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Borussia Mönchengladbach: An Adler und sich selbst gescheitert

Borussia Mönchengladbach : An Adler und sich selbst gescheitert

Gladbachs Heimsieg-Serie ist im elften Spiel gerissen. Gegen den dezimierten HSV verschießen Hahn und Stindl zwei Elfmeter.

Mönchengladbach. Wie ein angeschlagener Boxer stand André Hahn in den Katakomben des Borussia-Parks. Das blaue Pflaster unter der Nase verbarg die in der Halbzeitpause ohne Betäubung genähte Oberlippe des Angreifers von Borussia Mönchengladbach. HSV-Torhüter René Adler hatte sie Hahn bei einer rüden Rettungsaktion mit dem Knie aufgerissen. „Es heißt immer, der Torwart darf zu seinem Schutz die Knie anziehen. Aber keiner erklärt mir, wie ich mich in solchen Szenen schützen darf“, sagte Hahn. So sah der 26-Jährige wie das Sinnbild eines verkorksten Spiels aus, in dem sich die „Fohlenelf“ am Hamburger SV die Zähne ausbiss.

Borussia Mönchengladbach: An Adler und sich selbst gescheitert

Die Mannschaft von Trainer André Schubert kam gegen das Schlusslicht nicht über ein enttäuschendes 0:0 hinaus und verpasste den elften Heimsieg in Folge. Auch weil Hahn in einem anderen Duell mit Adler den Kürzeren zog, als dieser in der 26. Minute einen Elfmeter parierte. Zudem setzte Stindl nach 60 Minuten einen weiteren Strafstoß an die Latte.

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Beide Elfmeter waren umstritten. Das Foul von Cleber an Stindl geschah hauchdünn vor der Strafraum-Grenze. Rot gegen Cleber war für Schiedsrichter Stark allerdings alternativlos. Und Traoré wurde vor dem zweiten Strafstoß nur leicht von Santos berührt.

Doch auch in — eingerechnet der Nachspielzeit — 73 Minuten Überzahl konnten die Gladbacher den limitierten HSV nicht aushebeln. Zwar gab es dafür Chancen, aber entweder hielt Adler glänzend wie gegen Stindl (58.) und Johnson (77.), oder das Pech verhinderte den erlösenden Treffer wie beim Schuss von Oscar Wendt an den Pfosten (90.). Vieles allerdings war auch dem eigenen Unvermögen geschuldet. Die größte Gelegenheit neben den beiden vergebenen Strafstößen hatte Nico Elvedi, der den Ball freistehend in der allerletzten Sekunde überhastet neben das Tor schoss. „Uns hat die Entschlossenheit gefehlt. Wir müssen an unserem Abschluss arbeiten“, sagte Elvedi.

Der erst 20-jährige Schweizer hätte seine gute Leistung krönen können, ist als Verteidiger allerdings nicht der Hauptadressat in Sachen mangelhafte Chancenverwertung. Dieses bislang nur auswärts aufgetretene Phänomen scheint nun offenbar auch den heimischen Borussia-Park erreicht zu haben. Dabei hatte sich gerade André Hahn viel vorgenommen. „Die Chancen waren da. Ich muss sie einfach konzentrierter und konsequenter abschließen.“

Gegen den HSV, der offensiv vor Clebers Platzverweis kaum und danach gar nicht mehr stattfand, fehlte es allerdings auch an Tempo und Ideen. Da wurde wie beim Handball um den gegnerischen Strafraum herum gespielt, ohne dass ein kreativer Gedanke das vom HSV diszipliniert geschlossen gehaltene Zentrum aufriss. In dieser Hinsicht wurden die verletzten Raffael und Thorgan Hazard schmerzlich vermisst. „Die zwei gehen uns schon ab. Raffael hat in engen Räumen eine große Qualität und kann dazu das Tempo immer wieder geschickt verlagern, denn besonders in so einem Geduldsspiel muss der Ball ständig in Bewegung gehalten werden“, sagte Trainer André Schubert.

So aber wurde es dem biederen Gegner leicht gemacht, selbst in Unterzahl ein 0:0 in die Hansestadt zu entführen. Gladbach konnte damit im siebten Spiel der Saison zum vierten Mal nicht gewinnen und muss nun auch noch zweimal reisen. Am Mittwoch in der Champions League darf die Borussia bei Celtic Glasgow auf keinen Fall verlieren, doch selbst ein Unentschieden würde den Druck vor dem Rückspiel gegen die Schotten vergrößern. Am Samstag folgt das Gastspiel bei Meister Bayern München, wo nach einer einzukalkulierenden Niederlage dann auch die Bundesliga-Tabelle unerfreuliche Regionen ausweisen könnte. Der „Fohlenelf“ droht plötzlich ein stürmischer Herbst.