Borussia-Park: Torjubel, Konzerte, Konferenzen

Borussia-Park: Torjubel, Konzerte, Konferenzen

Die vor fünf Jahren eröffnete Arena bietet auch Platz für Stars anderer Couleur. 2011 steigt dort die Fußball-WM der Damen.

Mönchengladbach. Pop-Konzerte, Jubiläumsfeiern mit internationalen Top-Stars, Tagungen, hochkarätige Konferenzen - der Borussia-Park am Rande der linksrheinischen Großstadt Mönchengladbach steht längst nicht mehr nur für Profifußball. Gleichwohl ist das faszinierende Spiel mit dem Ball das Kerngeschäft des Fußball-Bundesligisten in der fast auf den Tag genau fünf Jahre alten neuen Arena.

Mit der am 30. Juli 2004 eröffneten neuen Sportstätte haben sich für Borussia Mönchengladbach ganz andere Möglichkeiten aufgetan, die auch der Deutsche Fußball Bund mehr und mehr zu würdigen weiß. Denn nach mehreren Länderspielen des Nationalteams im Borussia-Park steht demnächst die Weltmeisterschaft der Frauen vor der Tür, bei der Gladbach 2011 mit drei Begegnungen groß im Rennen ist und die Aufmerksamkeit über die Grenzen hinaus auf sich lenkt. "Das ist ein weiterer Volltreffer und eine Herausforderung für den Verein und für die Stadt", sagt Borussias Geschäftsführer Stephan Schippers.

Darüber hinaus hat die Deutsche Fußball Liga (DFL) erst kürzlich das Leistungszentrum im Borussia-Park aufs Höchste gelobt und als vorbildlich eingestuft. DFL-Geschäftsführer Holger Hiernoymus: "Wenn wir alle Klubs auf dem Niveau der Nachwuchsarbeit von Borussia Mönchengladbach hätten, wären wir sehr zufrieden. Das ist schon ein klares Vorzeigeobjekt."

Das haben die Macher im Park natürlich gerne vernommen. "Es war schwierig am Anfang, aber wir haben aus wenig viel gemacht. Die Jugend ist unser größtes Kapital", sagt Borussias Sportdirektor Max Eberl, "wir wollen unseren Nachwuchsspielern optimale Bedingungen bieten. Ich will unsere Talente jubeln sehen."

Dass Konzept greift offenbar, wird immer erfolgreicher. Marko Marin ist einer, der durch die Borussen-Schule gegangen ist. Er hat es binnen kürzester Zeit zu einem gestandenen Bundesligaspieler gebracht. Dass er sich allerdings so schnell aus dem Staub gemacht hat, ist ein kleiner Wermutstropfen. Bei einem Transfererlös von mehr als acht Millionen Euro lässt sich der Abschied allerdings auch verschmerzen. An die neuen Gesichter wird man sich im Borussia-Park noch gewöhnen müssen: Marin ist weg, das zweite Talent Alexander Baumjohann beim FCBayern gelandet, der alte Routinier Tomas Galasek in die tschechische Heimat zurückgekehrt - drei spielerisch veranlagte Profis also, die dazu beigetragen haben, dass es in Mönchengladbach weiter Erstligafußball zu sehen gibt, Spitzensport der Güteklasse A. Ein Glück, dass zwei Eckpfeiler der Aufholjagd im Mai diesen Jahres geblieben sind und der Borussia richtig gut tun: Der noch verletzte Torwart Logan Bailly und Abwehr-Chef Dante, dessen Last-Minute-Kopfball-Tor in Cottbus erst die Weichen auf Klassenverbleib gestellt hat.

Borussias Defensiv-Abteilung in Bestbesetzung, also mit Bailly, Levels, Brouwers, Dante und Daems, sowie dem belgischen Neuzugang Marcell Meeuwis als Abräumer vor der Abwehr - sie könnte sich im verflixten "zweiten Jahr" nach dem bitteren Abstieg 2007 als Bollwerk entpuppen. Aber fasst auch die Kreativ-Abteilung im Borussia-Park mit vier weiteren durchaus respektablen Neuen (Marx, Arango, Bobadilla und Reus) schnell Fuß im Fußball-Oberhaus.

Cheftrainer Michael Frontzeck, ebenfalls ein (altes) neues Gesicht im Borussia-Park, wird sie nicht alle auf einmal bringen können. Aber mit seinem Kennerblick wird der Ur-Borusse schon die richtigen Entscheidungen treffen. Von seinem glücklichen Händchen dürfte es mit abhängen, wie sich die Gladbacher in der Liga präsentieren. Einen soliden Start erwischen - das ist erste Voraussetzung vor dem Auftaktspiel in die 42.Gladbacher Bundesligasaison. Denn nach der verheerenden Hinrunde der vergangenen Spielzeit (elf Punkte nach 17 Spielen) war das niederrheinische Flaggschiff bereits dem Untergang geweiht, ehe es die Havarie vermeiden konnte.

Der Pokalsieg beim FSV Frankfurt war ein erstes Ausrufezeichen. Jetzt schaut Gladbach gespannt auf die ersten Spiele, auf das in Bochum, die Heimpartie gegen Hertha, das Gastspiel in Bremen, wo Torwart-Hüne Logan Bailly seine Sternstunde in der Bundesliga erlebt hat. Auf jeden Fall wird der Profi-Fußball, das Hauptgeschäft im Borussia-Park, wieder etliche Highlights bieten und die Fans in seinen Bann ziehen - bei den Westderbys gegen Dortmund, Köln und Schalke zum Beispiel, die allesamt zunächst in Gladbach über die Bühne gehen. Die 42. Saison für den VfL Borussia kann beginnen.

Mehr von Westdeutsche Zeitung