Borussia siegt – Kluge geht

Nando Rafael erzielt beim 3:1-Sieg gegen Hertha zwei Tore. Peer Kluge wechselt ablösefrei zum 1. FC Nürnberg.

Mönchengladbach. Eigentlich erweckte Jos Luhukay bisher den Eindruck, ein Trainertyp zu sein, der die Dinge kühl und sachlich analysiert. Mit Blick auf Nando Rafael, den zweifachen Torschützen beim 3:1-Sieg gegen dessen alten Verein Hertha BSC, geriet der Trainer des Fußball-Bundesligisten Borussia Mönchengladbach allerdings ins Schwärmen: "Nando war unheimlich laufstark und immer anspielbar. Und das allerwichtigste: Er hat vorne die Tore gemacht." Damit hat er die Borussia zwar nicht aus dem Tabellenkeller geschossen, aber immerhin bis auf drei Punkte ans rettende Ufer.

Der 23-jährige Stürmer genießt nun das Vertrauen, das er unter Köppel und Heynckes nicht immer bekam. Einen weiteren Grund für die momentane Stärke sieht Rafael in seiner Position: "Ich bin ja auch schon einige Male im Mittelfeld zum Einsatz gekommen. Aber nur im Sturm kann ich intuitiv arbeiten."

Rafael war schon mit seinem Last-Minute-Tor gegen Bremen der Held, und letzte Woche in Wolfsburg wäre es auch beinahe so weit gewesen, wenn die Torlatte nicht im Weg gewesen wäre.

Hört man sich in der Mannschaft um, erfährt man, dass jeder Rafael den sportlichen Erfolg gönnt. Doch der Herzschrittmacher für Borussias Offensive gibt die Blumen bescheiden zurück: "Ich freue mich eher für die Mannschaft als für mich." Wenn Rafael Borussias Herzschrittmacher ist, dann ist Peer Kluge die Lunge. Borussias bester und konstantester Rückrundenspieler zerriss sich gegen die Hauptstädter, grätschte, war wie gewohnt viel unterwegs - und bereitete beide Nando-Tore mustergültig vor. Vor allem vor dem 2:1, als er dem routinierten Brasilianer Gilberto den Ball gekonnt abluchste. "Kompliment an Peer, wie er heute für die Mannschaft gekämpft hat", lobte der Doppeltorschütze den Doppel-Vorlagengeber.

Christian Fiedler, Torhüter bei Hertha BSC Berlin, über den zweifachen Torschützen Nando Rafael.

Er hat in den Wirren des Bürgerkriegs in Angola mit neun Jahren seine Eltern verloren, floh in die Niederlande, war Musterschüler in der Ajax-Akademie von Amsterdam, wurde von Hertha BSC-Trainer Falko Götz zum Schluss ausgemustert und nach Gladbach transferiert - gut ein Jahr dauerte es bei Nando Rafael, um in der Bundesliga Fuß zu fassen. Mit seinem Last-Minute-Tor gegen Werder Bremen und dem Doppelpack jetzt gegen Berlin bescherte der 23-Jährige dem VfL vier Punkte im Abstiegsrennen. Ein Silberstreifen am Horizont.

Auf der Zielgeraden dieser Spielzeit ist der Verein darüber hinaus eng zusammengerückt. Alle 81 Angestellten, die Präsidiumsmitglieder, Ehrenamtlichen sowie - beim Warmmachen - auch die Spieler - trugen Trikots, auf deren Rückfront in großen Lettern "EIN TEAM" prangte. Und da auch der neue Fußball-Chef Christian Ziege als Motivator am Spielfeldrand alles gab, fügte sich diesmal ein Mosaiksteinchen dem anderen zu.