Leverkusen verzweifelt an der Hoffenheimer Mauer

Spieltag : Leverkusen verzweifelt an der Hoffenheimer Mauer

Peter Bosz muss seinem Freund Alfred Schreuder und dessen Defensiv-Taktik zwei Punkte überlassen.

In der vergangenen Woche noch war es das beherrschende Sport-Thema: das Bundesliga-Duell der befreundeten Trainer Marco Rose von Borussia Mönchengladbach und Sandro Schwarz vom FSV Mainz 05. In dieser Woche hingegen blieb der Blätterwald eher ruhig. Dabei lässt sich eine derartige Geschichte ja durchaus auch mit Peter Bosz vom TSV Bayer 04 Leverkusen und Alfred Schreuder von der TSG 1899 Hoffenheim schreiben. Wenn auch in einem etwas kleineren Rahmen.

Privat unternehmen die beiden Niederländer selten etwas gemeinsam, sportlich hingegen treffen sie sich seit 1991 regelmäßig. Zunächst als Profis bei Feyenoord Rotterdam sowie NAC Breda, dann war Schreuder in Boszs Ära als technischer Direktor von Feyenoord im Spieler-Kader. Als beide als Trainer unterwegs waren, kreuzten sich ihre Wege später bei den Partien zwischen Vitesse Arnheim und Twente Enschede.

„Ich bin mit Peter bestens befreundet, seit der Spieler-Fahrgemeinschaft haben wir ein super Verhältnis“, sagte Schreuder im „Kicker“ und Bosz meinte am Samstag: „Es macht immer Spaß, Alfred zu sehen.“

Was dieses Mal nach den schlussendlich 101 Minuten auf dem Rasen der BayArena in Boszs Innerem sicherlich nicht der Wahrheit entsprach. Zwar präferieren beide Trainer in ihrer Spielphilosophie den dominanten Ballbesitzfußball, doch diesem „Fußball total“ verweigerte sich Schreuder in Leverkusen komplett. In einem gefühlten 8-1-1-System war das einzige Hoffenheimer Bestreben, mit einem 0:0 nach Hause zu fahren.

Nach 18 Spielen
erstmals wieder kein Treffer

Da diese Verweigerungstaktik aufging, lässt sich noch nicht mal von einem unverdienten Punktgewinn sprechen. Ungerecht aber ist das Ergebnis allemal. „Das war schon extrem, dass sie so gar nicht Fußball spielen wollten“, sagte Leverkusens Innenverteidiger Jonathan Tah.

Auch Rudi Völler als Geschäftsführer Sport zuckte ratlos mit den Schultern. „Ich habe hier meistens andere Hoffenheimer Teams gesehen. Heute gab es von daher leider kein Spektakel. Natürlich muss jeder sehen, wie er seine Punkte zusammen bekommt. Aber es sah ja fast so aus, als wenn sie Angst vor uns hätten. Leider konnten wir den Türöffner nicht finden, weil wir ein paar Dinge nicht ganz richtig gemacht haben“, sagte Völler.

Gemeint haben dürfte der 59-Jährige vor allem die Effizienz bei Standardsituationen. Allein 19:0 Ecken verzeichnete die „Werkself“ – ohne Ertrag. „Aus einer solchen Fülle an Eckbällen muss dann irgendwann auch mal Kapital geschlagen werden. Derartige Spiele können halt auf diese Art gewonnen werden“, sagte Lapitän Lars Bender. So jedoch blieb die „Werkself“ seit dem 0:1 gegen Mönchengladbach am 19. Januar erstmals nach 18 Partien wieder ohne Treffer. Und der mögliche goldene Start in die Spielzeit wurde zum nur silbernen Saison-Auftakt. „Neun Punkte wären natürlich überragend gewesen. Sieben sind aber auch okay, viele Dinge funktionieren schon gut“, so Völler. Das Verwerten von Eckbällen gehört noch nicht dazu.

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