vom 14. Platz, gerade zwei Punkte entfernt vom Relegationsrang, den derzeit der VfB Stuttgart ziert. Die Blickrichtung darf ob der Qualität des Kaders eigentlich nur nach oben gehen. Aber das Programm hat es in sich: Zuerst spielt die Borussia beim FC Bayern (am Samstag folgt ein Testspiel bei Viktoria Köln), dann gegen Bayer Leverkusen, darauf im Pokal bei Hannover 96, und dann kommt Union Berlin. Nach diesem Januar wird man sehr viel klarer sehen.