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Bernd Krauss holte vor 25 Jahren den letzten Titel mit Borussia Mönchengladbach

Ex-Trainer von Borussia M’Gladbach : Bernd Krauss: „Gute Stürmer entscheiden Spiele“

Der ehemalige Trainer von Borussia Mönchengladbach holte vor 25 Jahren den letzten Titel mit Gladbach.

Im Allianz-Stadion im Wiener Stadtteil Hütteldorf blüht der Schmäh, wenn sich ehemalige verdienstvolle Spieler des österreichischen Fußball-Rekordmeisters SK Rapid zum Spiel und Plauderstündchen treffen und von früheren Zeiten schwärmen. Sie gehören zum grün-weißen „Legendenklub“ Rapids. In diesem Kreis hat auch Bernd Krauss einen festen Platz. Der ehemalige Fußball-Profi erlebte als Spieler von Rapid Wien mit zwei Meisterschaften und einem Pokalsieg seine erfolgreichste Zeit. Als Cheftrainer von Borussia Mönchengladbach ist er durch den Pokalsieg der Fohlen-Elf gegen den VfL Wolfsburg (3:0) vor 25 Jahren unvergessen. Es war der letzte Titelgewinn des Traditionsvereins vom Niederrhein.

Am Samstag beim Pokalsieg der Bayern gegen Leverkusen im Finale von Berlin kamen bei Krauss zwangsläufig die Gedanken und Erinnerungen wieder hoch. „Natürlich, das bleibt auf immer und ewig, obwohl diesmal alles anders war. Die Geisterkulisse irritiert mich nach wie vor“, erzählt der Pokal-Gewinner von 1995.

 Bernd Krauss bei seinem ersten Auftritt als Trainer von Borussia Dortmund.
Bernd Krauss bei seinem ersten Auftritt als Trainer von Borussia Dortmund. Foto: picture-alliance / dpa/Franz_Peter_Tschauner

„Rang vier war der verdiente Lohn für Trainer und Team“

Gleichwohl schenkte Bernd Krauss auch in der befremdlichen „Corona-Spielzeit“ der Fohlen-Elf besondere Aufmerksamkeit und nahm sie gewohnt kritisch unter die Lupe. „Rang vier war der verdiente Lohn für Mannschaft und Trainer“, sagt Krauss, „die Jungs von Marco Rose haben zeitweise einen schönen und offensiven Fußball gezeigt. Insbesondere die jüngsten Einkäufe des Klubs waren Volltreffer.“ Dass der VfL nach der Verpflichtung von Alassane Plea mit Marcus Thuram einen weiteren Stürmer holte, habe ihn besonders gefreut. „Das war für mich eine starke Entscheidung der Verantwortlichen. Thuram ist ein toller Bursche. Die Verpflichtung war für mich mit ausschlaggebend für den großartigen Erfolg. Du brauchst im Angriff Top-Leute. Gute Stürmer entscheiden, wie Spiele laufen. Siehe Lewandowski, siehe Timo Werner, und so war es bei uns vor 25 Jahren auch. Dahlin und Herrlich waren brandgefährliche Angreifer und mit ihren Treffern Erfolgsgaranten.“

 Bernd Krauss, ehemaliger Trainer bei Borussia Mönchengladbach, ist im Mai 63 Jahre alt geworden. 
Bernd Krauss, ehemaliger Trainer bei Borussia Mönchengladbach, ist im Mai 63 Jahre alt geworden.  Foto: picture alliance / Roland Weihra/Roland Weihrauch

Krauss sieht noch viel Potential in der Gladbacher Mannschaft, die auch Rückschläge wie im DFB-Pokal und Europapokal gut wegsteckte und umgehend wettmachte: „Das Ausscheiden in der Europa-League war für mich allerdings eine große Enttäuschung. Das muss ich zugeben. Zumal die Gruppengegner nun wahrlich keine großen Namen waren.“

„Mit Geisterspielen kann ich
mich nicht wirklich anfreunden“

Als großes Plus gegenüber manchem anderen Verein in der Liga betrachtet der 63-Jährige auch den Umstand, dass Marco Rose bei Borussia Mönchengladbach von kompetenten Akteuren umgeben ist, die ihm den Rücken frei halten: „Natürlich ist jeder Trainer vom Erfolg abhängig, Aber es ist schon wichtig, wenn du weißt, dass Persönlichkeiten wie Sportdirektor Max Eberl und Geschäftsführer Stephan Schippers das Sagen haben und für Ruhe sorgen, mögen auch ab und an intern die Fetzen fliegen.“

In der Corona-Zeit hat sich Krauss vornehmlich am Fernseher mit Fußball beschäftigt. Dass die Liga recht schnell ihren Betrieb wieder aufnehmen konnte und bereits Ende Juni der neue deutsche Meister gekürt wurde, bewertet er sehr positiv. „Das Krisenmanagement der verschiedenen Gremien konnte sich sehen lassen. Allerdings kann ich mich mit Geisterspielen nicht wirklich anfreunden. Es herrscht Tristesse, es fehlt die Spannung, das Wechselspiel zwischen Spielern und Zuschauern, die Kulisse. Aus meiner Erfahrung weiß ich, dass die Fans einen Spieler auch immer wieder pushen und manchmal so weit bringen, dass sie über den Punkt gehen.“ Dass die Anzahl der Heimsiege in der Liga in den letzten neun Begegnungen zurückgegangen ist, wundert Krauss keineswegs. „Andererseits, die Schalker können ja sogar froh sein, dass sie weitgehend vor leeren Rängen gespielt haben,“ fügt er schmunzelnd hinzu.

In Bezug auf die kommende Saison erwartet Krauss erneut einen spannenden Kampf um die lukrativen Plätze. „Der FC Bayern bleibt die unangefochtene Nummer 1, dahinter sehe ich Borussia Dortmund. Leipzig ohne Werner wird es schwerer haben, ganz oben mitzumischen. Ich denke, dass sich Gladbach trotz der finanziellen Einbußen durch die Corona-Pandemie auf dem Transfermarkt umsehen und sich noch einmal verstärken wird. Jetzt nicht nachlassen, muss die Devise sein.“

Auch um international für Furore zu sorgen? „Wenn das gelänge, wäre das super. Die Champions-League ist aber schon eine Herausforderung und ganz andere Bühne.“ So Krauss, der vor 25 Jahren den letzten Titelgewinn mit Borussia Mönchengladbach holte. Damals vor mehr 74 000 Zuschauern im Berliner Olympiastadion: „Jetzt wäre ich schon froh, wenn demnächst wenigstens ein paar Tausend in den Stadien sind. Das wünsche ich mir sehr.“