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Borussia Mönchengladbach gegen Köln: Augenhöhe nur für 90 Minuten

Borussia Mönchengladbach : Gladbach gegen Köln: Augenhöhe nur für 90 Minuten

Lange Zeit lagen „Fohlen“ und „Geißbock“ eng beieinander. Seit wenigen Jahren aber entwickeln sich die beiden Rivalen in unterschiedliche Richtungen. Am Sonntag gibt es wieder ein direktes Duell.

Der erste Bundesliga-Meister war 1964 der 1. FC Köln. Da gehörte Borussia Mönchengladbach dem deutschen Fußball-Oberhaus noch gar nicht an. Zwar erlebten die „Fohlen“ dann einen steilen Aufstieg, der Nachbar aus der Domstadt aber blieb ein starker Konkurrent. Unvergessen, wie sich die Kölner 1978 mit einem 5:0 beim FC St. Pauli die mit dem 12:0 über Borussia Dortmund gefährlich heranrückenden Gladbacher vom Hals halten und die Meisterschale sichern konnten. 20 Jahre später begann da wie dort der Niedergang, weitere gut 20 Jahre später jedoch hat sich einer der beiden Rivalen vom anderen entfernt.

Rolf Königs und Max Eberl lernten aus ihren Fehlern

Natürlich kann der 1. FC Köln am Sonntag das 90. Bundesliga-Duell beim insgesamt 123. Aufeinandertreffen mit der Borussia für sich entscheiden. Zumindest mittelfristig aber würde dies nichts an der Vormachtstellung der Gladbacher ändern. So jedenfalls bewertet es das Fachmagazin „kicker“, welches seine jeweiligen Experten Jan Lustig und Frank Lußem die Situation in beiden Vereinen hat analysieren lassen. Fazit: Borussia hat den 1. FC Köln abgehängt, weil sich die beiden Vereine in der jüngeren Vergangenheit völlig konträr entwickelt haben.

Dabei wuselten die „feindlichen Brüder“ noch in der Saison 2007/08 zusammen in der zweiten Liga herum. Borussia war 1999 wie auch 2007 als jeweils fahl schimmerndes Schlusslicht aus der Bundesliga abgestiegen. Der „Effzeh“ hatte die Beletage zu diesem Zeitpunkt nach 1998, 2002, 2004 sowie 2006 bereits viermal verlassen müssen. Entscheidender Wendepunkt war der Mai 2011.

Gladbach taumelte seinem dritten Abstieg entgegen und hinter den Kulissen forcierten Stefan Effenberg, Horst Köppel sowie Berti Vogts einen Putsch gegen Präsident Rolf Königs und Manager Max Eberl.

Borussias Vereinsmitglieder votierten 2011 gegen den Umsturz

Die Vereinsmitglieder aber votierten gegen den Umsturz. Vielleicht auch in der Euphorie der sportlichen Aufholjagd und des in der Relegation gegen den VfL Bochum geschafften Klassenerhaltes, dennoch war dieses Abstimmungsergebnis das große Glück der Borussia. Königs und Eberl lernten aus ihren Fehlern, sportlich ging es bergauf und mit den Erfolgen stiegen auch Umsatz wie Gewinn. Der Verein investierte die Gelder und Transfererlöse dabei nicht nur in Beine, sondern auch in Steine. Heute findet sich im Borussia-Park nicht nur das Stadion, sondern ein Komplex, mit dem der Verein für die Zukunft gut aufgestellt ist.

Und der 1. FC Köln? Als sich die „Fohlenelf“ 2012 für Europa qualifizierte, stieg der „Effzeh“ zum fünften Mal ab. Daraus schienen 60 Kilometer südöstlich von Mönchengladbach endlich Lehren gezogen worden zu sein, nach dem direkten Wiederaufstieg gab es eine Konsolidierung. Schuldenabbau, Anhäufung von Eigenkapital und einiges mehr ließen auf eine bessere Zukunft hoffen. 2017 konnte mit Platz fünf und der Qualifikation zur Europa League der Borussia gar dicht auf die Pelle gerückt werden. Der sechste Abstieg 2018 aber warf den Verein viele Jahre zurück. Auch weil er sich bei zu vielen Dingen selbst im Wege steht.

Während in Gladbach nur wenige Personen für die wichtigen Entscheidungen zuständig sind, müssen beim „Effzeh“ große Gruppen informiert werden. Jeder will mitsprechen und ist mit irgendwem in der Stadt vernetzt. So etwas erschwert die Führung eines Clubs, im schlimmsten Falle lähmt es. So kostete den FC  erst neulich die Debatte um ein Geschäft im politisch kritisch gesehenen China 1,3 Millionen Euro. Angesichts der Tatsache, dass Peking seit über 30 Jahren die Partnertstadt von Köln ist, hätte sich da sicher eine dem Ansinnen gerecht werdende Sprachregelung finden können. Doch Dialog gehört nicht zu den Stärken des „Effzeh“. Einer Erweiterung des zwar charmanten, aber längst nicht mehr zeitgemäßen „Geißbockheims“ stellt sich eine Bürgerinitiative entgegen. Zudem verweigert Oberbürgermeisterin Henriette Rekers dem „Effzeh“ die politische Unterstützung und auch die treuen Fans müssen sich an die eigene Nase fassen. Für sie ist der Stadion-Standort Müngersdorf „unverhandelbar“. Dabei zahlt der 1. FC Köln rund zehn Millionen Euro pro Saison als Miete an die Stadt. Der Bau des eigenen Stadions aber war bei der Borussia 2004 just der wichtigste Stein in eine neue Zeitrechnung.

Am Sonntag wird all das ab 15.30 Uhr für 90 Minuten in den Hintergrund rücken. Dann zählt’s im Derby. Gladbachs Verteidiger Nico Elvedi sagt: „Wir wissen, was unseren Fans ein Derby-Sieg bedeutet.“ Mehr als andere Erfolge in der Bundesliga.