Analyse: Gladbach zeigt die richtige Reaktion

Borussia M’Gladbach: Gladbach zeigt die richtige Reaktion - Das Spiel in der Analyse

Borussia Mönchengladbach hat die eigenen Fans gegen Freiburg und Leverkusen enttäuscht. Gegen Fortuna Düsseldorf ist dem Team nun Wiedergutmachung gelungen.

Borussia Mönchengladbach hat eine bemerkenswerte Reaktion auf das bittere Aus im DFB-Pokal gegen Bayer Leverkusen gezeigt. Vier Tage nach der 0:5-Blamage gegen den Werksklub setzte sich der VfL am Sonntag im Derby gegen Aufsteiger Fortuna Düsseldorf im heimischen Borussia-Park souverän mit 3:0 (0:0) durch. Mit diesem Erfolg stürmen die Fohlen an Leipzig und Bayern München vorbei auf Platz zwei in der Tabelle und sind aktuell Dortmund-Jäger. Hazard per Doppelpack und Hofmann markierten die Treffer für Gladbach gegen den insgesamt zu harmlosen Aufsteiger aus der Landeshauptstadt.

Die Schande des Spiels: So sehen keine guten Derby-Verlierer aus! Teile der aktiven Fan-Szene Fortuna Düsseldorf hatten zum Nachbarschafts-Duell in den Chaoten-Modus geschaltet und warfen kein gutes Licht auf „95“. So zündelten dutzende Straftäter immer wieder Bengalos im Stadion, schon zu Spielbeginn zogen dicke Rauchschwaden durch die ausverkaufte Arena. Dazu knallten immer wieder Böllerschläge und versetzen vor allem die Besucher in der Südkurve in Angst und Schrecken. Der Stadionsprecher forderte wiederholt die Chaoten aus der Landeshauptstadt auf, ihr Treiben zu unterlassen. Düsseldorfs Kapitän Rouwen Hennings hatte bereits in der ersten Halbzeit mit Gesten Richtung eigene Kurve versucht, das illegale Feuerwerk zu unterbinden. Ohne Erfolg. Mitte der zweiten Halbzeit hatte Schiedsrichter Felix Brych dann genug Feuerwerk gesehen und gehört, ließ per Stadionlautsprecher mitteilen, dass die Partie unterbrochen werde, sollten die Fortuna-Chaoten nicht zur Vernunft kommen, zudem schickte er Hennings erneut in die Kurve. Das wirkte. Allerdings nur bis wenige Sekunden vor dem Abpfiff, dann gingen die roten Pyro-Fackeln der Fortuna-Chaoten wieder an.
Allerdings muss in diesem Zusammenhang auch die Frage gestellt werden, wie es den Straftätern aus Düsseldorf gelingen konnte, eine derartige Menge von Knallkörpern am Ordnungsdienst der Borussia vorbei ins Gladbacher Stadion zu schmuggeln.

Der Spieler des Spiels: Derby-Held - Thorgan Hazard hat sich diesen Status dank seines Auftrittes gegen den Nachbarn aus Düsseldorf erarbeitet. Dem Belgier gelang ein Doppelpack, er war von der Fortuna-Defensive nicht aus dem Spiel zu nehmen. Thorgan netzte vom Elfmeterpunkt zum wichtigen 1:0 als Brustlöser für die Fohlen ein, später jagte er die Kugel zum Endstand in die Maschen. Sein Trainer Dieter Hecking sagte anschließend begeistert: „Thorgan blüht seit Wochen auf und macht seine Tore, das ist für uns natürlich sehr gut.“ Hazard hat nun bereits sieben Tore (drei Vorlagen) in der Bundesliga auf dem Konto.

Der Rückkehrer des Spiels: Mit Rekord-Stürmer Alassane Plea hatte Coach Dieter Hecking neben Hazard einen Akteur, der den Unterschied ausmachte. Plea traf zwar nicht, war allerdings ein ständiger Unruheherd. Er holte den Handelfmeter raus, der Fortuna auf die Verlierer-Straße brachte. Später legte „Lasso“ Hazard den Ball beim 3:0 genau in den Lauf. Hecking: „Alassane hat in den vergangenen Wochem immer gezeigt, dass er den Unterschied machen kann. Klar, er war eine Woche raus, wir waren froh, dass das Muskelproblem im Oberschenkel sich nicht als schwerere Verletzung entpuppt hatte. Er tut unserem Spiel gut, klarer Fall.“ Plea ist zurück – und Borussia siegt nach zwei Pflichtspiel-Niederlagen wieder. Womöglich mehr als nur Zufall..

Der Aufreger des Spiels: Gift und Galle spuckte das Fortuna-Lager nach dem Schlusspfiff Richtung Schiedsrichter Felix Brych. Der Aufsteiger fühlte sich benachteiligt durch den Unparteiischen, schob Brych sogar eine Hauptschuld an der verdienten Derby-Niederlage in Gladbach zu. Warum? Brych hatte beim Stand von 0:0 auf Handelfmeter entschieden, nachdem Plea im Düsseldorfer Strafraum aus aussichtsreicher Position abgezogen und Düsseldorf Ayhan die Kugel mit Teilen seines Armes und Oberkörpers stoppte. Der Videoassistent griff auf jeden Fall nicht ein. „Ein Witz“, fluchten die Fortunen dennoch später in Kabinengang. Gladbachs Coach Dieter Hecking brachte es dann auf den Punkt: „Wir hätten auch ohne den Elfmeter gewonnen.“ Weil Fortuna über 90 Minuten samt Nachspielzeit gesehen nicht das Format hatte, der Borussia intensiv zuzusetzen und auch ohne jegliche Durchschlagskraft in der Offensive agierte.

Die Trainer-Stimmen

Dieter Hecking (Borussia Mönchengladbach): „Wir haben das Nachbarschaftsduell verdient gewonnen. Uns war klar, dass Fortuna nach mehreren Liga-Niederlagen in Folge vom läuferischen Aufwand und der Defensivarbeit her ihr bestes Gesicht zeigen würde und über Lukebakio immer wieder gefährliche Aktionen kreieren wollte. Wir haben in der ersten Halbzeit viel versucht, um die Lücke zu finden, waren vom Passspiel her vielleicht nicht ganz so schnell, wie ich es mir erhofft hatte, um den Gegner aus der Ordnung zu bekommen. Zum Ende der ersten Hälfte hatten wir trotzdem zwei ganz klare Torchancen, die wir zur Führung hätten nutzen müssen. Ich habe der Mannschaft in der Pause gesagt, dass sie das Spieltempo hochhalten, einen Gang höher schalten und geduldig sein soll. Das hat die Mannschaft hervorragend umgesetzt in der zweiten Halbzeit.“

Friedhelm Funkel (Fortuna Düsseldorf): „Bis zum 0:2 haben wir es ganz ordentlich gemacht. Aber wie so oft in den vergangenen Spielen hat bei uns die letzte Konsequenz gefehlt. Wir haben auch Möglichkeiten gehabt, müssen diese aber endlich irgendwann ausnutzen und Tore erzielen. Es reicht nicht, dass wir heute besser gespielt und uns gut präsentiert haben. Für mich war es vor dem 0:1 aber kein Elfmeter. Ich weiß nicht, wo die Spieler ihre Hände hintun sollen. Ayhan wird in dieser Szene aus drei oder vier Metern angespielt und will den Schuss abblocken. Der Schiedsrichter hätte einfach weiterspielen lassen sollen und wenn es Handspiel gewesen wäre, wäre aus dem Videokeller die entsprechende Nachricht gekommen. Dann hätte sich der Schiedsrichter es nochmal ansehen können. Vor dem 0:2 ist uns natürlich ein katastrophaler Fehler unterlaufen. Damit war das Spiel eigentlich schon gelaufen.“

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