Borussia Mönchengladbach: Warum die Borussia plötzlich schwächelt

Verlierer des Wochenendes : Warum die Borussia plötzlich schwächelt

Die Fohlen-Elf kann nur einen Sieg in den letzten fünf Pflichtspielen verzeichen. Torwart Sommer sieht „die Gefahr eines Absturzes auf keinen Fall.“

Die Auftaktniederlage auf Schalke (0:2) ist ad acta gelegt, Borussia Mönchengladbach bereitet sich seit gestern auf die Heimpremiere 2020 im Borussia-Park gegen Mainz 05 vor (Samstag, 15.30 Uhr). Für Rechtsverteidiger Stefan Lainer war das unerfreuliche Ergebnis am vergangenen Freitag noch mit einer weiteren Enttäuschung verbunden. Der Österreicher quittierte seine fünfte gelbe Karte und kann seiner Mannschaft am 19. Spieltag nicht dabei helfen, einen ersten Erfolg im neuen Jahrzehnt einzufahren. Obendrein geht es für die Fohlen Elf in dieser Begegnung darum, erst gar nicht das Gefühl aufkommen zu lassen, sie könnte in den Sog einer Krise geraten.

Lainer macht seinen Mitspielern vielmehr Mut und geht verbal in die Offensive. „Ich bin zuversichtlich, dass wir uns gut auf das Spiel vorbereiten und ein Feuerwerk abbrennen werden“, sagte er im Interview auf der vereinseigenen Homepage, „wir wollen im eigenen Stadion wieder couragierten und kampfbetonen Fußball spielen. Denn ohne Kampf und ohne Einsatz geht es am Ende nicht.“ Dass er selbst das Versprechen nicht einlösen kann, sei nun einmal der Lauf der Dinge: „Natürlich ist das ärgerlich, aber irgendwann musste es ja passieren. Ich kann nicht ewig auf den vier gelben Karten sitzen bleiben.“

„Im Moment fehlt auswärts der letzte Punch“

Gladbachs Cheftrainer Marco Rose bekräftigte kürzlich in einem Interview seine Überzeugung, dass es sich immer lohnt, dafür zu arbeiten, als Sieger vom Platz zu gehen, ganz unabhängig vom jeweiligen Spielstand. In weiten Teilen der Eröffnungspartie der Bundesliga-Rückrunde bei Schalke 04 beließ es Borussia Mönchengladbach allerdings bei zaghaften Versuchen und halbherziger Herangehensweise. „Im Moment fehlt uns auswärts der letzte Punch“, bemerkte Mittelfeldspieler Jonas Hofmann, der selber zu selten in der Lage war, die Kontrolle im Mittelfeld zu übernehmen und das Spiel der Fohlen anzutreiben, einer Rolle, die ihm eigentlich liegt. Gladbach fehlte somit die ordnende Hand und… „wir haben einfach zu wenig Durchschlagskraft entwickelt“, so Hofmann weiter.

Zu wenig Durchschlagskraft? Trainer Rose hatte, als wolle er die Schalker Arena im Handstreich nehmen, nahezu alle verfügbaren Offensivkräfte aufgeboten, setzte auf ein Trio im Angriff (Herrmann, Plea, Thuram) und hoffte auf Power dahinter durch Embolo und Hofmann. Doch der Schuss ging nach hinten los, das Vorhaben scheiterte, mehr Flaute statt furiosen Fußballs. Die Gladbacher waren in den Köpfen und Beinen zu behäbig und im Spielaufbau zu fehlerhaft. Das Ende vom Lied: Sie waren in der Spitzengruppe der Bundesliga die Verlierer des Wochenendes, sind seit 203 Minuten ohne Tor. Zudem gelang es ihnen nicht, die Ausfälle von Nico Elvedi und Ramy Bensebaini in der Viererkette zu kompensieren. Deren Vertreter Tony Jantschke und Oscar Wendt schienen zumindest an diesem Abend überfordert.

Als Kapitän Lars Stindl (72. Min.) und Florian Neuhaus (59.) eingewechselt wurden, kam zwar etwas mehr Linie ins Spiel, für eine Wende reichte es aber nicht. Schalkes Cheftrainer David Wagner hatte seiner sich in Bestform präsentierenden Elf ein hochwirksames Positionsspiel mit auf den Weg gegeben, das immer wieder zu Überzahlsituationen führte und die Fohlen-Elf nicht zur Entfaltung kommen ließ. Keine Frage, mit dem Traditionsverein aus dem Ruhrgebiet ist der Kreis der Anwärter auf einen Champions-League-Platz gewachsen.

Gladbach, immer noch vor Schalke, muss indes zusehen, dass es insbesondere auswärts eine Schippe drauflegt (vier Niederlagen, nur Achter in der Gesamtwertung). Zum Jahresauftakt überzeugten lediglich Matze Ginter, Denis Zakaria und insbesondere Yann Sommer. Der Schweizer Nationaltorwart war in Topform und vereitelte fast ein halbes Dutzend bester königsblauer Chancen. „Wir hatten Mühe mit dem Anlaufen der Schalker, waren nicht schnell und bissig genug. Die Niederlage ist sehr ärgerlich“, konstatierte Sommer, „wir hatten uns so viel vorgenommen. Die Gefahr eines Absturzes sehe ich aber auf keinen Fall.“ Zumal es jetzt wieder vor im heimischen Borussia-Park weiter geht, in dem die Fohlen-Elf bisher 22 von 27 möglichen Punkten holte (Nummer 1 in der Liga). Vielleicht sind sie ja dann mal wieder die Gewinner des Spieltags.